Tänzerin vor einem Tempel auf Bali.
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Urlaubsziele

Zauberhaftes Bali

Diese indonesische Insel hat Bonnie und Jules überrascht und wird ihnen wohl unvergesslich bleiben.

Ausgabe: Januar 2021 Autor: Bonnie Munday
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Mein Ehemann Jules hatte Mühe, den Motorroller mit uns beiden auf dem matschigen Weg gerade zu halten. Also sprang ich ab lief hinter ihm her. Der aufgeweichte Pfad war kaum breiter als eine Reifenspur, rechts erstreckte sich ein Reisfeld, links der Dschungel. Und ich versuchte, mit Jules mitzuhalten, der sich in einer Schlange knatternder Roller vorwärtsbewegte – zum Überholen war kein Platz. Bloss nicht ausrutschen, sagte ich mir und verfluchte meine Birkenstock-Sandalen. So begingen wir Silvester – im März – auf Bali. Wir hatten gedacht, dass uns Bali nicht gefallen würde: ein vom Massentourismus heimgesuchter Ort. Deshalb gehörte die Insel nicht zu unseren bevorzugten Zielen. Wir wollten uns lieber andere Orte in Indonesien anschauen. Doch bei unseren Recherchen stellten wir fest, dass man von Bali aus gut nach Australien fliegen kann, unser nächstes Reiseziel.

Das war eine glückliche Fügung. Denn wir entdeckten, dass Bali – die einzige, überwiegend hinduistisch geprägte Insel im grössten muslimischen Land der Welt – grün, ruhig und entspannt ist. Überall waren farbenprächtige Blumen, ganz gleich, wohin der Blick fiel. Zudem hielt die Insel viele  Überraschungen für uns bereit. Eine davon erwartete uns in der Nähe von Amed im Osten der Insel, weit weg vom ausgelassenen Nachtleben. Dort wollten wir einige Tage verbringen. Für die zweistündige Fahrt von der Hauptstadt Denpasar nahmen wir uns ein Taxi. Um nach Amed zu gelangen, gibt es eine einzige gut ausgebaute Strasse, die gleichzeitig an Balis grösstem Vulkan, dem Agung, vorbeiführt. Der Berg ragt hoch über die Insel. Als wir näherkamen, hatte ich den Eindruck, dass er qualmte. Und zwar gewaltig. „Sieht so aus, als würde der Agung gleich ausbrechen“, sagte ich im Scherz zu unserem Fahrer. „Das stimmt“, sagte er mit einem breiten Grinsen. „Wir haben Warnstufe drei.“ Hm. Aus meiner Zeit in Hongkong wusste ich, dass die Warnsignale für Wirbelstürme bis zehn reichten. Wie gefährlich ist drei? „Welches ist die höchste Stufe, fragte ich für alle Fälle nach. „Vier“. Er lächelte immer noch. „Keine Sorge, er bricht nicht aus.“ Woher wusste der Fahrer das? Wie sollten wir von Amed wegkommen, wenn der Vulkan in den nächsten Tagen ausbrach? Die geschmolzene Lava würde uns womöglich den einzigen Fluchtweg abschneiden. „Es wird schon gut gehen, meinte Jules zuversichtlich. Also schob auch ich meine Bedenken beiseite.

Amed ist ein Küstenstreifen an der Balisee, kleine Strände und Buchten mit Blick auf die Insel Lombok. Unser 3-Sterne-Hotel lag in der Jemeluk-Bucht. Am ersten Nachmittag regnete es so stark, dass das Wasser unter der Tür hindurchströmte und unser Zimmer überflutete. Also zogen wir in ein neueres Gebäude am Pool. Am zweiten Tag wanderten wir mehrere Stunden über die hügelige Küstenstrasse. Sie führte durch kleine Ansiedlungen und an Buchten voller Jukung, den bunt bemalten balinesischen Fischerbooten mit doppeltem Ausleger. Mittags probierten wir am Strand in einem Warung (kleines Restaurant) Bami Goreng, indonesische gebratene Nudeln, und mit Kokosnuss zubereitete Hähnchen-Saté-Spiesse. Auf dem Rückweg in der heissen Sonne machten wir Rast hoch oben in einem in den Felsen gebautes Restaurant: Es trug den treffenden Namen „Restaurant mit der schönsten Aussicht“. Von oben schauten wir auf das schäumende Meer in der Tiefe und tranken Arak Madu, einen Cocktail aus lokal gebranntem Schnaps, frischem Limettensaft und Honig.

 

Das balinesische Neujahrsfest

Was wir nicht wussten war, dass die sechs balinesischen Neujahrsfeiertage bereits begonnen hatten. Und dass an einigen dieser Tage die Geldautomaten nicht funktionierten. Wir bemerkten das erst am Tag nach unserer langen Wanderung, als wir mit gemieteten Rollern die Küste erkundeten. Da unser Bargeld knapp wurde, hielten wir an der Strandpromenade und wollten Geld abheben. Der erste Automat funktionierte nicht, die nächsten zwei auch nicht. Warum? Wir fragten eine Einheimische nach dem nächsten Geldautomaten. Sie antwortete nur: „Heute funktionieren sie nicht. Morgen ist Nyepi.“ Wir hatten keine Ahnung, was Nyepi hiess. Mittlerweile war es Nachmittag, und wir fragten Touristen. „Balinesisches Neujahr“, antwortete eine Britin. Sie erklärte uns, dass die Geldautomaten für ein paar Tage abgestellt, und auch das Internet am Neujahrstag auf fast ganz Bali abgeschaltet würde. An diesem Abend würde in Culik, einer Stadt vier Kilometer landeinwärts, Silvester mit einem Umzug grosser Ogoh-Ogohs gefeiert. Wenn wir sie sähen, wüssten wir, wovon sie gesprochen habe.

Das durften wir uns nicht entgehen lassen. Die Sonne stand schon tief am Horizont, und der Umzug würde bald beginnen. Also folgten wir den anderen Rollern, bis zu einer Strassensperre aus Menschen. Es waren bestimmt 100 Einheimische: die Männer in feinste Sarongs und mit traditioneller Kopfbedeckung, dem Udeng, gekleidet, die Frauen in festliche weisse Spitzenblusen, den Kebayas. Sie sassen im Schneidersitz auf der Strasse und hielten Körbe mit frischen Blumen als Opfergaben für die Hindu-Götter.

Es war die einzige Strasse nach Culik. Die Polizei wies die Rollerfahrer an, einen anderen Weg zu nehmen. Und wir schlossen uns den Einheimischen an. So kam es, dass ich vom Roller springen und auf dem schlammigen Schleichweg nebenherlaufen musste – so schnell wie die Roller vor und hinter uns, denn ich kannte den Weg nach Culik nicht. Der Ngrupuk-Umzug war spektakulär. Die Ogoh-Ogohs sind drei bis fünf Meter hohe Pappmascheefiguren, die Hindu-Götter oder Dämonen darstellen. Jugendliche aus den umliegenden Dörfern arbeiten viele Wochen daran. Die verschiedenen Gruppen trugen ihre etwa 20 farbenprächtigen Ogoh-Ogohs auf Bambusgerüsten durch die Stadt, drehten ihre Figuren, damit die Menge sie von allen Seiten bewundern konnte. Der Umzug endete am Strand von Amed, wo die Figuren verbrannt wurden, um böse Geister abzuwehren.

 

Der „Tag der Stille“

Der nächste Tag war Neujahr oder der „Tag der Stille“, wie er auf Bali genannt wird. Auf der ganzen Insel muss man zu Hause bleiben, Ausnahmen sind medizinische Notfälle. Man darf kein Licht einschalten oder laute Musik hören. Und es gibt kein Internet, ausser in Krankenhäusern und einigen Hotels (unseres gehörte nicht dazu). Die Einheimischen fasten, für Touristen gilt dies allerdings nicht. Der Manager unseres Gästehauses hatte auch dafür Verständnis, dass wir erst am nächsten Tag bezahlen konnten. Wir verbrachten diesen Tag mit Lesen, und ich schrieb einen langen Brief an meine Eltern und Geschwister in Kanada über unsere Abenteuer auf Bali.

Dann hiess es Abschied zu nehmen. Am nächsten Tag würden wir nach Adelaide fliegen. Als wir nachts Richtung Australien flogen, war ich dankbar, dass wir Bali mit seiner eigenwilligen Schönheit erleben durften. Ich stellte meine Rückenlehne flach und dachte an unsere balinesischen Abenteuer. Auch wenn uns nicht alle Überraschungen gefallen haben, war diese Reise für uns ein Highlight: Bali wird uns unvergesslich bleiben.

 

 

Reise-Tipps Bali

 

  • Anreise: Von Deutschland aus fliegen Sie mit mindestens einem Zwischenstopp nach Denpasar. Die Monate Mai bis Oktober gelten als die beste Reisezeit. Das ganze Jahr über herrschen tropische Temperaturen.
  • Inseln: Bali und Lombok gelten als die indonesischen Inseln mit den schönsten Stränden.
  • Essen & Trinken: Typische indonesische Spezialitäten gibt es überall auf der Insel in den Warungs (kleine Restaurants).
  • Informationen: www.bali.de

 


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