Danke sagen macht glücklich
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Familie & Leben

Danke sagen macht glücklich

Neue Forschungen belegen: Dankbarkeit zahlt sich aus – Sie tun sich selbst und anderen Gutes, wenn Sie sich bedanken...

Ausgabe: März 2016 Autor: Lisa Fields

Eines Tages im vergangenen Jahr kam ich nach Hause und fand meinen Lebensgefährten bewusstlos auf dem Boden liegen. Ich wählte den Notruf, und innerhalb von Minuten trafen ein Streifen- und ein Krankenwagen ein, um meinen Partner in die Notaufnahme zu bringen. Eine Woche später schrieb ich Dankeskarten und backte Brownies für die Helfer – eine kleine Geste mit großer Wirkung.

Als ich die noch warmen Schokoladenplätzchen aufs Polizeirevier beziehungsweise ins Krankenhaus brachte, bedankten sich die Männer und Frauen für die Aufmerksamkeit. Dabei war ich doch diejenige, die zu danken hatte: dafür, dass sie meinem Partner das Leben gerettet hatten.

Glücklich fuhr ich nach Hause. Weil ich einerseits etwas Gutes getan hatte, vor allem jedoch, weil mich die selbstlosen Menschen rührten, die Leben retten, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Später erkannte ich, dass mein Hochgefühl noch andere Ursachen hatte. Forschungen haben gezeigt, dass Dankbarkeitsbezeugungen und freundliche Gesten die Stimmung heben und sich positiv auf die Gesundheit auswirken können.

"Studien belegen, dass Dankbarkeit ein Gefühl des Glücks und anhaltender Zufriedenheit entstehen lässt", sagt Willibald Ruch, Psychologieprofessor an der Universität Zürich, wo er die Auswirkungen positiver Charaktereigenschaften wie Verbundenheit und Humor erforscht. "Diese zählen zu den fünf wichtigsten Faktoren, die zu unserer Zufriedenheit beitragen."

Verändern Sie Ihr Leben positiv, indem Sie eine dankbare Haltung entwickeln. Wie, das erfahren Sie hier.

Tun Sie sich selbst Gutes

Dankbar sein heißt, sich über ein Geschenk, eine Geste oder ein Ereignis zu freuen und es zu schätzen. "Dankbarkeit drückt Ihr Verhältnis zu anderen aus, wenn Sie sich als Teil eines größeren Ganzen sehen", glaubt Ruch.

Heutzutage halten nur noch wenige Menschen inne, um sich daran zu freuen, was sie haben, von Dankbarkeit ganz zu schweigen. Sicher hat das auch mit unserer Spaßgesellschaft zu tun.

"Fernsehen, Internet, Social Media führen dazu, dass das Leben immer schneller wird. Und gerade junge Menschen glauben, sie seien das Zentrum der Welt", moniert Tamiko Zablith, die die Beratungsfirma für berufliche Umgangsformen "Minding Manners" in London gegründet hat. "Warum sollten sie anderen danken, wenn sich alles um sie dreht?"

Untersuchungen belegen, dass Menschen, die gern "Danke" sagen, glücklicher sind, seltener unter Bluthochdruck, Schlafstörungen, Depressionen oder Schmerzen leiden und bessere Beziehungen pflegen. Die Bereitschaft, Dankbarkeit zu zeigen, wirkt sich langfristig positiv aus. In einer kanadischen Studie berichteten die Teilnehmer, die Dankesbriefe geschrieben und Gutes getan hatten, nach nur sechs Wochen von einer Steigerung ihres seelischen Wohlbefindens und einem Rückgang körperlicher Schmerzen. Sie waren energiegeladener und produktiver, teilweise bis zu sechs Monate lang.

Da sich Forscher erst seit Kurzem mit dem Thema Dankbarkeit auseinandersetzen, sind noch nicht alle damit verbundenen gesundheitlichen Vorteile bekannt.

"Wir wissen, dass Menschen, die dankbar sind, besser schlafen, aber die genauen Gründe hierfür kennen wir nicht", erzählt Alex Wood, der an der Universität von Stirling in Schottland Psychologie lehrt und das Institut für Verhaltensforschung leitet. "Schlafen die Leute besser, weil sie dankbar sind, oder sind sie dankbar, weil sie gut schlafen? Oder gibt es vielleicht einen dritten Faktor?"

Die Bereitschaft, Dankbarkeit zu zeigen, wirkt sich langfristig positiv aus – so eine kanadische Studie

Positive Effekte zeigen sich unabhängig vom Alter. Schwedische Wissenschaftler befragten Menschen zwischen 77 und 90 Jahren und stellten fest, dass diejenigen, die zufrieden waren mit dem, was sie hatten, sich seltener Gedanken um drohende Krankheiten machten.

"Wenn es etwas gibt, das sie nicht ändern können, konzentrieren sie sich auf das, was noch funktioniert und sind dankbar dafür, ohne fremde Hilfe zu gehen oder unabhängig zu sein", berichtet die an der Göteborger Universität arbeitende Studienautorin Helena Hörder. "Vielleicht ist es die Zuversicht und sich auf die richtigen Dinge konzentrieren zu können."

Anderen Freude bereiten

Untersuchungen belegen, dass eine Dankesbekundung oder freundliche Geste bei demjenigen, für den sie bestimmt ist, positive Empfindungen weckt. Der Grund: Ihm wird so Aufmerksamkeit zuteil. "Es ist eine schöne Überraschung, wenn uns jemand zum Kaffee einlädt oder uns die Tür aufhält", meint Jo-Ann Tsang, Professorin für Psychologie an der Baylor-Universität in Texas, USA, die Dankbarkeitsforschung betreibt. "Wir sind besonders dankbar, wenn wir unerwartet Hilfe erhalten. Es ist ein Unterschied, ob der Portier die Tür aufhält oder ein Fremder das tut, weil es nicht seine Aufgabe ist."

Jemand, der unverhofft Freundlichkeit oder Dank erfährt, revanchiert sich eher beziehungsweise ist eher geneigt, selbst wiederum etwas Gutes zu tun. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass jemand, dem man für seine Arbeit dankt, mehr als doppelt so häufig geneigt ist, wieder zu helfen. Vermutlich hängt das mit der Anerkennung zusammen.

Wenn ihr ein Fremder die Tür aufhält, freut Zablith sich, wenn sie sich bei ihm bedankt: "Denn sein Gesicht spiegelt Erstaunen wider", erzählt Zablith. "Er ist daraufhin freundlicher zur Bedienung und zu seiner Kollegin auf der Arbeit."

Sich zu bedanken und ein Dankeschön zu erhalten sind zudem wichtige Voraussetzungen für zwischenmenschliche Beziehungen. Einen Partner, der uns anerkennt, den schätzen wir mehr, und wir bleiben ihm eher treu, wie Studien gezeigt haben. Ein rücksichtsvoller und lobender Umgang mit dem Partner führt dazu, dass wir uns eher für dessen Wohlbefinden verantwortlich fühlen und zufriedener sind mit der Beziehung.

Zeigen Sie sich dem Menschen erkenntlich, der Ihnen geholfen hat. Das stärkt die Beziehung

"Wir fühlen uns dem anderen näher und umgekehrt. So entsteht eine Aufwärtsspirale", behauptet Tsang.

Dankbarkeit lernen

Mithilfe eines Tagebuchs kann man Dankbarkeit trainieren. Notieren Sie jeden Tag drei positive Dinge, die Ihnen widerfahren sind: So lernt man das wertzuschätzen, was einem bis dato selbstverständlich erschien.

"Es ist am Anfang schwer, genügend Dinge zu finden, die man positiv empfindet", so Ruch. "Aber wenn Sie jeden Abend Ihre positiven Erlebnisse notieren, nehmen Sie diese bald bewusster wahr. Nach und nach gewöhnen Sie sich eine von Wertschätzung geprägte Grundhaltung an und gehen dankbarer durchs Leben."

"Oft führen die Leute nach unserem Training ihr Tagebuch weiter, weil sie gern in ihren Erinnerungen lesen." Wie Samuel Coster aus St. Louis, USA. Er begann vor drei Jahren, ein Tagebuch zu führen. Als er ein Jahr später an Krebs erkrankte, half es ihm, seine Krankheit zu überstehen.

"In diesen dunklen Wochen und Monaten verbrachte ich deutlich mehr Zeit mit meiner Familie", erzählt Coster. "Das Dankbarkeitstagebuch half mir, mein Leben zu schätzen."

Sich bei anderen bedanken

Wenn Sie Ihre Gefühle der Person gegenüber zum Ausdruck bringen, für die Sie Dankbarkeit empfinden, profitieren beide – und zwar länger, als Sie vermuten. Forscher fanden Folgendes heraus: Das Schreiben einer Dankeskarte an jemanden, bei dem man sich zuvor nicht richtig bedankt hat, steigert das Wohlbefinden. Zudem kann es das Verhältnis zu diesem Menschen während der folgenden sechs Monate begünstigen.

"Zeigen Sie sich dem Menschen erkenntlich, der Ihnen geholfen hat. Das stärkt die Beziehung zu diesem Menschen", so Tsang.

Diese Erfahrung machte auch John Kralik aus Kalifornien. Sein Leben war deprimierend, er war zweimal geschieden, und zu seinen Kindern pflegte er nicht das Verhältnis, das er sich wünschte. Obwohl er Tag und Nacht schuftete, warf seine Anwaltskanzlei nichts ab. Eines Tages fiel ihm ein Rat seines Großvaters ein, den er ihm vor Jahrzehnten gegeben hatte: Dankbarkeit sei eine wichtige Tugend. Er nahm sich vor, ein Jahr lang jeden Tag eine Dankeskarte zu schreiben und sein Leben auf diese Weise positiv zu verändern.

Seine Einstellung und sein Zustand verbesserten sich sofort. Als das Jahr um war, schrieb er ein Buch über seine Erfahrung Einfach Danke sagen. "Auch ohne wissenschaftliche Studie wusste ich, dass Dankbarkeit das Leben bereichert", sagt Kralik. "Am Anfang steht dabei die Erkenntnis, dass das eigene Leben weit besser ist, als man bis dahin geglaubt hat."

Die positiven Gefühle, die das Schreiben der Dankeskarten an die Polizisten und Sanitäter in mir ausgelöst hatte, spornten mich an, weiterzumachen. Schließlich wollte ich mich bei meinem Englischlehrer der Oberstufe dafür bedanken, dass er mich zum Schreiben animiert hatte. Ich hatte ihn zuletzt vor 25 Jahren gesehen und war mir nicht sicher, ob ich ihn finden würde. Doch ich hatte Glück. Er ist mittlerweile über 80.

Ich brachte einen ganzen Abend mit der Formulierung des Briefes zu. Während ich seinen Einfluss auf mein Leben und meine Karriere schilderte, erfüllte mich Dankbarkeit für das, was ich im Leben erreicht habe. Diese positive Stimmung begleitete mich wochenlang.


 

RD Abbinder
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