Autofahren in Europa - das sollten Sie beachten
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Praktische Tipps

Autofahren in Europa - das sollten Sie beachten

Andere Länder, andere Sitten: So vermeiden Sie Ärger im Straßenverkehr.

Ausgabe: Juni 2019 Autor: Michael Kallinger
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Als ich das Blaulicht im Rückspiegel bemerkte, war es zu spät. „Papa, hinter uns ist die Polizei“, drang die Stimme meiner Tochter von der Rückbank an meine Ohren. Die fühlten sich spontan sehr heiss an. Gerade war ich links abgebogen – an einer Stelle der Avinguda del Parallel in Barcelona, an der ein Schild dies ausdrücklich untersagte. Gut, der reguläre Weg war durch eine Baustelle versperrt und unsere Urlaubsunterkunft nur noch 50 Meter entfernt. Trotzdem: falsche Entscheidung. Ausgerechnet in Spanien, dem Land Europas mit den strengsten Strafen für Verkehrssünder!

Im Geiste sah ich mich schon meinen Führerschein abgeben. Was war ich erleichtert, als mir die Polizeibeamten nach einer eingehenden, auf Katalanisch geführten Beratung verkündeten, es sei lediglich ein Bussgeld für das Missachten eines Verkehrsschildes fällig.

Was mich sehr verblüffte, war, dass ich nur die Hälfte der Strafe bezahlen musste, wenn ich dies sofort und per Kreditkarte erledigen würde. Ich wusste, dass man in manchen Ländern Bussgelder im Strassenverkehr unmittelbar entrichten muss. Dass man dafür einen Rabatt eingeräumt bekam, war für mich als Deutschen eine Überraschung. Plötzlich fühlte sich mein Verkehrsverstoss wie ein Schnäppchen an! Meine Erfahrung brachte mich auf die Idee, bei Kolleginnen und Kollegen in Reader’s Digest-Redaktionen in Europa nachzufragen, welche Regeln und typischen Verhaltensweisen Besucher ihrer jeweiligen Heimatländer tunlichst beachten sollten.

Klicken Sie einfach in der Liste unten auf das Land, zu dem Sie mehr erfahren möchten.

 

Belgien: Bitte unbedingt Bargeld dabeihaben

„Wenn du in Namur, Ostende oder Brüssel mit dem Auto unterwegs bist, solltest du immer genügend Bargeld bei dir tragen“, rät mein in Brüssel geborener Kollege Stéphane Calmeyn, der unsere französischsprachigen Ausgaben verantwortet. Bei Verkehrsverstößen können im Ausland zugelassene Fahrzeuge festgesetzt werden, wenn der Fahrer fällige Bußgelder nicht direkt entrichtet. „Für eine Geschwindigkeitsüberschreitung von weniger als zehn km/h sind bereits mehr als 50 Euro fällig“, warnt Stéphane.

Deutschland: Im Geschwindigkeitsrausch

Wenn ich mich mit Kollegen aus anderen Ländern über das Autofahren in Deutschland unterhalte, fehlt kaum je die Frage: „Darf man auf euren Autobahnen wirklich so schnell fahren, wie man will?“ Oft versuche ich zu erklären, dass die meisten Strecken sehr wohl einer Geschwindigkeitsbegrenzung unterliegen. Vor allem aber, dass man wegen des dichten Verkehrs meist ohnehin nicht deutlich schneller fahren kann als 130 km/h, die empfohlene Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen.
Dann füge ich hinzu, dass Verkehrsteilnehmern, die schneller als 130 km/h unterwegs sind, im Falle eines Unfalls stets eine Teilschuld zugeschrieben wird. Allein, am Ende bleibt die Meinung: „Ja, Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem man sein Auto auf manchen Strecken so schnell fahren darf, dass man dafür in anderen Ländern ins Gefängnis käme.“

Finnland: Bitte die Zapfsäule frei machen!

Die gute Nachricht zuerst: In Finnland gibt es kaum Verkehrsstaus! Dafür leben in den finnischen Wäldern rund 100.000 Elche. „Insbesondere im Frühling und Herbst, und dann vor allem in den frühen Morgen- und späten Abendstunden, muss man immer damit rechnen, dass plötzlich einer auf der Straße steht“, warnt mein Kollege Ilkka Virtanen, Chefredakteur unserer Schwesterzeitschrift Valitut Palat. „So ein Elch ist groß und schwer wie ein Pferd, weshalb ein Zusammenprall für Autofahrer und Tier gleichermaßen tödlich enden kann.“
Noch ein Grund, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen von 80 km/h auf Landstraßen zu halten: Stationäre Geschwindigkeitskontrollen sind weit verbreitet. „Aber im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten sendet unsere Polizei die Bußgeldbescheide nicht an Fahrzeughalter im Ausland“, sagt Ilkka.
Wenn Sie nicht als Tourist auffallen wollen, hier noch ein Tipp zur Etikette. „Fahren Sie Ihr Auto nach dem Tanken zur Seite, noch bevor Sie bezahlen gehen“, bittet Ilkka. „Das machen wir in Finnland so, damit der nächste Kunde gleich Kraftstoff zapfen kann.“

Frankreich: Fahrverbot für umweltschädliche Autos

Meine Fahrten führen mich oft nach Frankreich. Vor allem in Paris beschleichen mich dabei regelrecht heimatliche Gefühle. Das liegt nicht zuletzt an den Fahrverboten: Bei uns zu Hause in Stuttgart dürfen ältere Dieselfahrzeuge wegen ihres zu hohen Stickstoffdioxid-Ausstoßes nicht mehr in die City einfahren. In Paris sind die besonders umweltschädlichen Modelle ab 5.30 Uhr in der Stadt geächtet.
„Wenn du Paris mit dem Auto besuchen willst, solltest du dir vorher ein Luftqualitätszertifikat für dein Auto schicken lassen“, rät mir unser Autor Etienne Thierry-Aymé. Zertifikate kann man unter certificat-air.gouv.fr beantragen. Sie basieren auf den Normen, die im Feld V9 der Zulassungsbescheinigung eingetragen sind, und kosten inklusive Versand 4,21 Euro.

Niederlande: Damit der Urlaub nicht ins Wasser fällt

In meinem verbeulten Opel Kadett kurvte ich in den 1980er-Jahren zwischen unzähligen Fahrradfahrern durch Amsterdam. Die Suche nach einem Parkplatz war schon damals schwierig. „Aktuell plant die Stadtverwaltung, die Anzahl der Parkplätze nochmals um 40 Prozent zu verringern“, erzählt mein Kollege Paul Robert, Chefredakteur unserer niederländischen Ausgabe. „Es ist schlauer, einen der Park-and-Ride-Parkplätze am Stadtrand anzufahren oder gleich den Zug zu nehmen.“
Wer dennoch mit dem Auto in die Innenstadt will, sollte sich auch vor den Grachten hüten. „An diesen Kanälen gibt es meist nur eine kaum 15 Zentimeter hohe Barriere“, erklärt Paul. „Kein großes Hindernis, wenn man den ersten mit dem Rückwärtsgang verwechselt.“
35 bis 40 Autos landen jedes Jahr in den Grachten. Früher wurden sie von der Feuerwehr geborgen. Die überlässt das inzwischen Privatunternehmen, die zwischen 400 und 2000 Euro berechnen – je nachdem, ob das Fahrzeug weit genug herausragt, um es ohne Tauchereinsatz bergen zu können.

Österreich: Rauchverbot im Auto

Vor einiger Zeit machte unsere Familie auf der Rückfahrt aus Slowenien Halt in Salzburg. Als wir dort ein Lokal betraten, fiel mir der eigenartige Geruch auf. Ich brauchte einen Moment, bis ich erkannte, dass mir Zigarettenrauch in die Nase stieg. In Deutschland war das Rauchen in Gaststätten damals längst generell verboten, doch in Österreich entscheidet bis heute der Wirt, ob Gäste in seinen Räumen rauchen dürfen.
Umso erstaunlicher fand ich, dass das Rauchen im Auto gesetzlich streng geregelt ist: Wenn sich Mitfahrer unter 18 Jahren im Fahrzeug befinden, ist selbst das Rauchen von E-Zigaretten im Wagen untersagt.

Portugal: Kein Bargeld, bitte!

Die Benutzung vieler Autobahnen in Portugal ist kostenlos, einige aber sind gebührenpflichtig. Darunter finden sich Strecken, bei denen die Maut nur bargeldlos bezahlt werden kann. „Das Dumme ist, du merkst erst, wenn du in die Zahlstation eingefahren bist, dass du nur über eine elektronische Erfassung bezahlen kannst“, warnt Mário Costa, Chefredakteur der portugiesischen Ausgabe. „Am besten kaufst du dir eine kennzeichengebundene Karte, die mit bis zu 40 Euro Guthaben aufgeladen werden kann. Die gibt es an den Grenzübergängen, bei Postämtern oder Tourismusinformationen.“ Die Karte wird per SMS freigeschaltet, Mautgebühren werden automatisch abgebucht.

Schweiz: Hohe Strafen für Raser

Die Schweiz zählt zu den Ländern, in denen ich am häufigsten mit dem Auto unterwegs bin. Natürlich immer mit der obligatorischen Vignette an der Frontscheibe meines Autos, die jeweils für das Kalenderjahr und den Januar des Folgejahres die Benutzung der nationalen Autobahnen erlaubt. Auf diesen gilt ein Tempolimit von 120 km/h, dessen Einhaltung die Eidgenossen genau nehmen.
Bei sogenannten Raserdelikten kennen sie generell kein Pardon: „Wer beispielsweise gefährlich überholt, kann seinen Fahrausweis dauerhaft verlieren und eine Freiheitsstrafe von bis zu vier Jahren erhalten“, weiß unsere Lektorin Dominique Graf aus Zürich. „Wer die zulässige Höchstgeschwindigkeit massiv überschreitet, dessen Fahrzeug kann eingezogen oder sogar verwertet werden.“

Slowenien: Konzentration im Kreisverkehr!

Durch Slowenien bin ich schon öfter gefahren, meist auf dem Weg zur Adria und zurück. Selbstverständlich klebte dabei stets eine Vignette an der Frontscheibe, die für die Benutzung der nationalen Autobahnen Pflicht ist. „Gut für dich“, meint meine Kollegin Maja Lihtenvalner, Chefredakteurin unserer slowenischen Ausgabe. „Vor allem im Grenzgebiet gibt es viele Kontrollen, und die Bußgelder sind empfindlich hoch!“
Was mir als Sommerurlauber bislang nicht bewusst war: In Slowenien herrscht ab dem 15. November bis zum 15. März Winterreifenpflicht! Was mir dagegen auffiel, war die große Anzahl an Kreisverkehren. Einige sind mehrspurig, oft mit Ampeln, bei denen man sich vor der Einfahrt schon einordnen muss und die Spuren im Kreis nicht wechseln kann. Da ist Konzentration gefragt!

Spanien: 50  Prozent Rabatt für Verkehrssünder

Die außerhalb ihrer Fahrzeuge so freundlichen und hilfsbereiten Spanier tragen den Autoverkehr wie einen Wettkampf aus. Vielleicht erklärt dies die im europaweiten Vergleich besonders hoch ausfallenden Strafen für Verkehrsverstöße? Die werden, wie eingangs erwähnt, um 50 Prozent billiger, wenn der Sünder sein Bußgeld gleich vor Ort entrichtet.
„Auch die Bußgelder für unerlaubtes Parken auf Anwohnerparkplätzen sind weitaus niedriger, wenn man sie schnell bezahlt“, erklärt meine Kollegin Natalia Alonso, Chefredakteurin unserer spanischen Ausgabe. Apropos Anwohnerparkplätze: „In Barcelona darf man dort im August auch als Besucher rund um die Uhr kostenlos parken, in meiner Heimatstadt Madrid immerhin nachmittags ab 15 Uhr“, verrät Natalia.

England: Kein Herz für Nachtschwärmer

Daran wird auch der Brexit nichts ändern: Ein Besuch der Hauptstadt gehört für die meisten Englandurlauber zum Pflichtprogramm. „Aber Vorsicht“, mahnt Alex Finer, Leiter unseres Londoner Büros. „Die Stadtverwaltung greift inzwischen zu recht aggressiven Maßnahmen gegen Staus und Umweltbelastung.“ Für die meisten Autos gilt nicht nur von sieben bis 18 Uhr eine City-Maut von 11,50 Pfund.
Zusätzlich müssen Fahrer seit April 2019 in einer sogenannten Ultra Low Emission Zone (ULEZ) weitere 12,50 Pfund pro Tag bezahlen, wenn ihr Fahrzeug nicht den jüngsten Europäischen Abgasnormen genügen. Das betrifft fast alle Autos, die vor 2014 zugelassen wurden. Die Abgabe ist jeweils für einen Kalendertag zu bezahlen. „Sehr ungünstig für Nachtschwärmer“, sagt Alex. „Wie Aschenputtel werden sie bestraft, wenn sie nach Mitternacht noch unterwegs sind, denn dann wird schon die Gebühr für den nächsten Tag fällig.“
 

 

Podcast zum Autofahren in Europa anklicken und anhören:


 

Verkehrsticker Europa:

  • Dänemark: Weiße Dreiecke auf der Fahrbahn an Straßeneinmündungen bedeuten „Vorfahrt gewähren“.
  • Griechenland: Das Rauchen in Kfz ist verboten, wenn Kinder unter zwölf Jahren mitfahren (Bußgeld 1500 €).
  • Italien: Nach hinten überstehende Ladung muss mit einer 50 x 50 cm großen, rot-weißen, schräg gestreiften Warntafel gekennzeichnet werden. Kroatien: Ein Set Reservelampen ist mitzuführen.
  • Lettland: Winterreifenpflicht für Fahrzeuge bis 3,5 t zGG vom 1.12. bis 1.3.
  • Litauen: Zollfrei dürfen 20 Liter Reservekraftstoff eingeführt werden.
  • Luxemburg: Atemalkoholtest ist obligatorisch, bei Weigerung wird die vorge­sehene Höchststrafe für das jeweilige Delikt verhängt.
  • Malta: Linksverkehr und Rechtsüberholen.
  • Österreich: Unfallmeldegebühr von 36 €, wenn bei Unfall Polizei nur zur Beweissicherung gerufen wird, obwohl ein Austausch der Daten der Unfallbeteiligten möglich war und keine Personenverletzungen vorliegen.
  • Polen: Parken bei Dunkelheit auf unbeleuchteten Straßen nur mit Standlicht.
  • Rumänien: Überholverbot auf Brücken.
  • Schweden: Nebelschlussleuchten dürfen nicht eingeschaltet werden.
  • Serbien: Fahrer, die die Durchführung eines Drogentests ablehnen, können in Haft genommen werden.
  • Slowakei: Für Radfahrer gilt außerorts Helmpflicht.
  • Tschechien: Die Ablehnung einer Atemalkohol- oder Blutuntersuchung kann mit bis zu 2000 € und Fahrverbot in Tschechien bis zu zwei Jahren geahndet werden.
  • Ungarn: Radfahrer müssen nachts und bei schlechter Sicht eine Warnweste tragen.
  • Zypern: Beim Überholen und auf Nebenstraßen bei scharfen/unübersichtlichen Kurven hupen (nicht zwischen 21 und sechs Uhr!).

(Quelle: Automobilclub von Deutschland)


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