Ein Neandertaler jagt mit dem Speer ein Mammut.
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Hartnäckige Mythen und Gerüchte - stimmt das wirklich?

Wir nutzen nur einen kleinen Teil unseres Gehirns.  Goldfische haben fast kein Erinnerungsvermögen. Zucker macht hyperaktiv. Alles falsch!

Ausgabe: April 2020 Autor: Marissa Laliberte

Mythos: Wasser leitet elektrischen Strom

Obwohl diese Aussage streng wissenschaftlich gesehen ein Mythos ist, sollten Sie Ihren Toaster trotzdem auf keinen Fall mit in die Badewanne nehmen. In seiner reinsten Form ist Wasser zwar ein Isolator, das heisst, es leitet keinen Strom. Die Gefahr geht aber von den im Wasser enthaltenen Mineralien und Chemikalien aus. Es sind diese sogenannten Ionen, die Strom leiten. Wichtig zu wissen: Reines Wasser ist so gut wie unmöglich zu finden, da sogar destilliertes Wasser Ionen enthält.

 

Mythos: Wasser kommt nur auf dem Planeten Erde vor

Zwar müssen wir intelligentes Leben, das von interstellarem Wasser lebt, erst noch finden, aber H2O gibt es nicht nur auf der Erde. Dunkle, sich verändernde Streifen auf dem Mars lassen vermuten, dass es auf dem roten Planeten nicht nur Eis gibt – wahrscheinlich gibt es dort auch flüssiges Salzwasser. Darüber hinaus hat die NASA entdeckt, dass sich unter einer Eisschicht auf dem Jupitermond Europa ein Ozean befindet, der doppelt so viel Wasser enthält, wie auf der gesamten Erde existiert. Könnten weit entfernte Planeten mit Wasser auch intelligentes Leben hervorbringen? Das bleibt abzuwarten.

 

Mythos: Wir nutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns

Die Vorstellung, verborgenes Potenzial im Gehirn freizusetzen, mag eine faszinierende Idee für einen Science- Fiction-Film sein, liesse sich im echten Leben aber nicht realisieren. Befeuert wird dieser Mythos durch die Tatsache, dass der grössere Anteil unseres Grosshirns zur sogenannten weissen Masse gehört. Lediglich ein kleinerer Teil zählt zur grauen Masse, den eigentlichen Neuronen, die grob gesprochen fürs Denken zuständig sind.
Zu behaupten, wir verschwendeten 90 Prozent unseres Gehirns ist dennoch falsch. Funktionelle Magnetresonanz­tomografien, mit der sich aktivierte Hirnareale sichtbar machen lassen, beweisen, dass schon beim Sprechen weniger Worte weit mehr als 10 Prozent des Gehirns aufleuchten. Wissenschaftler haben bislang keinen Bereich im Gehirn entdeckt – und schon gar nicht 90 Prozent –, der nicht in irgendeiner Form an der Bewegungssteuerung, an Denkprozessen oder unseren Emotionen beteiligt wäre.

 

Mythos: Goldfische haben ein 3-Sekunden-Gedächtnis

Fische sind intelligenter, als gemeinhin angenommen wird. Einer Studie zufolge konnten sich afrikanische Buntbarsche, an die Fütterungszone ihres Aquariums erinnern, nachdem sie zwölf Tage in einem anderen Becken verbracht hatten. Wer nun meint, dass Goldfische dümmer wären, sei auf eine andere Studie verwiesen. Für sie untersuchten Wissenschaftler, ob Goldfische zwei klassische Musikstücke voneinander unterscheiden können. Sie brachten den Tieren bei, in eine rote Perle zu beissen, sobald die Musik ertönte. Später sollten die Fische nur bei einem der beiden Stücke zubeissen. Zwar ging der Lernprozess nicht gerade schnell vonstatten, doch nach mehr als 100 Sitzungen lagen die Goldfische in 75 Prozent der Fälle richtig. Wenn ihr Erinnerungsver­mögen nur drei Sekunden umfasste, wäre ein Training dieser Art unmöglich.

 

Mythos: Im Mittelalter glaubte man, die Erde sei eine Scheibe

Wissenschaftlern ist seit Jahrtausenden bekannt, dass die Erde rund ist. Der griechische Philosoph Pythagoras war der Erste, der diese Ansicht um 500 v. Chr. vertrat. Allerdings beruhte seine Annahme darauf, dass er Kugeln für die vollkommenste Form erachtete. Aristoteles fand später physikalische Beweise, die die Theorie seines Landsmanns stützten. Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus glaubte jeder gebildete Grieche oder Römer an einen runden Planeten. Als Christoph Columbus zu seiner Reise aufbrach, herrschte zwar die Angst, dass die Ozeane zu gross seien um sie zu überqueren, nicht aber, dass Columbus’ Schiffe vom Rand der Erdscheibe fallen könnten. Wer nun glaubt, die Erde sei eine perfekte Kugel, liegt übrigens falsch: An den Polen ist unser Planet leicht abgeflacht.

 

Mythos: Allzu viel Zucker lässt Kinder hyperaktiv werden

Wenn Ihr Kind auf der Party durchdreht, hat nicht die Torte schuld. Die Theorie des sogenannten Zuckerhochs ist seit 1978 im Umlauf. Damals erschien eine Studie die besagte, dass Kinder, die an einer Hyperaktivitätsstörung litten, einen niedrigen Blutzuckerspiegel aufwiesen. So seltsam es klingt: Dieser kann Anzeichen für zu hohen Zuckerkonsum sein. Die Studie geriet später in Verruf, als Forschern auffiel, dass die angeblich abnorm niedrigen Blutzuckerwerte gar nicht so niedrig waren. Seitdem wurde in Doppelblindstudien nachgewiesen, dass Zucker Kinder nicht hyperaktiver macht als ein Placebo. Wahrscheinlich spielt eher die Erwartungshaltung der Eltern eine Rolle. In einer 1994 durchgeführten Studie bekamen fünf- bis siebenjährige Jungen ein Placebo verabreicht. Nur einem Teil der Mütter wurde dann gesagt, ihre Söhne hätten eine grosse Portion Zucker zu sich genommen. Deutlich mehr dieser Frauen gaben bei einer anschliessenden Befragung an, ihr Kind verhalte sich hyperaktiv. Sollte Ihr Kind also auf einer Party mit seinen Freunden wild herum­toben, ist es vielleicht nur aufgeregt.

 

Mythos: Chamäleons ändern ihre Farbe, um sich der Umgebung anzupassen

Ja, Chamäleons können die Farbe wechseln, indem sie Hautzellen, die Kristalle enthalten, dehnen und entspannen. Dies beeinflusst die Lichtreflektion. Die Tiere können aber nicht jede beliebige Farbe annehmen. Ausserdem hat der Farbwechsel wenig mit der Umgebung zu tun. Stattdessen nutzen Chamäleons die kristallgesteuerte Veränderung ihrer Erscheinung hauptsächlich zur Verständigung. Dunkle Farben signalisieren Aggression, beispielsweise zeigt ein Weibchen so an, dass es nicht paarungsbereit ist. Der Farbwechsel dient darüber hinaus der Temperaturregelung. Bei Hitze nehmen die Echsen hellere Schattierungen an, was Wärme reflektiert. Chamäleons ändern ihre Farbe auch nicht, um sich zu tarnen, wie viele Menschen glauben – ganz im Gegenteil. Im Ruhezustand sind die Tiere matt braun und grün und damit optisch an ihre Umgebung angepasst. Erst der Farbwechsel macht sie gut sichtbar.

 

 


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