Key West: Im ewigen Sommer
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Key West: Im ewigen Sommer

Die Sonne brennt, der frühe Morgenhimmel erstrahlt in einem tiefen Blau. Der Atlantik und der Golf von Mexiko changieren in glitzernden Aquamarintönen und brillantem Türkis: Florida.

Ausgabe: September 2018 Autor: Robert Kiener

Ich fahre im gemieteten Cabrio auf dem Overseas Highway, Teil der knapp 200 Kilometer langen Route 1. Sie beginnt in den Florida Keys, einer Inselkette an der südlichen Spitze des US-Bundesstaats Florida. Mein Ziel: Key West, die eigenartigste und zugleich entspannteste Stadt der USA. Die Höchstgeschwindigkeit liegt auf diesem Abschnitt des Highways bei knapp über 70 km/h. So habe ich Zeit, die Umgebung wirken zu lassen, von kitschigen Touristenmagneten und Tiki-Bars bis zu eleganten Hotels und kobaltblauen Gewässern.

Ein Tauch-Paradies

Mit gut 50 Kilometern Länge ist Key Largo die längste der mehr als 800 Inseln, die zu den Florida Keys gehören. Für Unterwassersportler zählt sie definitiv zu den besten Tauch-Revieren und wird oft auch als die Tauch-Hauptstadt der Welt bezeichnet. Besucher zieht es besonders in den John Pennekamp Coral Reef State Park, in dem sich auf rund 180 Quadratkilometern Korallenriffe, Mangrovensümpfe und Seegraswiesen erstrecken. Diese geschützte Unterwasserwelt, eines der grössten Korallenriffe der Welt, ist durchzogen von Schluchten, in denen sich Schwärme von farbenfrohen Fischen tummeln.

Nach weiteren 40 Kilometern lege ich in Islamorada (Spanisch für „Dorf aus Inseln“) eine Pause ein. Was in Key Largo das Tauchen ist, ist in Islamorada die Sportfischerei. Hier befindet sich die Hauptanlaufstelle für Angler, die hoffen, einen rekordverdächtigen Speerfisch, Zackenbarsch oder Schnapper zu fangen. Ich miete ein Kajak und paddele hinaus auf den Golf von Mexiko, wo ich mich plötzlich Auge in Auge mit einer Seekuh befinde. Die auch Manatis genannten Meeressäuger sind das offizielle Wahrzeichen des Bundesstaats Florida. Ohne mich zu beachten dreht sich die Seekuh um und verschwindet unter der Wasseroberfläche. Sogar die Tiere sind hier relaxt.

Meinen Zielort Key West vor Augen, beginne ich die Fahrt über die Seven Mile Brigde. Sie ist gut zehn Kilometer lang und verläuft knapp über der Wasseroberfläche, sodass man das Gefühl hat, auf dem Ozean zu fahren. Das Panorama verändert sich ständig, weshalb die Brücke auch häufig in Filmen auftaucht, so in True Lies und im James-Bond-Thriller Lizenz zum Töten.

Radtour durch Key West

In Key West hat mir einer der bekanntesten Bürger angeboten, mich auf eine Fahrradtour über die 20 Quadratkilometer grosse Insel mitzunehmen. Dave Gonzales, der stets lächelnde, weissbärtige Mann, bezeichnet sich selbst als inoffiziellen Sonderbotschafter für Key. „Ich bin hier geboren, genau wie meine Eltern und Grosseltern“, sagt Gonzales, der auch Leiter des Ernest Hemingway Home and Museum ist, einer der Hauptattraktionen Key Wests. Hemingway, der hier einst lebte, nannte Key West „den schönsten Ort, den ich je gesehen habe“.

Zufluchtsort für Exzentriker

Wir radeln durch die Duval Street, den Hauptboulevard der Stadt, an dem sich Kneipen, Bars und Restaurants aneinanderreihen, bis wir bei Sloppy Joe’s ankommen. In dieser Bar ist angeblich auch Hemingway eingekehrt. Mir fällt auf, dass schon ein reger Betrieb herrscht, obwohl es erst kurz nach zehn Uhr morgens ist.

„Wir arbeiten hart daran, entspannt zu sein und Spass zu haben“, sagt Gonzales mit einem breiten Grinsen. „Und Key West war schon immer ein Zufluchtsort für Exzentriker.“ Wie aufs Stichwort sehe ich einen Mann mittleren Alters in kurzer Hose und T-Shirt, auf dessen rechter Schulter ein grosser Vogel hockt. Es sei ein Weisser Kakadu, klärt er mich auf. „Er heisst Sailor“, sagt er. „Sag ,Hallo‘.“ Der Vogel tut ihm den Gefallen. Ich frage den Mann, der Lenny Roslan heisst, warum er den Kakadu auf der Schulter trägt. „Weil das hier Key West ist und wir alle Piraten sind“, antwortet er und lässt die Ahnung eines Lächelns durchschimmern. Er hält kurz inne. „Und Sailor wollte zum Mittagessen ausgehen.“

Als ich einen anderen Mann die Duval Street herunterkommen sehe, wird mir klar, dass ein Möchtegernpirat auf der Exzentrik-Skala von Key West wohl eher niedrig einzustufen ist. Der Mann Ende 60 trägt nichts als einen strategisch platzierten Strumpf und ein Paar blaue Engelsflügel. Als ich einen der Hoteleigentümer frage, was es mit dem fast nackten Mann auf sich habe, ist sein knapper Kommentar: „Der ist immer draussen unterwegs. Er ist harmlos.“ Oder um es mit den Worten des Schriftstellers Hunter S. Thompson auszudrücken: „Key West ist der Ort, wo man als Verrückter zum Profi wird.“

Key West wurde im Jahre 1513 von Ponce de Leon entdeckt und unter spanische Herrschaft gestellt. Im Jahr 1822 nahmen dann die USA die Florida Keys in Besitz. Gefährlichen Riffen und trügerischen Strömungen in Küstennähe ist es zu verdanken, dass Key West zur Blüte kam, denn die hier lebenden Seeleute plünderten die Ladung von Wasserfahrzeugen, die Schiffbruch erlitten. Bis zum Jahr 1850 hatte das lukrative Geschäft Key West zur reichsten Stadt der USA gemacht. Als mit der Strandräuberei kein Geld mehr zu verdienen war, wandten sich die Einheimischen dem Handel mit Schwämmen und Meersalz zu. Auch die Zigarrenherstellung, der Schmuggel und die Fischerei sicherten das Überleben.

Kurz nach 19.30 Uhr finde ich mich mit anderen Touristen und Einheimischen auf dem Mallory Square nahe der Altstadt ein. Abend für Abend wird auf diesem Platz der Untergang der Sonne im Golf von Mexiko gefeiert. Akrobaten, Musiker sowie Zauberer treten auf und lassen anschliessend einen Hut herumgehen. Wenn die Sonne kaum noch zu sehen ist, fängt die Menge an zu zählen: „Zehn, neun, acht, sieben ...“ Sobald sie versunken ist, brandet Applaus auf. Das Nachtleben kann beginnen.

 

Reise-Tipps:

Übernachten:
Amsterdam’s Curry Mansion Inn in Key West, DZ ab 240 Dollar, www.currymansion.com
Kona Kai Resort in Key Largo, DZ ab 229 Dollar, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Island Bay Resort in Tavernier, DZ ab 189 Dollar, www.islandbayresort.com

Ausgehen:
Hogfish Bar and Grill auf Stock Island, frische Fisch-Vorspeisen ab 14 Dollar, www.hogfishbar.com
Blue Heaven in Key West, Vorspeisen wie Cajun Caribbean BBQ Shrimp ab 25 Dollar, www.blueheavenkw.com
Half Shell Raw Bar in Key West, Vorspeisen ab 20 Dollar, www.halfshellrawbar.com
The Fish House in Key Largo, Meeresfrüchte-Vorspeisen ab 20 Dollar, www.fishhouse.com

 

 

 


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