Wer erfand eigentlich den Korkenzieher?
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Wer erfand eigentlich den Korkenzieher?

Jeder kennt das praktische Werkzeug zum Öffnen verkorkter Flaschen: den Korkenzieher. Es gibt ihn in unzähligen Ausführungen von robust bis filigran bis hin zum edlem Design-Korkenzieher. Doch wer hat ihn eigentlich erfunden?

Autor: Cornelia Krappel

Wein tranken schon die Römer gerne. Sie lagerten und transportierten ihn in tönernen Amphoren. Später wurde der Wein in Fässern und Bottichen gelagert und in sogenannten „Schläuchen“ aus Tierhäuten transportiert. Das änderte sich, als erstmals im 17. Jahrhundert Glasflaschen verwendet wurden. Sie avancierten Mitte des 19. Jahrhunderts zum gebräuchlichsten Behälter für Wein. Kein Wunder, ist Glas doch chemisch neutral und damit der ideale Behälter für ein Getränk, dessen Bouquet unverfälscht erhalten bleiben soll.

Parallel dazu verbreitete sich der Korken als Verschluss für die Weinflaschen. Die Menschen benötigten ein Werkzeug, um ihn aus dem Flaschenhals zu entfernen: einen Korkenzieher. Doch wie ist die Idee für die Spirale aus Metall entstanden, die zum Öffnen der Flasche in den Korken gedreht wird?

Historiker leiten die ersten Instrumente zum Korkenziehen von einem Reinigungs-Utensil für Schusswaffen ab – dem Spindelbohrer des Stopfbüchsenziehers. Die lange Schraubenspindel verwendeten Soldaten eigentlich, um den Lauf ihrer Musketen zu reinigen und stecken gebliebene Projektile zu entfernen. Sie drehten die Spindeln in die weichen Bleikugeln hinein, die den Büchsenlauf verstopften, und zogen sie dann heraus.

Doch irgendwann kam jemand auf die Idee, dass die Kombination aus Ziehen und Spindel auch ideal ist, um Flaschen zu entkorken: die Spindel bohrt sich in den Korken, der dann herausgezogen werden kann. Der Korkenzieher war erfunden. Frühe Korkenzieher bestanden meist nur aus einer Spindel mit einem Ring, an dem man den Korken herausziehen konnte.

Das erste Korkenzieher-Patent wurde im Jahre 1795 von Pfarrer Samuel Henshall aus Oxford eingereicht.

Ein kleines „Hütchen“ am oberen Ende der Spindel verhinderte, dass sie zu tief in den Korken eindrang und sorgte zudem dafür, dass sich der Korken beim Weiterdrehen lockerte.

1802 entwickelte Edward Thomason aus Birmingham ein Werkzeug mit zwei ineinander verschränkten Spindeln. Der Brite Marshall Wier soll 1884 eine ziehharmonikaähnliche Hebelkons­truktion erfunden haben. In Frankreich wurden solche Korkenzieher in den 1920er-Jahren unter dem Namen „Zig-Zag“ vermarktet.

Der Deutsche Karl Wienke erfand das bis heute in der Gastronomie gebräuchliche „Kellner­messer“. Den Griff des Werkzeugs, das ähnlich wie ein Taschenmesser zusammenklappbar ist, stützt man beim Heraushebeln des Korkens am Rand der Flaschenöffnung ab. Und 1930 meldete der US-Ameri­kaner Dominick Rosati einen zwei­armigen Korkenzieher zum Patent an, dessen Hebel beim Eindrehen der Spindel in den Korken hochfahren.

1979 schließlich entwarf der Ingenieur Herbert Allen aus Houston im US-Bundesstaat Texas den „Screwpull“, mit einer dünnen, teflon­beschichteten Spindel. Außerdem entwickelte er eine Hebelmechanik, die den Kraftaufwand reduziert.

Heute es existiert sogar ein Museum, in dem über 1200 verschiedene Korkenzieher aus verschiedenen Epochen bestaunt werden können.

Die private Sammlung befindet sich auf dem Weingut Domaine de la Citadelle im provenzalischen Dörfchen Ménerbes in Südfrankreich. Dort können sich Besucher einen Überblick über Geschichte und Bedeutung der Korkenzieher verschaffen.

 

Wenn Sie mehr zum privaten Korkenzieher-Museum in Ménerbes erfahren möchen, klicken Sie hier.

 

 

 


 

RD Abbinder
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