Kann ich das umtauschen?
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Ausgabe

Geld & Recht

Kann ich das umtauschen?

Alle Jahre wieder steht so mancher vor der Frage: Kann ich das umtauschen?

Ausgabe: Dezember 2014 Autor: Katharina Schönwitz

Umtausch ist Kulanz

Das Geschenkpapier knistert verheißungsvoll, mit einem leichten Zug löst sich die Verpackung, diese Vorfreude ... diese Enttäuschung! Da hilft nur noch ein gequältes Lächeln, um die Stimmung an Heiligabend nicht gänzlich zu verderben: Die einen halten ein Buch in der Hand, das bereits im Regal steht, die anderen Unterwäsche, leider zwei Nummern zu klein, die Dritten versuchen sich über einen Gutschein für Opernkarten zu freuen – obwohl sie nur Rockmusik mögen. Spätestens am 27. Dezember stellt sich dann die Frage: Wohin mit diesen ungeliebten Gaben – behalten, weiter verschenken oder doch umtauschen?

Rein rechtlich gilt in Deutschland und Österreich beim Einkaufen in Geschäften: Gekauft ist gekauft. 'Umtauschen ist grundsätzlich ein freiwilliges Angebot des Händlers. Einen Anspruch darauf gibt es nicht', erklärt Karin Goldbeck von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Jedoch zeigen sich viele Geschäfte ihren Kunden gegenüber kulant. Die Regeln bestimmt aber grundsätzlich der Händler. Gewährt ein Kaufhausein Umtauschrecht, schließt jedoch Unterwäsche aus, dann ist das Pech für den Kunden. Die zwei Nummern zu kleinen Dessous kann die Beschenkte also nicht zurückgeben. 'Vereinbaren Sie auf der Rechnung am besten etwa 'Umtausch möglich', um sicherzugehen, dass bei Nichtgefallen eines Geschenks kein finanzieller Schaden entsteht,' rät Renate Wagner, Leiterin des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Wien.

Anders verhält sich die Sache, wenn die Unterwäsche ein Loch hat oder die Nähte der Handtücher aufgehen. 'Das ist kein Umtausch, sondern eine Reklamation. Der Händler ist verpflichtet, die Mängel durch Lieferungneuer Ware oder Nachbesserung zu beheben', erklärt Karin Goldbeck von derVerbraucherzentrale Niedersachsen.

Kein Anspruch auf Bargeld

Wer sein eigentlich einwandfreies Geschenk umtauschen möchte, muss allerdings dem Schenker gestehen, dass ihm Buch, Dessous oder Handtücher nicht gefallen. Denn der Kunde muss im Laden nachweisen, dass das Produkt wirklich dort gekauft wurde. 'Streng genommen reicht ein Zeuge, aber besser ist natürlich ein Kassenbon', erklärt Goldbeck. Ausreichend ist auch ein Nachweis per Kontoauszug, deswegen bezahlen Sie größere Anschaffungen besser mit EC-Karte.

Doch nicht immer bekommt man sein Geld zurück. Viele Händler stellen nur Gutscheine über den Warenwert aus. Bei Ketten lässt sich ein in Hamburg gekaufter Artikel oft auch in der Filiale in München umtauschen. Sicherheitshalber lassen Sie sich dies am besten ebenfalls auf dem Kassenbon bestätigen.

Was gilt für Gutscheine?

Für die Empfänger der Gutscheine für einen Opernbesuch besteht ebenfalls Hoffnung. Denn Gutscheine ohne Namensnennung können grundsätzlich an Dritte übertragen werden, man kann sie also problemlos weiterverschenken. Rückgabe oder Auszahlung der Kaufsumme sind nur dann möglich, wenn das Recht dazu vorher vereinbart wurde.

Wer Gutscheine geschenkt bekommt, tut gut daran, auf die Einlösefrist zu achten. 'Gutscheine für eine Ballonfahrt sind ein gutes Beispiel für Probleme mit Bons. Wird der Termin wegen schlechten Wetters immer wieder verschoben, läuft man Gefahr, dass der Gutschein abläuft', sagt KarinGoldbeck.

In Deutschland verdienen unbefristete Gutscheine diesen Namen nicht wirklich, denndrei Jahre nach dem Kauf verjähren die Ansprüche. Diese Frist beginnt am Ende des Jahres, in dem der Gutschein erworben wurde: Ein zum Beispiel am 15.Dezember 2014 gekaufter Coupon verfällt am 31. Dezember 2017. InÖsterreich kann der Beschenkte einen Gutschein ohne Einlösungsfrist nochnach bis zu 30 Jahren in Anspruch nehmen.

Auf die ganz lange Bank sollten Sie das Einlösen trotzdem nicht schieben.'Verliert der Beschenkte den Gutschein, gilt: Weg ist weg', erklärt Renate Wagner vom VKI in Wien.

Vor allem bei Gutscheinkäufen im Internet sollten Sie sich vorab genau über das anbietende Unternehmen informieren: Gab es viele Beschwerden anderer Kunden, steht es gar kurz vor der Insolvenz? Geht das Unternehmen pleite, ist auch ein nochgültiger Gutschein nämlich nur noch eines – wertlos.


 

RD Abbinder
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