Sicher auf Reisen - praktische Tipps
© Jag_cz / Fotolia
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Praktische Tipps

Sicher auf Reisen - praktische Tipps

Typisch ägyptische Küche, moderate Preise, netter Service – das Restaurant in Kairo, das die Kollegen empfohlen hatten, klang vielversprechend. Sicherheitshalber hatte der 45-jährige Hubschrauberpilot Sven Tiedemann den Namen der Gaststätte auf einem Zettel notiert, den er dem Taxifahrer reichte.

Ausgabe: Juni 2015 Autor: Kirstin von Elm

Der fuhr los – und hielt nicht wieder an. Bald waren keine Touristen mehr zu sehen. Schließlich stoppte der Taxifahrer doch und verschwand in einem Wohnhaus. "Hätte ich gewusst, wo ich bin, wäre ich vielleicht ausgestiegen", erzählt Tiedemann, der mittlerweile mit einer Gaunerei rechnete.

Doch sein Chauffeur kehrte schnell zurück. Rund 20 Minuten später setzte er Tiedemann vor dem Restaurant ab – nicht weit vom Ausgangspunkt der Fahrt entfernt. Des Rätsels Lösung: "Der Mann konnte nur arabische Schrift lesen und hat einen Bekannten gefragt, was auf meinem Zettel stand", erklärt der gebürtige Hamburger.

Nicht alle Urlauber haben so viel Glück. Damit Sie Ihre Ferien unbeschwert genießen können, haben wir die wichtigsten Tipps zum Thema Sicherheit auf Reisen zusammengestellt.

DAS RICHTIGE TAXI

Den enormen Umweg hat der ägyptische Taxifahrer Tiedemann damals nicht berechnet – doch manch einer seiner Kollegen ist nicht so ehrlich. Rund um den Globus arbeiten die schwarzen Schafe der Branche mit ähnlichen Tricks: Da werden haarsträubende Umwege gefahren oder zusätzliche Gebühren frei erfunden.

Bestellen Sie Taxis deshalb am besten über Ihr Hotel. Das Personal vor Ort kennt die seriösen Betriebe. Den Transfer vom Flughafen organisieren Sie möglichst schon von zu Hause aus. Lassen Sie sich auf keinen Fall von Einheimischen in private Fahrzeuge abseits vom offiziellen Taxistand lotsen. Selbst ernannte Taxifahrer unterliegen weder Qualitäts- noch Sicherheitskontrollen.

Geben Sie sich im Taxi lieber zugeknöpft: Sind Sie zum ersten Mal in der Stadt? Ein "Nein", am besten in der Landessprache, hilft, teure Umwege zu vermeiden. Falls die Tour am Ende mehr kosten soll, als das Taxameter anzeigt, bestehen Sie auf einer Quittung mit Fahrtstrecke, Namen und Lizenznummer – mit etwas Glück verzichtet der unehrliche Fahrer auf seinen Aufschlag.

GEKONNT PACKEN

Wer mit dem eigenen Wagen verreist, sollte die Fahrt gut vorbereiten. Das beginnt beim Packen: "Bereits bei einem Aufprall mit 50 km/h werden ungesicherte Gepäckstücke zu gefährlichen Geschossen", warnt Thomas Unger vom ADAC. Am besten verwahren Sie Ihr komplettes Gepäck im Kofferraum. Kombifahrern empfiehlt Unger, schwere Koffer hinter der Rückbank zu verstauen und die Ladung mit Zurrgurten zu sichern.

Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen sollten Sie genug Wasser, Tee oder Saftschorlen an Bord haben und den Wagen vor dem Start gut durchlüften. Die Klimaanlage setzen Sie dagegen besser maßvoll ein. Beträgt der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur mehr als sechs Grad, drohen Kreislaufprobleme.

Nackte Füße oder Flipflops sind selbst bei größter Hitze tabu: "Nur mit gut sitzenden Schuhen ist man für spontane Bremsmanöver gerüstet", erklärt Josef Harrer vom Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD).

GUT VERSICHERT

In puncto Verkehrssicherheit schneidet manches beliebte Urlaubsziel schlecht ab. Neben Ägypten, Tunesien und der Türkei gehören laut Weltgesundheitsorganisation (WHO)zum Beispiel auch Griechenland und Portugal zu den Ländern mit überdurchschnittlich vielen Verkehrstoten. Fahren Sie also besonders vorsichtig!

Falls es im Urlaub dennoch einmal kracht, zahlt sich ein guter Versicherungsschutz aus. Schnelle Hilfe versprechen Kfz-Schutzbriefe. Je nach Vertrag kommt die Versicherung bis zur vereinbarten Obergrenze für das Abschleppen oder Bergen des Fahrzeugs auf, zahlt für zusätzliche ˆbernachtungen, Ersatzteilversand, Fahrzeug-Rücktransport oder Ersatzfahrer. Schutzbriefe bieten viele Kfz-Versicherer oder Automobilklubs an, ein Preis-Leistungs-Vergleich lohnt.

Wenn Sie planen, sich im Urlaub ein Auto zu mieten, sollten Sie eine sogenannte Mallorca-Police abschließen. Besonders sinnvoll ist sie für Ziele außerhalb der EU. Denn in vielen Ländern ist die gesetzliche Mindestdeckung in der Kfz-Haftpflicht deutlich geringer als in Deutschland.

Die Mallorca-Police bewahrt Sie davor, nach einem Unfall mit dem Leihwagen einen Großteil des Schadens aus eigener Tasche zahlen zu müssen. Als Zusatz zur Kfz-Haftpflicht kostet Sie dieser Baustein oft nur wenige Euro. Wer kein eigenes Auto hat, kann beim ADAC für knapp 20 Euro einen Monatsvertrag abschließen.

ENTSPANNT IM FLUGZEUG

Beruhigend zu wissen: Flugzeuge sind außerordentlich sichere Transportmittel – auch wenn der Schock über den Absturz der Germanwings-Maschine im März noch tief sitzt.

Für einen sicheren Flug bleiben Sie möglichst die ganze Zeit angeschnallt. Das schützt vor Verletzungen, falls das Flugzeug in Turbulenzen gerät. Leichtes Essen und ausreichend Trinken beugen Reiseübelkeit vor. Verzichten Sie jedoch auf Kaffee und Alkohol. An Bord ist die Luft trocken und beides wirkt entwässernd.

"Auf Langstrecken buche ich möglichst einen Gangplatz für mehr Beinfreiheit", sagt der 47-jährige Ingenieur Christian Lutz aus Heikendorf in der Nähe von Kiel, der geschäftlich oft in die USA fliegt. Eine gute Idee, denn das lange Sitzen ist nicht nur unbequem, es begünstigt Thrombosen.

Fördern Sie Ihre Durchblutung, beispielsweise indem Sie die Füße strecken oder kreisen lassen. "Kompressionsstrümpfe, die bis unter das Knie reichen, können das Thromboserisiko während eines Langstreckenfluges stark reduzieren", erklärt Bernd Kerschner, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Krems. Besonders empfehlenswert sind sie für Menschen mit Übergewicht oder Venenleiden, aber auch für Frauen, die per Antibabypille verhüten.

SO BLEIBEN SIE GESUND

Auf keinen Fall sparen sollten Fernreisende beim Impfschutz. Welcher für Ihr Reiseziel sinnvoll ist, erfahren Sie im Reisebüro, beim Arzt oder auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de

Rund 80 Prozent aller Reiseerkrankungen gehen nach Angaben der WHO übrigens auf verunreinigtes Trinkwasser zurück. In exotischen Gefilden verzichten Sie im Zweifelsfall deshalb besser auf den Genuss von Leitungswasser!

Eine Lektion, die Michaela David* nie mehr vergessen wird. Vor bald 20 Jahren zog sie sich auf einer Asienreise eine Shigellenruhr zu. "Dabei war ich eigentlich vorsichtig, habe mir sogar mit Mineralwasser die Zähne geputzt", erzählt die Krankenschwester aus dem Großraum Stuttgart. "Aber eben leider nicht immer." Die Folge: Hartnäckiger Durchfall, den David erst nach ihrer Rückkehr in die Heimat mithilfe von Medikamenten auskurieren konnte.

Mittel gegen akuten Durchfall erwerben Sie am besten bereits zu Hause rezeptfrei in der Apotheke. Bei krampfartigem Durchfall mit Fieber sollten Sie dagegen einen Arzt aufsuchen, genau wie bei ernsthaften Erkrankungen und Verletzungen.

Für solche Notfälle empfiehlt es sich, eine Reisekrankenversicherung abzuschließen. Die kommt nicht nur für die Behandlung vor Ort auf, sondern zahlt auch einen medizinisch sinnvollen Rücktransport in die Heimat. Und der kann teurer als jede Luxuskreuzfahrt kommen!

SCHUTZ VOR DIEBEN

"Froh schlägt das Herz im Reisekittel – vorausgesetzt man hat die Mittel", reimte schon Wilhelm Busch. Allerdings: Wo sich viele Touristen aufhalten, sind Taschendiebe in der Regel nicht weit. Nehmen Sie deshalb nie mehr Bargeld mit als nötig, und verwahren Sie Portemonnaie und Wertsachen nah am Körper, zum Beispiel in einer verschlossenen Innentasche Ihrer Jacke, einer Gürteltasche oder im Brustbeutel unter Ihrem T-Shirt.

Liegt Ihr Reiseziel außerhalb der Eurozone, sollten Sie vor der Abreise für die ersten Tage einen kleineren Betrag in Landeswährung tauschen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Bank, zu welchen Konditionen Sie mit Ihrer Bank- oder Kreditkarte im Ausland Geld am Automaten abheben können.

Auf das Angebot ausländischer Händler oder Hoteliers, Ihre Kreditkarte statt in Landeswährung sofort in Euro zu belasten, verzichten Sie besser. "Lassen Sie sich nicht von Aussagen wie 'garantierter Wechselkurs verwirren'", warnt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. Garantiert ist bei dieser Leistung nämlich nur, dass Restaurants, Shops oder Banken am Urlaubsort kräftig verdienen, indem sie den Wechselkurs plus Umtauschprovision selbst bestimmen.

"Das kann zwischen 4 und 10 Prozent der ausbezahlten Summe sein", erklärt Topar. Ihre Hausbank hingegen rechnet bei einer Belastung in Fremdwährung zum offiziellen Kurs ab.

Damit sich kein Fremder an Ihrer Kreditkarte bedient, verwahren Sie die Geheimnummer (PIN) auf keinen Fall im Portemonnaie oder notieren Sie sie gar auf der Karte. Lassen Sie Bank- oder Kreditkarten bei Verlust sofort sperren.

Den zentralen Sperrnotruf der deutschen Banken und Sparkassen 116 116 erreichen Sie mit der Ländervorwahl 0049 auch aus dem Ausland. Den Sperrnotruf der österreichischen Banken erreichen Sie unter (0043) 1 204 88 00. Informieren Sie zusätzlich schnellstmöglich Ihre Bank.

ˆbrigens: In vielen Ländern ist der private Devisentausch verboten! Aber auch dort, wo dies erlaubt ist, riskiert, wer Geld außerhalb von Banken oder Wechselstuben eintauscht, einiges – erst recht, wenn ein außergewöhnlich guter Kurs geboten wird. "Wir sind von einem Herrn angesprochen worden, ob wir Geld wechseln möchten", berichtet Internetnutzer Harald im Sicherheitsportal. 2014 war der Deutsche mit Freunden in Prag. Eine Freundin tauschte 50 Euro in tschechische Kronen und freute sich über den guten Kurs.

Doch die Freude währte nur kurz: "20 Minuten später, beim Versuch, Souvenirs zu kaufen, stellte sich leider heraus, dass 1300 der 1500 Kronen Falschgeld waren."

Sie sehen: Wer sich gut vorbereitet und unterwegs angemessene Vorsicht walten lässt, hat die besten Chancen auf einen gelungenen Urlaub!


 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader’s Digest Schweiz: Das Beste AG - Postfach 8086 Zürich