Wildpferde überqueren einen Fluss in der kanadischen Provinz Alberta.
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Wild und frei: kanadische Wildpferde

Wie ich in den kanadischen Rocky Mountains wilde Pferde fotografierte.

Ausgabe: Juli 2021 Autor: Norma Van Alstine

Es begann damit, dass mein Mann und ich meinen Bruder Lonnie in der Nähe der Ausläufer der Rocky Mountains in der kanadischen Provinz Alberta besuchten. Mein Bruder erwähnte, dass er manchmal Wildpferde in der Gegend sähe, was mich aufhorchen liess. Nachdem ich von den Pferden gehört hatte, wollte ich sie unbedingt sehen. Ich liebe Pferde schon immer und habe bereits als Kind mit dem Reiten angefangen. Mit zwölf Jahren bekam ich mein erstes eigenes Pferd. Mein Bruder und ich stellten Nachforschungen an, bevor wir eines Nachmittags zu dem Schutzgebiet für Wildpferde fuhren, das von der gemeinnützigen Organisation Wild Horses of Alberta Society (WHOAS) verwaltet wird.
Das Gebiet befindet sich in einem riesigen Areal unberührter Natur in Staatsbesitz. Ehrenamtliche Helfer kümmern sich um verletzte Pferde und um die von der Herde verstossenen Tiere. Jene, die man nicht wieder auswildern kann, gewöhnen sie an den Menschen, damit sie ein neues Zuhause finden.
Während unseres Besuchs beobachteten wir eine von einem dunkelbraunen Hengst angeführte Herde, als sie an eine Tränke kam.  Das war der Beginn meines Sehnsuchtsprojekts, Wildpferde zu fotografieren. Als ich drei Jahre später in Rente ging, flog ich allein nach Alberta, um an einem mehr­tägigen Seminar für Amateurfotografen teilzunehmen.

 

Foto-Safari zu den wilden Pferden

Obwohl erst September war, fiel über Nacht Schnee und bildete eine wunderschöne Kulisse für Fotos. Bepackt mit unseren Fotoausrüstungen stiegen wir in zwei Pick-ups. Wir fuhren an Wiesen und Senken vorbei, um­geben von unberührtem Gebirgsvorland. Irgendwann hielten wir an einer abgelegenen Stelle an. Jenseits des von Kiefern und Erlen gesäumten Strassenrands hörten wir Pferde schnauben und wiehern. Elektrisiert sprangen wir aus den Pick-ups. Während wir durch das Unterholz krochen, erspähten wir die Pferde: Ein dunkelgrauer Hengst mit drei schwarzen Stuten. Das Trio bot einen grandiosen Anblick. Wir pirschten weiter und entdeckten eine kleine Herde mit einem prächtigen braunen Hengst. Sein Fell war gezeichnet von Narben. Wir beobachteten, wie er ein wach­sames Auge auf seine Stuten in der Nähe hielt, während Schneeflocken in der Luft tanzten.
Dies war die erste von mehreren Begegnungen während jenes Wochenendes. In den Jahren 2018 und 2019 nahm ich an drei weiteren Seminaren teil. Ich staunte jedes Mal, wenn ich im Frühling den frisch geborenen Fohlen bei ihren Sprüngen durch die Löwenzahnblüten auf den Wiesen zusah. Ehrfurchtsvoll sah ich den kraftstrotzenden Hengsten bei ihren Machtkämpfen zu. Und ich beobachtete, wie sie zärtlich er mit ihrem Maul sanft den Kopf seiner Stute anstupsten.
Manche Begegnung machte mich traurig: Die Narben im Fell vieler Pferde zeugten von Angriffen eines Berglöwen oder Grizzlys. Und es hat mich sehr traurig gemacht, als ich erfuhr, dass Wildpferde aus reiner Jagdlust oder von Landbesitzern erschossen wurden, weil die Tiere privates Weideland betreten hatten. Am meisten beeindruckte mich die Pracht und Schönheit dieser Tiere. Ich hoffe, dass diese Pferde auch in Zukunft im Gebirgsvorland von Alberta wild und frei leben können. 

 


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RD Abbinder
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