Richtig zuhören und verstanden werden
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Richtig zuhören und verstanden werden

Wir kommunizieren zwar täglich miteinander, doch warum fühlt es sich trotzdem manchmal so an, als ob wir einander nicht verstehen? Mit unseren Expertentipps gelingt es Ihnen, richtig zuzuhören und verstanden zu werden.

Ausgabe: Mai 2019 Autor: Samantha Rideout

Ihr Gefühlszustand spielt bei der Kommunikation immer eine grosse Rolle. Noch bevor ein einziges Wort gesprochen wurde, können die Gefühle die Qualität eines Gesprächs beeinflussen. Wenn Sie unter Stress stehen, sind bestimmte Schichten der Hirnfunktionen vor­übergehend geschwächt, Ihr Blickwinkel verengt sich, und Sie hören weniger gut, was andere sagen. Wenn Sie also ein schwieriges Thema besprechen möchten, warten Sie besser ab, bis Sie sich beruhigt haben.

Reden sie nicht, verhandeln sie.
Vor einem wichtigen Gespräch proben viele Menschen das Vertreten der eigenen Position ausführlich. Doch dies kann sich als hinderlich erweisen. „Beginnen Sie ein Gespräch nicht in dem Glauben, es gebe nur eine Lösung und Sie wüssten bereits, wie sie aussieht“, rät Misha Glouberman, ein in Toronto, Kanada, tätiger Kommunikationstrainer. Sein Vorschlag: Gemeinsam eine Lösung finden, indem man überlegt, welche Ergebnisse für einen selbst wichtig sind, und dann offen für Weiteres sein.

Fragen sie zuerst.
Kommunizieren, ohne den Standpunkt der anderen Person zu kennen, ist so, als versuche man, im Dunkeln eine Nadel einzufädeln. „Viele möchten ihre Version der Geschichte unbedingt zuerst schildern“, so Peters. „Ich dagegen bin ein Verfechter davon, als Erstes Fragen zu stellen.“ Auf diese Weise vermeidet man Vermutungen: Wenn Sie der Meinung sind, Sie kennen die Punkte, in denen Sie und Ihr Gegenüber gleicher oder geteilter Meinung sind, können sie sich täuschen.

Achten sie auf nonverbale Signale.
Die Interpretation von Körpersprache ist keine exakte Wissenschaft, deshalb hat eine bestimmte Geste nicht immer dieselbe Bedeutung. Doch im Laufe der Evolution haben wir gelernt, negative Emotionen bei anderen zu erkennen. „Sie können sich an der Körperhaltung, im Gesicht oder an der Stimme zeigen“, so Ric Phillips, Präsident der Coaching- und Schulungsfirma 3V Communications in Toronto. „Ihr natürlicher Instinkt ist dafür ein gutes Warnsystem.“ Wenn etwas nicht stimmt, fragen Sie nach, rät Peters. So können Sie klären, ob Ihr Gegenüber Sie missverstanden hat, oder zögert, seine Meinung zu äussern, oder ob Sie unbeabsichtigt die Gefühle Ihres Gesprächspartners verletzt haben.

Wechseln Sie sich ab.
In einigen Situationen ist es völlig normal, dass vor allem eine Person spricht, etwa bei einem Vortrag, in einem Interview oder bei einer Therapiesitzung. Doch in einem Gespräch sollte die Redezeit mehr oder weniger ausgeglichen sein.

Bewerten sie nicht.
Auf Kritik reagieren die meisten, indem sie nicht mehr zuhören. Wenn Sie jemanden in die Defensive drängen, ist es schwer, ihn von etwas zu überzeugen. Besser ist es, in problematischen Situationen zu sagen, wie Sie sich fühlen, statt die andere Person negativ darzustellen. Sie könnten sagen: „Ich fühle mich von meinem Arbeitspensum total gestresst“ statt „Sie haben eine furchtbare Arbeitsumgebung geschaffen“, oder „Ich fühle mich ignoriert, wenn du nicht auf meine Frage antwortest“ statt „Du bist ein schlechter Zuhörer“. Ob eine Situation akzeptabel ist oder nicht beziehungsweise wessen Schuld etwas ist, mag strittig sein. Ihre eigenen Gefühle sind es nicht, also lässt sich dort gut ansetzen. Achten Sie aber darauf, nicht nur „Ich“-Aussagen zu verwenden.

Zeigen Sie Ihre Dankbarkeit.
Versuchen Sie, Dankbarkeit zu äussern. Das ist das Beste für jede Beziehung. „Es mag vielleicht kitschig erscheinen – vor allem am Arbeitsplatz. Aber es kann tatsächlich funktionieren, ohne gekünstelt zu wirken“, erklärt die Beziehungsberaterin Jacqueline Peters. „Wichtig dabei ist, dass Sie auf einen Moment warten, in dem Sie aufrichtige Dankbarkeit empfinden.“ Das muss nichts Weltbewegendes sein: Selbst wenn jemand nur eine Aufgabe erfüllt hat, die zu seinen regulären Pflichten gehört, kann es Sie erfreuen, dass die Arbeit gut und pünktlich erledigt wurde. Dann teilen Sie es demjenigen auch mit.

So hören sie aktiv zu
Haben Menschen das Gefühl, dass man ihnen wirklich zuhört, ist es wahrscheinlicher, dass sie ein Kompliment erwidern, Ihnen Wertschätzung entgegenbringen und mit Ihnen zusammenarbeiten.

  1. Bleiben Sie präsent.
    Konzentrieren Sie sich darauf, was gesagt wird sowie auf die Körpersprache. Und gehen Sie nie davon aus, Sie wüssten, was Ihnen Ihr Gegenüber mitteilen möchte: Seien Sie offen dafür, etwas zu hören, das Sie vielleicht nicht erwartet haben.
  2. Zeigen Sie, dass Sie zuhören.
    Dazu können Sie Blickkontakt her­stellen, nicken, kurz mit „Hm“ oder „Ja“ bestätigen, das Gesagte in Ihren eigenen Worten wiederholen oder Fragen stellen. Es stimmt zwar, dass man Signale auch vorspielen kann, aber Vorsicht: Ihr Gegenüber ist meist in der Lage, den Unterschied zwischen einem aktiven Zuhörer und einem Pseudo-Zuhörer zu spüren.

Wie spricht man am besten mit …

Jemandem, der eine andere Sprache spricht:
Wenn Sie die Sprache nicht sicher beherrschen, „denken Sie daran, dass nonverbale Aspekte wie Gesten und Tonlage Wörter immer übertrumpfen, zumindest im Hinblick auf die emotionale Wirkung“, so der in Toronto ansässige Kommunikationscoach Ric Phillips. Haben Sie einen starken Akzent, sprechen Sie langsam und schauen Sie den Gesprächspartner an, damit er Ihre Lippen sieht.
Wenn Sie sich mit einem Nicht-Muttersprachler unterhalten, üben Sie sich in aktivem Zuhören. Durch langsames Sprechen kann der andere Sie besser verstehen, aber sprechen Sie nicht lauter. Das lässt Sie ungeduldig oder aggressiv erscheinen.

Jemandem, der an Demenz leidet:
Hören Sie nie auf zu versuchen, zu einer Person mit Demenz durchzudringen, egal wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Auch wenn der Betroffene nicht versteht, was um ihn herum geschieht, korrigieren Sie seine Ansichten nicht. „Gehen Sie besser auf die Gefühle ein, die Betroffene vermitteln“, erklärt Mary Schulz von der Alzheimer Society of Canada. Halten Sie die Hände der Person, lächeln Sie ihr zu oder reden Sie in beruhigendem Tonfall. Auch gemeinsames Singen kann helfen, da Musik häufig noch Freude und Wiedererkennen auslöst, wenn andere Hirnfunktionen nicht mehr aktiv sind.

Jemandem, der trauert:
Hat die trauernde Person es Ihnen nicht ausdrücklich gesagt, wissen Sie nicht, wie sie sich fühlt oder welche Ansicht sie zum Thema Tod und dem Leben danach vertritt. Selbst wenn sie früher über ihre Überzeugungen gesprochen hat, kann die Trauer ihre Sichtweise verändert haben. Beginnen Sie damit, Ihr Beileid auszudrücken. Kannten Sie die verstorbene Person, sprechen Sie von einer schöne Erinnerung oder sagen Sie, dass Sie sie vermissen.

 


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