Catherine Deneuve, französische Schauspielerin
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Catherine Deneuve: Grande Dame mit Haltung

Von sozialen Medien hält Filmstar Catherine Deneuve wenig. Von der Frauenquote dafür umso mehr.

Ausgabe: Januar 2020 Autor: Dieter Oßwald

Sie ist so schön, dass ein Film, in dem sie spielt, auch ohne Geschichte auskommt“, schwärmte François Truffaut einst von Catherine Deneuve. Der französische Filmstar vereint Schönheit, Charisma und Können – und wird dafür von Publikum und Regisseuren gleichermassen geliebt. Beim Gespräch im noblen Hotel Adlon in Berlin trägt die mittlerweile 76-Jährige ein T-Shirt mit der Aufschrift Enjoy Life (geniesse das Leben).

Reader’s Digest: Madame Deneuve, ist „Enjoy Life“ womöglich das Motto Ihres Lebens?
Catharine Deneuve:
(Lacht) Ich wünschte, das wäre so: Dass ich immer sagen könnte, geniesst das Leben! Ich geniesse das Leben! Aber es gibt so viele Dinge, die mir nicht gefallen.

Was missfällt Ihnen denn?
Mir missfallen die sozialen Medien. Da geht es gar nicht nur um fake news, ich finde es schon schrecklich, dass jeder über jeden etwas schreiben kann und dabei völlig anonym bleibt. Das bringt die dunkle Seite der Menschen hervor. Und es führt auch zu grosser Vereinsamung. Es scheint, dass alle ständig mit allen kommunizieren – aber wenn man genauer hinschaut, sieht man häufig einsame Kinder. Wer in einer Beziehung mit Menschen ist, muss nicht ständig am Telefon hängen, um Kurznachrichten zu verschicken.

Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?
Ich mache mir Sorgen um den Klimawandel. Ich hörte von einem Filmemacher, der siebenmal am Nordpol war. Bald will er wieder dorthin und er sagt, er würde wohl einer der letzten Menschen sein, der den Pol noch so sieht, wie er war. Fotos von schmelzenden Eisbergen sehen schon schlimm aus, aber die Realität muss noch viel beängstigender sein.

Waren Sie in den 1970er-Jahren optimistischer, was den Zustand der Welt betrifft?
Wir hatten Grund, optimistisch zu sein. Gleichwohl gab es durchaus Probleme: den Kalten Krieg, die atomare Bedrohung. Der Unterschied zu damals liegt darin, dass sich die Menschen heute ständig und überall vom Terrorismus bedroht fühlen. Da kann eine junge Polizistin in Paris ermordet werden, oder ein Unbeteiligter in der deutschen Provinz wird auf offener Strasse mit einem Messer attackiert. Solche Ängste gab es in den 1970er-Jahren nicht, da hatte man mehr Möglichkeiten zu träumen.

Gleichwohl gab es etliche gesellschaftliche Fortschritte ...
Natürlich, die Freiheit des Denkens ist grösser, und die Regeln der Gesellschaft sind offener geworden. Homo­sexuelle können heiraten. Frauen können selbst bestimmen, ob und wann sie Kinder bekommen.

Sie waren in der Frauenbewegung aktiv. Was halten Sie von einer gesetzlichen Frauenquote?
Frauenquoten finde ich richtig, um die Mentalität zu verändern. Ohne sie wird sich an der männlichen Dominanz nichts verändern.

Nach all den Filmen, die Sie gedreht haben: Ermüdet Sie der Beruf bisweilen?
Natürlich kann das passieren. Etwa wenn es zu kalt ist. Wenn eine Szene zu schwierig ist. Wenn man sich nicht gut in Form fühlt. Aber das geschieht doch in jedem Beruf bisweilen, dass man in bestimmten Situation einfach keine rechte Lust hat. Aber das sind nur Momente – sonst würde ich keine Filme mehr machen!

 

Zur Person: Catherine Deneuve

wurde am 22. Oktober 1943 als Catherine Dorléac in Paris geboren. Ihre Eltern waren ebenfalls Schauspieler. Ihren ersten grossen Erfolg feierte Deneuve 1964 mit dem Musical Die Regenschirme von Cherbourg. Es folgten Filme wie Ekel von Roman Polanski, Belle de Jour von Luis Buñuel sowie Die letzte Metro von François Truffaut. Als Plantagenbesitzerin in Indochine erspielte Deneuve sich 1992 eine Oscar-Nominierung. Seit ihrem Debüt stand sie für mehr als 130 Filme vor der Kamera. Deneuve hat einen Sohn und eine Tochter.

 

 


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