Autorin Cornelia Funke
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Im Interview: Autorin Cornelia Funke

Bestsellerautorin Cornelia Funke über Politik und Fantasie – und warum sie auf die Zukunft vertraut.

Ausgabe: Dezember 2019 Autor: Rüdiger Sturm

Es ist nicht leicht, Cornelia Funke zu erwischen. Die deutsche Schriftstellerin, die im Dezember 61 Jahre alt wird, lebt bereits seit 2005 in den USA. Ihr jüngstes Werk Das Labyrinth des Fauns hat sie sogar auf Englisch geschrieben. Ihrem Genre aber, dem Fantasyroman, ist sie treu geblieben. Vermutlich sehr zur Freude ihrer zahlreichen Leser: Letztes Jahr überstieg die Gesamtauflage von Funkes mehr als 60 Büchern 26 Millionen Exemplare.

Reader’s Digest: Sie sind als Beschwörerin fantastischer Welten berühmt. Manche Kritiker allerdings halten Fantasyliteratur für Wirklichkeitsflucht ...
Cornelia Funke:
Es gibt Statistiken, denen zufolge Menschen, die Fantasy lesen, wesentlich politischer sind. Ich finde, dass wir uns vor der Wirklichkeit nicht abschotten dürfen. Wir müssen uns ihr stellen, uns von ihr verzaubern und verschrecken lassen und unseren Anteil leisten, die Welt, in der wir leben, menschlicher und lebenswerter zu machen. Fantasyliteratur stellt die Unveränderlichkeit der Welt infrage, indem sie andere Welten entwirft.

Was an der Wirklichkeit verschreckt Sie denn?
„Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ heisst es in Brechts Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, der parabelhaften Aufarbeitung von Adolf Hitlers Aufstieg. Man hat das Gefühl, dass sich die alten Monster wieder regen und noch mal einen letzten grossen Auftritt hinlegen wollen, bevor es eine andere Art von Zukunft gibt.

Sie blicken also hoffnungsvoll in die Zukunft?
Ich habe jedenfalls keine Sehnsucht nach den sogenannten „guten alten Zeiten“. Da frage ich mich: Welche waren das denn bitte? Was mir Hoffnung gibt, sind die Jungen. Da wächst eine sehr aufregende Generation heran, die mit grossen Herausforderungen konfrontiert ist – die wir geformt haben! Und sie müssen neue und andere Wege finden, ihnen zu begegnen, weil die Welt sich so dramatisch verändert hat.

Wie können Erwachsene Kinder und Jugendliche dabei unterstützen?
Kinder müssen Erfahrungen sammeln dürfen, die nicht von Erwachsenen geplant und vorbestimmt sind. Sie müssen Freizeit haben, fern von Schulen und Hausarbeit, Natur neu entdecken, all das erfahren, was in dieser Welt nicht von Menschen gemacht oder bestimmt wird. Die Eltern heutzutage sollten ihre Ängste bekämpfen und die Kinder hinausschicken.

Wie steht es um Ihre eigenen Ängste?
Ich habe Angst vor tiefem Wasser. Ich bin eine miserable Schwimmerin. Das bedauere ich sehr, weil ich hier am Meer wohne.

Das Leben kann aber sehr bittere Überraschungen bereithalten. Davor haben Sie keine Angst?
Natürlich! Ich habe, wie wir alle, die Angst, die Menschen zu verlieren, die ich liebe. Und ich habe diesen Schmerz ja auch schon erlebt. Aber ich habe auch gelernt, wie man solchen Verlust annehmen und damit weiterleben kann. Und ich vergifte all die Glücksmomente, die mir mein Leben jeden Tag schenkt, nicht dadurch, dass ich mir Unglück ausmale, das vielleicht in der Zukunft wartet. Ich bin sicher, da werden noch ein paar böse, aber auch ein paar sehr schöne Überraschungen kommen. Wie alle guten Geschichten muss das Leben beides beinhalten.

 

Zur Person: Cornelia Funke

Cornelia Funke wurde am 10. Dezember 1958 in Dorsten, Nordrhein-Westfalen, geboren. Durch eine Tätigkeit als Kinderbuchillustratorin fand sie 1986 zur Schriftstellerei. Mit zahlreichen fantastischen Jugendromanen wie Drachenreiter (1997), Herr der Diebe (2000) und der Tintenwelt-Trilogie (2003-2007) feierte sie auch inter­national grosse Erfolge. Funke lebt heute in Malibu. Mit ihrem 2006 verstorbenen Mann Rolf Frahm hat sie zwei mittlerweile erwachsene Kinder.

 


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