Blick auf die Altstadt von Tangermünde.
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Sachsen-Anhalts schöner Norden: Die Altmark

Liebhaber der großen Reviere und des stillen Landlebens kommen in der Altmark auf ihre Kosten.

Ausgabe: daheim Autor: Andreas Steidel
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Ein frischer Nordwind weht über den Arendsee. Herbststimmung in der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts. Zugvögel ziehen zu Tausenden durchs Land. Es ist ein einziges Schnattern und Schwärmen, bevor es weiter in den Süden geht. In ihrer Einflugschneise: das Dorf Ziessau. 120 Menschen leben hier, im einsamen Norden des Arendsees. Seit über 40 Jahren knüpft hier der Fischer Wilfried Kagel seine Netze. Jeden Abend und Morgen fährt er hinaus aufs Wasser. Seine Spezialität ist die Kleine Maräne, ein Speisefisch aus der Familie der Lachse, der sich in tiefen klaren Gewässern wohlfühlt. In Kagels Räucherei wird er zur Delikatesse, schmeckt köstlich nach dem natürlichen Aroma von Erlen- und Buchenholz.

Die Altmark ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands. Die Region im Dreieck zwischen Hamburg, Berlin und Hannover bedeckt eine Fläche, die fast doppelt so gross ist wie das Saarland. Der Arendsee liegt im Norden, dicht an der alten deutsch-deutschen Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, über die nun Natur wuchert. Über das Verschwinden dieser Grenze freut sich besonders Alexander von Bismarck, Schlossherr von Döbbelin bei Stendal im Südosten der Altmark. 1991 erhielt er den Familienbesitz zurück und verwandelte den verfallenen Bau in ein Prachtstück. Alexander von Bismarck ist der Grossneffe des berühmten Otto von Bismarck, der in der Altmark geboren wurde. Der Politiker war Ministerpräsident von Preussen (1862 – 1890) und ab 1871 zudem Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs. Auch im Park kann man nu wieder flanieren. Im Herbst legen die Bäume dort ihr farbiges Kleid an.

Jetzt beginnt die Hochsaison bei Baumkuchenbäckerin Bettina Hennig aus Salzwedel. Mit ihrer Familie hat sie ein traditionelles Handwerk wiederbelebt. Nach einem 200 Jahre alten Rezept wird in der Backstube auf eine rotierende Walze Schicht für Schicht eine goldgelbe Teigmischung aufgetragen. Vor einer glühend heissen Flamme entsteht daraus ein Kuchen. „Alles wie früher“, sagt Bettina Hennig, „die Hitze des offenen Feuers ist wichtig für den Geschmack.“ Der abgekühlte Rohling wird danach glasiert und geschnitten. Dann sieht man, warum der Baumkuchen seinen Namen trägt: In seinem Inneren ähnelt er einem Stamm mit seinen Jahresringen. Allerdings ist das Gebäck viel weicher und deutlich kurzlebiger: Innerhalb von zehn Tagen muss man den frischen Baumkuchen essen. Das Gebäck stammt zwar nicht aus Salzwedel, doch man verfeinerte die Rezeptur hier so, dass es nun weit über die Grenzen der Altmark hinaus als regionale Spezialität bekannt ist. 2010 wurde der Salzwedeler Baumkuchen deshalb von der EU als geschützte geografische Angabe klassifiziert.

 

Wie Backsteininseln in den weiten Landschaften

Salzwedel ist eine von acht Hansestädten in der Altmark. Obwohl die Region nicht direkt an der Küste liegt, schlossen sich Stendal, Gardelegen, Tangermünde, Werben, Osterburg, Seehausen, Havelberg und Salzwedel dem mittelalterlichen Kaufmannsverbund an. Sie prägen bis heute durch ihre Backsteinarchitektur das Erscheinungsbild der Region, liegen wie rote Inseln in den weiten Landschaften der Altmark: Kleinstädte mit Flair und schmucken alten Bürgerhäusern, die im Kern ihr historisches Gesicht bewahrt haben. Tangermünde ist so eine alte Hansestadt. Das historische Rathaus mit Freitreppe, der Eulenturm, auf dem Störche nisten, die malerische Lage auf einem Plateau über der Elbe. Mehr als einmal diente der Ort als Filmkulisse, beispielsweise für das Familendrama „Das Bernstein-Amulett“. Vom Garten der Burg Tangermünde öffnet sich der Blick ins Elbtal, auf die grünen Auen und das Flüsschen Tanger, das hier in die Elbe mündet und der Stadt ihren Namen gab.

Einst war die Elbe die Grenze der „alten Mark“, die ihren Namen bekam, weil im Osten ein neues Grenzland, die Mark Brandenburg, besiedelt wurde. Wer ans andere Elbe-Ufer will, kann eine der modernen Brücken benutzen. Aber schöner überquert man den Fluss auf der Gierseilfähre. Sie hängt an einem langen Drahtseil und nutzt mittels einer Drehbewegung, Gieren genannt, die Strömung aus. Ein umweltfreundlicher Antrieb ohne Motor. Still und einsam liegt die Gierseilfähre Räbel am Elbufer. Der Fährmann legt erst ab, wenn sich auf der gegenüberliegenden Seite ein Auto nähert, ansonsten ruht er in der Mittagssonne. An Bord rät er seiner Kundschaft, die wenigen Minuten auf der Elbe zu geniessen. „Schön hier, was?“, sagt er lächelnd. Es gibt viele dieser abgelegenen Ecken zwischen Stendal, Gardelegen, Salzwedel und Havelberg.

Ganz wenige Menschen verirren sich auch in den Drömling, ein altes Sumpfgebiet im Südwesten der Altmark. Friedrich der Grosse legte es im 18. Jahrhundert trocken, doch um die verlassenen Entwässerungskanäle herum hat sich die Natur das Moor zurückgeholt. Auf einem Lehrpfad bekommt man ein Gefühl dafür, wie gefährlich es ist, über morastigen Untergrund zu gehen. Hier leben Fischotter. An den Ufern des Ohre-Kanals gehen sie auf Beutefang. Der Fischotter ist das Symbol des Naturparks Drömling. Ein Liebhaber der grossen Reviere und einsamen Gewässer. Der perfekte Altmärker sozusagen.

 

 

 


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