Redensarten: Stimmt das wirklich?
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Familie & Leben

Redensarten: Stimmt das wirklich?

Viele Redensarten haben einen wahren Kern, andere sind kompletter Unsinn.

Ausgabe: März 2019 Autor: Karin Schätzle und Brandon Specktor
  1. Geld macht nicht glücklich
    Die Wahrheit: Macht es doch!
    „Das Glück ist eine leichte Dirne und weilt nicht gern am selben Ort ...“ dichtete einst Heinrich Heine. Recht hatte er. Glücksgefühle sind eher vergänglich, unabhängig vom Kontostand. Die Forschung zeigt aber, dass Geld Menschen kurzfristig sehr wohl glücklich machen kann – wenn sie es richtig ausgeben. Es in Erlebnisse wie Reisen oder Kinobesuche zu investieren schafft mehr Wohlbefinden als die Anschaffung von Konsumgütern. Mehr noch: Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die das Geld für andere ausgeben, messbar glücklicher sind als jene, die sich selbst beschenken.

  2. Hunde, die bellen, beissen nicht
    Die Wahrheit: Dem Bellen kann ein Biss folgen
    Solange ein Hund bellt, kann er Sie in der Tat nicht beissen. Sie können ja auch nicht gleichzeitig pfeifen und Ihr Käsebrot kauen. Das bedeutet aber nicht, dass ein bellender Hund nicht doch noch seine Zähne einsetzt. „Bellen hat mehrere Funktionen. Eine davon ist, Hilfe herbeizurufen, entweder durch Artgenossen oder den Besitzer“, erklärt Udo Kopernik, Sprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen. „Es dient aber auch der Abwehr. Quasi als Signal, das sagt, bleib mir vom Leib.“ Wer diese Signale missachtet und beispielsweise weiter ins Revier eines bellenden Hundes eindringt – wie den Garten, in dem er sich aufhält – läuft Gefahr, dass das Tier sein Territorium verteidigt und zubeisst. Was, wenn Sie auf einen frei laufenden Hund stossen? „Wenn ein Hund bellend auf Sie zukommt, nehmen Sie keinen Blickkontakt auf und bleiben Sie am besten ruhig stehen“, rät Experte Kopernik.
     
  3. Mit einem Löffel Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem Fass Essig
    Die Wahrheit: Essig wirkt wie ein Magnet auf Fliegen
    Wer lästige Fruchtfliegen in seiner Küche schnell loswerden will, stellt ihnen ein Schälchen Essig hin. Um die Oberflächenspannung zu reduzieren – und sicherzustellen, dass die Fliegen ertrinken – geben Sie einen Spritzer Spülmittel dazu. Fruchtfliegen laben sich gern an Mikroben, die überreife Früchte besiedeln. Um die Kleinstlebewesen zu orten, nutzen die Tiere ihren Geruchssinn. So spüren sie die Essigsäure auf, die sich im gärenden Obst sammelt – und die Essig sein Aroma gibt. Je hungriger die Fliege, desto schneller geht sie Ihnen in die flüssige Falle.
     
  4. Gegensätze ziehen sich an
    Die Wahrheit: Sie stossen sich eher ab
    Sie geht gern aus, feiert am liebsten bis zum Morgengrauen, er sieht lieber TV und geht früh schlafen. Er träumt von einer Weltreise und einem schicken Loft in der Stadt, sie möchte möglichst schnell eine Familie gründen und auf einen Bauernhof ziehen. Werden sich diese Männer und Frauen zueinander hingezogen fühlen? Eher nicht – sagt die Wissenschaft. So zeigten die Ergebnisse einer Studie der University of Kansas, USA, und des Wellesley College, USA, dass bei der Partnerwahl viel häufiger die Rede­wendung „Gleich und gleich gesellt sich gern“ zutrifft. „Einen Partner zu wählen, der einem selbst stark ähnelt, ist so weitverbreitet, dass man dies als psychologische Voreinstellung des Menschen bezeichnen könnte“, erklärt Angela Bahns. Sie ist eine der Autorinnen der Studie und lehrt am Wellesley College Psychologie.
     
  5. Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen
    Die Wahrheit: Kein Baum bietet Schutz vor Gewitter
    Das Gewitter überrascht Sie beim Spaziergang. Was nun? Stellen Sie sich nicht unter einzeln stehende Bäume oder Baumgruppen. „Der Blitz schlägt in alle Baumarten gleich ein. Das Sprichwort ‚Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen‘ ist gefährlicher Unsinn“, sagt Thomas Raphael, Geschäftsführer des Ausschusses für Blitzschutz und Blitzforschung beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik. Er rät, sich unverzüglich in ein geschlossenes Gebäude oder ins Auto zu begeben. Ist das nicht möglich, stellen Sie sich in die Nähe eines Metallmasts, beispielsweise einer Stromleitung, eines Funkmasts oder einer Strassen­laterne. Halten Sie dabei einen Abstand von einem bis drei Meter ein, und bleiben Sie mit zusammengestellten Füssen stehen. So vermeiden Sie, dass – falls der Blitz einschlägt – die sogenannte Schrittspannung entsteht und Strom durch Ihren Körper fliesst.

  6. Wasser hat keine Balken
    Die Wahrheit: Es kann aber ganz schön hart sein
    Wer als Nichtschwimmer ins Wasser fällt, für den stimmt die Redewendung. An Wasser kann man sich nicht festhalten oder darauf abstützen, um sich aus misslicher Lage zu befreien. Wer allerdings aus grösserer Höhe auf die Wasseroberfläche prallt, wird bemerken, dass sie ziemlich hart sein kann. Bei einem Sprung vom Zehnmeterturm kommt der Springer unten mit 50 km/h an. Mit den Füssen voran, die Arme dicht am gespannten, senkrecht ausgerichteten Körper, taucht er trotzdem sicher ins Wasser ein. Bei einem Bauchklatscher drohen aber bereits aus dieser Höhe Verletzungen. Der Grund: Die Wassermoleküle sind miteinander verbunden. Beim Eintauchen muss der Springer sie verdrängen. Je höher die Geschwindigkeit beim Aufprall, desto mehr Kraft ist dafür nötig, weil die Teilchen schneller werden müssen – und desto „härter“ erscheint das Wasser.



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