Fairtrade-Siegel: Was sie bedeuten und wofür sie stehen
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Fairtrade-Siegel: Was sie bedeuten und wofür sie stehen

Immer mehr Supermärkte haben fair gehandelte Ware im Angebot. Aber was bedeutet eigentlich "fair"? Wir stellen Fairtrade-Siegel vor und zeigen, welchen Sie vertrauen können.

Ausgabe: Dezember 2016

Von Andrea Söldi

Die Idee des fairen Handels kam in den 1970-er Jahren auf. Aus Protest gegen die als ungerecht empfundenen Mechanismen des Welthandels boten Anhänger der Dritte-Welt-Solidaritätsbewegung auf Märkten, nach Gottesdiensten oder in den neu entstandenen Dritte-Welt-Läden fair gehandelte Ware an. Die Erzeuger dieser Produkte sollten einen grösseren Anteil am Verkaufserlös erhalten und nicht mehr den Preisschwankungen an den internationalen Börsen ausgesetzt sein. Um diese Ziele erreichen zu können, garantierten die Importeure Kleinbauern und Textilgenossenschaften langfristige Handelsbeziehungen und faire Preise.

Ein Milliardengeschäft - und mehr Geld für die Erzeuger der Waren

Heute verkaufen nicht nur Hunderte Weltläden in der Schweiz, Deutschland und Österreich fair gehandelte Produkte, sondern auch die Grossverteiler. Wir Schweizer sind ubrigens in Europa Spitzenreiter beim Kauf entsprechender Erzeugnisse. Pro Kopf geben wir jährlich 62 Franken dafür aus. „Im Vergleich zum Gesamtumsatz mit Lebensmitteln mag dies ein Tropfen auf den heissen Stein sein“, sagt Philipp Scheidiger, Geschäftsleiter des Dachverbands Swiss Fair Trade. „Für die einzelnen Produzenten bedeutet es aber unter Umständen, dass sie ihre Kinder in die Schule schicken können.“

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Wer mit Fairness wirbt, muss nachweisen, dass er sein Versprechen hält. Dazu haben sich eine ganze Reihe Labels mit unterschiedlichen Standards etabliert. Zu den häufigsten Kriterien gehört ein garantierter Mindestpreis. Er sorgt dafur, dass beispielsweise Plantagenkooperativen und Kleinbauern, die Kakao, Kaffee oder Bananen anbauen, dem Auf und Ab der Weltmarktpreise weniger ausgesetzt sind und ihre Produktion besser planen können. Auch Mindestlöhne für Beschäftigte sowie humane Arbeitsbedingungen oder das Verbot von Kinderarbeit sind häufige Vorgaben. Oft, aber nicht immer, berücksichtigen die Labels auch ökologische Kriterien, wie den Verzicht auf Kunstdunger oder Pestizide.

Bananen sind die Nummer Eins

Im Vergleich mit dem Umsatz sämtlicher in der Schweiz importierten Gütern ist der Anteil an fair gehandelten Produkten immer noch klein. Gemäss Schätzung von Swiss Fair Trade belief er sich 2015 auf rund 570 Millionen Franken – jedoch mit einem beträchtlichen Wachstum von durchschnittlich 14 Prozent pro Jahr. Spitzenreiter sind seit eh und je Bananen: Über die Hälfte der beliebten Früchte stammen aus fairem Handel. Gute Nachfrage erzielen auch Honig und Rohzucker. Viel Luft nach oben gibt es noch bei Tee, Kaffee und Schokolade. Neben den Lebensmitteln wird das Angebot an fair gehandelten Blumen – vor allem Rosen – und Textilien immer grösser.

Diesen Siegeln können Sie vertrauen

Marktführer im deutschsprachigen Raum ist das weltweit einheitliche Fairtrade-Siegel – in der Schweiz meist ergänzt um den Schriftzug „Max Havelaar.“ Die Stiftung Max Havelaar wurde 1992 gegründet und gewährleistet, dass soziale Standards eingehalten werden, etwa Mindestpreise für Rohware und Sozialprämien, über deren Einsatz – etwa für den Bau von Schulen – die Produzenten selbst entscheiden. Die deutsche Stiftung Warentest bescheinigt dem Siegel gute Kontrollmechanismen. Biologische Produktion gehört jedoch nicht zu den Vorgaben. Zu den Pionieren des Fairtrade gehören in der Schweiz zudem die Labels Gebana und Claro, die bereits in den 1970er-Jahren entstanden sind. Die auch in Deutschland und Österreich vertretenen Labels der in New York ansässigen Rainforest Alliance (weltweit 15600 Produkte) und von Utz Certified (UTZ) in Amsterdam (rund 20000 Produkte) sind weniger anspruchsvoll: Sie verlangen keine Mindestpreise oder Sonderzahlungen. Doch auch sie haben sich bessere Umwelt- und Arbeitsbedingungen auf ihre Fahnen geschrieben

Gibt es ein faires Smartphone?

Schwierig sei das Umsetzen des Fairtrade-Gedankens bei Produkten, die aus vielen verschiedenen Einzelteilen bestehen, wie bei elektronischen Geräten, erklärt Philipp Scheidiger. Erste Ansätze verfolgt das niederländische Unternehmen Fairphone mit seinem gleichnamigen Smartphone. „Fairtrade kann viel bewirken“, betont Scheidiger. „Menschen in armen Ländern erhalten damit die Chance, ihre Lebensumstände zu verbessern und sich eine menschenwürdige Existenz aufzubauen.“

 

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