Ohne Punkt und Komma
© Monkey Business / Fotolia
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Ohne Punkt und Komma

Was tun, wenn man es mit einem Dampfplauderer zu tun bekommt? Mit diesen Strategien können Sie jede Quasselstrippe stoppen.

Ausgabe: Oktober 2015 Autor: Lenore Skenazy

Kürzlich war ein Pärchen bei uns zum Abendessen' Freunde von Freunden. Die Frau schien zunächst ganz nett zu sein' aber nach einer Weile hatte sie das Gespräch an sich gerissen' und irgendwann fiel uns auf: "Die hört ja gar nicht mehr auf zu reden!" Wir blickten zu ihrem Mann' der mit seltsam geneigtem Kopf neben ihr saß – tief und fest entschlummert. Was für ein Glückspilz!

Dass manche Leute schlichtweg zu viel reden' ist ja nicht so schlimm. Schockierend ist vielmehr' dass sie selbst deutlichste Hinweise nicht zu registrieren scheinen – zum Beispiel den selig schnarchenden Ehemann an ihrer Seite.

Es gibt zwei Arten von Dampfplauderern. Kategorie eins bemüht sich' unterhaltend zu sein' weil er oder sie von unserer Wertschätzung lebt. In der zweiten Gruppe sind die Menschen' die glauben' sie würden sich schlagartig in Luft auflösen' sobald ihnen niemand mehr zuhört.

Wer nonstop rede' "brauche sozialen Austausch zum Überleben"' sagt Art Markman' Professor für Psychologie an der Universität von Texas. "Diese Menschen suchen einfach jemanden' der ihnen zuhört' und wer das ist' ist ihnen ganz egal. Sie wittern soziale Interaktion und geraten in eine Art Rederausch."

Eine Frau in unserer Nachbarschaft ist so ein Mensch ohne "Aus-Schalter". Wenn sie auf der Straße auftaucht' verschwinden alle rasch. Denn dann geht es in etwa so: "Unser Enkel ist gerade befördert worden. Haben Sie eine Vorstellung davon' wie man in diesem Job befördert wird? Eine Beförderung gibt es da nur' wenn &hellip:" Wir reden hier nicht über nachbarschaftliches Geplauder' sondern eher über Körperverletzung. Sie raubt einem kostbare Lebenszeit.

Falls Sie es je mit einem Dampfplauderer zu tun bekommen – und das werden Sie –' versuchen Sie es mit einer dieser Strategien:

Bei der Arbeit

Um Kollegen einzufangen' die einfach kein Ende finden' solle man einen dringenden Termin vorschieben' sagt die Kommunikationsberaterin Jennifer Kalita. "Sagen Sie zu Beginn eines Meetings: "Ich habe einen wichtigen Termin um 15 Uhr' also legen wir am besten gleich los."

Und die Psychotherapeutin LeslieBeth Wish empfiehlt' sich dumm zu stellen: "Lassen Sie mich wiederholen' was Sie gesagt haben' damit ich mir sicher bin' Sie richtig verstanden zu haben." So zwinge man sein Gegenüber' sich kurzzufassen.

Mit Freunden

Schaltet jemand aus Ihrem Bekanntenkreis regelmäßig auf dauerhaften Sendebetrieb? Wenn Sie die Beziehung zu dieser Person nicht abbrechen wollen' "planen Sie Aktivitäten' bei denen man nicht sprechen darf"' rät Kalita. "Gehen Sie ins Kino statt ins Restaurant. Gehen Sie nicht auf eine Party' sondern zu einem Workshop."

Zu Hause

"Meine Mutter und ich wollten fernsehen' während Dad in seinem Lehnstuhl saß und pausenlos redete"' erinnert sich die Schriftstellerin Jess Kennedy Williams. "Wir gewöhnten uns an' seine Worte auszublenden. Klang der Ton nach einer Frage' murmelten wir 'Ja' ich weiß' oder so etwas."

Es gibt deutlich bessere Methoden' den Familienfrieden zu wahren. Am besten ist es' sich zu beschäftigen' während die Plaudertasche plaudert. So haben Sie wenigstens das Gefühl' Ihre Zeit nicht völlig verschwendet zu haben. Machen Sie die Wäsche' räumen Sie die Spülmaschine aus – oder stauben Sie die Möbel ab.

Ohne Punkt und Komma

Sind Sie möglicherweise selbst eine Quasselstrippe? Beobachten Sie sich' rät Kalita: "Was tun Sie' wenn Ihr Gegenüber redet – hören Sie wirklich zu' oder denken Sie daran' was Sie gleich sagen werden? Erzählt ein Freund Ihnen eine Geschichte von einem Alligator' müssen Sie dann mit einer noch unglaublicheren Geschichte über einen Alligator nachlegen?"

Etwas milder formuliert: Haben Sie Fragen gestellt? Und handelte es sich bei den Nachfragen um mehr als "Ist ja schlimm. Aber willst du mal hören' was mir heute passiert ist?" Zu einem echten Gespräch gehören das Zuhören' das Hin und Her' das zustimmende Nicken' die Überraschung.

Es ist nicht immer schlimm' ohne Punkt und Komma zu reden: Wenn Sie etwas sehr beschäftigt' ist es absolut in Ordnung' das Gespräch zu dominieren. Ist Ihr Hund gerade gestorben? Ihre Tochter hat sich verlobt? Sie sollen nächster Bundespräsident werden? In solchen Augenblicken ist ein Wortschwall durchaus angebracht.

Vergessen Sie dabei eines nicht: Danken Sie danach Ihrem Gegenüber fürs Zuhören und seine Zeit.


 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader’s Digest Schweiz: Das Beste AG - Postfach 8086 Zürich