Klassiker: Deutschlands wirtschaftlicher Aufstieg
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70 Jahre Reader's Digest Geld & Recht

Klassiker: Deutschlands wirtschaftlicher Aufstieg

Die verblüffende Rückverwandlung des völlig vom Krieg zerstörten Landes in einen modernen Industriestaat — mit den Augen einer prominenten amerikanischen Journalistin gesehen...

Autor: Lin Root

Westdeutschland befindet sich in einem Stadium stürmischer wirtschaftlicher Aufwärtsentwicklung. Von den Bayrischen Alpen bis hinauf zu den salzluftdurchwehten Küstenstädten im Norden hallt das Land wider von der kreischenden Symphonie der Zementmischer, Bohrmaschinen und Presslufthämmer. „Was wird denn hier gebaut?”, fragte ich einen Arbeiter in München. „Wer soll das wissen!“, gab er schmunzelnd zur Antwort. ,,Zuerst wird einmal gebaut. Dann wird sich schon noch herausstellen, wofür.“

In Düsseldorf im reichen Nordrhein-Westfalen, das die zischenden Hochöfen der Ruhr beherbergt, stauen sich in den Straßen die Mercedes 300 – scherzhaft auch „rheinische Volkswagen“ genannt –, die über 20.000 Mark kosten. In den Hauptstraßen Frankfurts, Hamburgs, praktisch jeder größeren Stadt, geht man eben noch an rohen Bretterzäunen vorbei, hinter denen sich alte Bombenlücken oder frisch ausgehobene Baugruben verbergen, und schon fällt der Blick wieder durch glitzernde Spiegelglasscheiben auf funkelnde Diamanten und Rubine, prächtige Nerze und Hermeline, kostbare, weiche Orientteppiche, blitzende Möbel aus Chromstahl und Edelholz. Jedes erstklassige Restaurant führt frischen Kaviar und Gänseleberpastete. Liebhabern einer anderen Art von Genüssen bot Westdeutschland im Sommer 1956 sechsundzwanzig Musikfeste und Opernfestspiele; in diesem Sommer wartet es mit einunddreißig derartigen Veranstaltungen auf.

Neuer Trand: Verreisen und Nachbarländer erleben

In ihrem neugewonnenen Wohlstand fluten die Deutschen in einer beispiellosen Reisewelle über Europa und bekommen so einen Einblick in das Leben ihrer Nachbarländer. Ihre Kinder schicken sie in die ganze Welt: zum Studium, zur beruflichen Weiterbildung, zum Erlernen fremder Sprachen und um sie mit fremden Sitten und Gebräuchen vertraut zu machen. Kenntnisse und Fertigkeiten stehen in hohem Kurs. In der Wirtschaft haben sie zu Resultaten geführt, die wahrhaft erstaunlich sind. Die industrielle Produktion hat sich seit 1948 mehr als verdreifacht. In der Stahlerzeugung hat die Bundesrepublik 1955 Großbritannien überflügelt; heute steht sie im Automobilexport an erster Stelle in Europa.

Die zwölf Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Ostgebieten bedeuten bei dieser raschen Aufwärtsentwicklung sogar eine willkommene Verstärkung des Arbeitskräfte-Potentials. Jeder fünfte Einwohner des heutigen Westdeutschlands kommt aus dem Osten. Viele haben besondere Fertigkeiten und Erfahrungen mitgebracht – etwa auf dem Gebiet der Schmuckwarenherstellung, der Glasbläserei, der Textilverarbeitung.

Da ist Graf Schaffgotsch, Sproß einer der begütertsten schlesischen Adelsfamilien. Zu den Schaffgotschschen Besitzungen gehörte auch die Josephinenhütte in Schreiberhau, die das weltbekannte, auf mehreren Weltausstellungen ausgezeichnete Josephinenhüttenglas erzeugte. 1945 kam die Hütte wie ganz Schlesien unter polnische Verwaltung. Graf Schaffgotsch flüchtete nach Schwäbisch Gmünd in Württemberg. Dort gab es eine Rohglasfabrik; Veredelung durch Schleifen und Polieren war jedoch unbekannt. Mit unendlicher Geduld leitete Graf Schaffgotsch, von einigen seiner alten Mitarbeiter unterstützt, schwäbische Werkzeugmacher an, ihm ein paar Glasschliff- und Polierinstrumente zu fertigen. Heute zieren Glaswaren der Schaffgotschschen Josephinenhütte die Tische des Präsidenten von San Salvador, des Präsidenten von Libanon und viele andere festliche Tafeln in der ganzen Welt.

Industrie aus dem Osten siedelt sich in Westdeutschland an

Ganze Industrien, die seit langem im Osten beheimatet waren, sind in den Westen abgewandert, um der kommunistischen Tyrannei zu entgehen. Die Maschinenfabrik Pittler, früher einer der größten Fertigungsbetriebe für automatische Werkzeugmaschinen, hat ihren Sitz von Leipzig nach Frankfurt verlegt und sich in fünf Jahren vom Nullpunkt zu einem Jahresumsatz von 21 Millionen Mark emporgearbeitet. Die durch ihre optischen und feinmechanischen Geräte weltbekannt gewordene Firma Carl Zeiss ist von Jena nach Oberkochen in Württemberg übergesiedelt und beschäftigt gegenwärtig wieder 5000 Menschen. Die früher fast ganz in Thüringen und Sachsen konzentrierte Spielzeugindustrie hat sich nach Bayern verlagert. Das Verlags- und graphische Gewerbe, einst der Ruhm Leipzigs, hat seine neuen Zentren in Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und anderen westdeutschen Städten gefunden. Dem gewaltigen Zuwachs an Wirtschaftsunternehmen entsprechend, hat sich auch die Zahl der Banken und Maklerfirmen beträchtlich vermehrt.

Typisch für den Wiederaufstieg eines Unternehmens, das sich beim Neubeginn auf nichts als seinen guten Namen stützen konnte, ist die Geschichte der Auto-Union-AG, bekannt durch die Marke DKW (,,Das Kleine Wunder“). Vor dem Krieg behauptete die in Sachsen ansässige Firma den ersten Platz in der Weltmotorradproduktion, und ihre Rennwagen brachen Weltrekorde. Als die Russen nach Sachsen kamen, wurden alle Großbetriebe enteignet. Einer nach dem andern stahlen sich die leitenden Angestellten, Werkmeister und Arbeiter der Firma schwarz über die Zonengrenze. Ihr neuer Treffpunkt war Ingolstadt.

Sie hatten keine Fabrik, kein Material, keine Werkzeuge, keine Konstruktionspläne. Aber eine emsige Suche förderte ein altes DKW-Motorrad zutage; es wurde in gewissenhafter Arbeit als Modell für die künftige Fertigung in seine Teile zerlegt. In einer leeren Kaserne entstanden die ersten Werkstätten. Im Frühjahr 1949 waren ein Motorrad und ein Lieferwagen fertiggestellt – gerade rechtzeitig zur ersten Nachkriegs-Industriemesse in Hannover. Dort wurden sie unter einem riesigen Banner mit der Aufschrift „DKW IST WIEDER DA!“ aufgebaut. Heute kommt in den DKW-Autowerken in Düsseldorf alle vier Minuten ein Wagen vom Band; die Tagesproduktion beträgt 250 Wagen. Der 1955 erzielte Umsatz belief sich auf über 356 Millionen D-Mark, wovon rund ein Viertel auf den Export entfiel.

Andere Firmen, die heute Triumphe feiern, haben als Opfer des Bombenkriegs wieder von vorn anfangen müssen. Die Nähmaschinenfabrik G. M. Pfaff hatte fast ganz Kaiserslautern Arbeit gegeben. 1945 lag das große Werk in Trümmern, aber alte Betriebsangehörige gruben Tag und Nacht im Schutt herum und bargen Maschinen und Einzelteile. Heute ist Pfaff die zweitgrößte Nähmaschinenfabrik der Welt; alle 30 Sekunden wird eine neue Maschine fertig, und 47 Prozent der Produktion geht ins Ausland.

Diese Beispiele ließen sich beliebig vermehren. Sie alle illustrieren eine der verblüffendsten Leistungen inder modernen Geschichte: die Verwandlung eines kriegszerstörten, desorganisierten Landes in eine einzige riesige Industriemaschine. Wodurch ist diese stürmische Entwicklung möglich geworden ?

Das Wirtschaftswunder macht die Deutschen wieder stolz auf ihr Land

Im Volk spricht man allgemein von einem ,,Wunder“ – dem „deutschen Wunder“ oder „Wirtschaftswunder“, und es ist in der Tat ein Wunder. Dass es sich hat ereignen können, hat verschiedene Gründe: einmal haben die Vereinigten Staaten Milliardenbeträge ins Land gepumpt; sodann hatte Deutschland keine Verteidigungslasten zu tragen; und schließlich sind die Deutschen ganz außergewöhnlich harte Arbeiter. Sie sind das immer gewesen. Die Befreiung der Wirtschaft vom staatlichen Zwang hat sie nicht nur mit neuem Selbstvertrauen erfüllt; sie hat ihnen auch ein Gefühl dafür gegeben, daß sie für die im Entstehen begriffene Gesellschaftsordnung persönlich mitverantwortlich sind.

Der wirtschaftliche Wiederaufstieg begann an einem Junitag des Jahres 1948 mit der Währungsreform, die an Stelle der Reichsmark, damals das schlechteste Geld in Europa, die Deutsche Mark setzte. Gleichzeitig erfolgte als zweiter Schritt die Mitteilung: „Von morgen an könnt ihr – außer Lebensmitteln – alles, was ihr in den Geschäften seht, frei kaufen. Die Zeit der Bezugscheine ist vorbei. Der einzige Bezugschein, den ihr künftig braucht, ist Geld.“

Die Zwangswirtschaft der Stopp-Preise und staatlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen war nach neun Jahren endlich gefallen, und schon wenig später konnte auch die Lebensmittelrationierung abgebaut werden. Die treibenden Kräfte hinter dieser kühnen Entscheidung waren der amerikanische Militärgouverneur, General Lucius D. Clay, und Professor Ludwig Erhard, Wirtschaftsdirektor der Verwaltung des aus der amerikanischen und der britischen Zone gebildeten Vereinigten Wirtschaftsgebiets. Erhard gebührt der Löwenanteil des Ruhmes, das „deutsche Wunder“ ausgelöst zu haben.

1897 in Fürth bei Nürnberg geboren, hatte Erhard seit seiner Jugend nichts als Krieg, Zusammenbruch, heillose Inflation und Hitlers Reglementierung kennengelernt. Seine wissenschaftliche und praktische Tätigkeit auf volkswirtschaftlichem Gebiet führte ihn zu der Überzeugung, dass nur ein auf stabiles Geld und freie Preise gegründetes System Gesundung verspreche.

Die neue Politik der "sozialen Marktwirtschaft"

Die Währungsreform und der Abbau der Bewirtschaftung gaben Erhard seine große Chance, die Richtigkeit seiner Thesen zu beweisen. Eine Reihe von Experten prophezeite steil emporschnellende Preise und einen raschen Zusammenbruch der neuen Wirtschaftsordnung. Aber General Clay und seine Spitzenberater stellten sich geschlossen hinter Erhards Politik der „sozialen Marktwirtschaft“, wie die Theorie getauft wurde.

Der erste Käufersturm trieb die Preise tatsächlich in die Höhe. Erhard ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. ,,Lasst nur“, sagte er. ,,Die D-Mark ist gutes Geld. Die Leute werden es nicht zum Fenster hinauswerfen. Die Preise werden wieder heruntergehen.“

Inzwischen begannen die Marshall-Plan-Gelder zu fließen, und die Fabriken konnten ihre Ausrüstung vervollständigen. Die Facharbeiter strömten wieder in die Werkhallen. Als die Produktion angelaufen war und es sich zeigte, dass mit harter Arbeit auch „hartes“ Geld zu verdienen war, breitete sich Vertrauen aus. Die Leute kauften nicht mehr fieberhaft drauflos, und allmählich sanken die Preise wieder.

Bei den ersten Bundestagswahlen im Jahre 1949 entschied sich das deutsche Volk für die von der CDU/CSU vertretene Politik und damit auch für Erhards soziale Marktwirtschaft. Unter der Kanzlerschaft Konrad Adenauers wurde eine Koalitionsregierung gebildet. Erhard wurde Wirtschaftsminister, und die soziale Marktwirtschaft konnte sich frei entfalten.

Erhards Theorie vom freien Wettbewerb auf einem freien Markt ist in Europa, wo Kartelle und staatliche Kontrollsysteme miteinander wetteifern, in gewisser Hinsicht revolutionär. Kritikern, die die soziale Verantwortung des Staates ins Feld führen, antwortet Minister Erhard: „Die soziale Marktwirtschaft ist mehr als nur ein Wirtschaftssystem; sie bejaht auch die ethischen Werte des Lebens – den Gedanken an den ,anderen‘, an den Menschen neben uns.“ Er will damit sagen, daß die drei tragenden Säulen des Wirtschaftslebens – Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Verbraucher – im Interesse des wirtschaftlichen Gemeinwohls Selbstkontrolle üben müssen.

Ohne die Mithilfe der Arbeiterschaft hätte Erhards Politik wohl nur wenig vermocht. In den Betrieben, die unter die Mitbestimmungs-Gesetzgebung fallen, sind besondere Wirtschaftsausschüsse gebildet worden, in denen die Belegschaft ebenso stark vertreten ist wie die Betriebsleitung. Die Augen auf das gemeinsame Ziel gerichtet, haben Arbeiter und Direktoren hier viele Stunden lang Seite an Seite über die technischen und wirtschaftlichen Probleme ihres Unternehmens beraten, und zwar ohne dass sie dafür eine nennenswerte Vergütung bekommen hätten.

Ein bedeutsamer Faktor war zweifellos auch der psychologische Anreiz, der von der Bildung der OEEC (Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit) ausging: die Bundesrepublik und die meisten Länder Westeuropas wirkten in ihren Anstrengungen, die Wirtschaft wieder gesunden zu lassen, zusammen; die gemeinsame Wirtschaftsplanung und die Schaffung einer gemeinsamen Abrechnungsstelle zur Erleichterung des wechselseitigen Handelsverkehrs – der Europäischen Zahlungsunion (EZU) – haben die Unzulänglichkeit der reinen Nationalwirtschaften klar ins Licht gerückt. Die Teilnahme an diesen ersten Schritten auf dem Weg zur europäischen Integration hat Deutschland sehr geholfen, seinen Außenhandel wiederaufzubauen; kein Wunder, dass die Bonner Regierung zu einem der eifrigsten Befürworter des europäischen Gemeinsamen Marktes geworden ist!

Deutschland wird führende Export-Nation

Tatsache ist, dass sich Westdeutschland rapide zum führenden Exportland Europas entwickelt. Besonders eindrucksvolle Erfolge haben die deutschen Exporteure in Asien, Afrika und Lateinamerika erzielt. Krupp gehört zu den in diesen wirtschaftlich unterentwickelten Gebieten am stärksten engagierten Unternehmen. In Rurkela, 400 Kilometer westlich von Kalkutta, entsteht ein gewaltiges, auf eine Kapazität von einer Million Tonnen jährlich veranschlagtes Stahlwerk, dazu eine völlig neue Stadt, die einmal 100 000 Stahlarbeiter mit ihren Familien beherbergen soll; an beiden Projekten ist Krupp maßgeblich beteiligt. Weiter baut Krupp drei große Nilbrücken in Kairo, Ölmühlen in Iran und im Sudan, ein Erzschmelzwerk in Südafrika, sechs Brücken in Portugal und verschiedene Anlagen in Afghanistan, Thailand, Abessi­nien, der Türkei, Ceylon und Südamerika. Im Jahre 1955 entfielen rund 20 Prozent des Umsatzes der Firma auf das Exportgeschäft.

Daimler-Benz, bekannt vor allem durch seine Mercedes-Wagen, stellt gemeinsam mit Tata lndustries, dem größten indischen Unternehmen, in Indien Diesellaster her. Charakteristisch ist, dass Daimler-Benz dort auch ein modernes technisches Ausbildungszentrum eingerichtet hat; 400 Mechaniker nehmen zur Zeit an den dreijährigen Lehrgängen teil.

Der Daimler-Benz-Unimog, eine mit Achtganggetriebe ausgestattete Zugmaschine, zieht in den Dschungeln von Burma Geschütze. Die burmesische Regierungskommission, die sich in England und auf dem Kontinent nach geeigneten Militärfahrzeugen umsah, war eingeladen worden, vor der Rückkehr nach Burma noch in Deutschland Station zu machen. Als sie im Daimler-Benz-Werk Gaggenau im Schwarzwald eintraf, wurden keinerlei Verkaufsgespräche geführt. Die Unimog-Leute nahmen sie einfach mit auf eine Fahrt über die raffiniert angelegte Versuchsstrecke, rumpelten die steilen Böschungen einer Sandgrube hinab und wieder hinauf und brausten im 50-Kilometer-Tempo über eine benachbarte Anhöhe hinweg. Ordentlich durchgeschüttelt, aber ihrer Sache sicher, kehrte die Kommission zurück; sie bestellte 68 Fahrzeuge. Heute wird der Unimog zu Tausenden in die ganze Welt exportiert.

Siemens, altbekannter Begriff für Starkstrom-, Fernmelde- und Elektronentechnik, elektrifiziert (in Zusammenarbeit mit einem europäischen Syndikat) portugiesische Eisenbahnen, errichtet in Ägypten, Sardinien, Afghanistan und Venezuela Kraftwerke, baut in Kolumbien ein das ganze Land umspannendes Netz von Fernseh­sendern, in Saudi-Arabien ein Kurzwellensendernetz auf, installiert in Italien, Belgien, Finnland und Argentinien Anlagen für den Selbstwählferndienst.

In den Vereinigten Staaten kam 1955 ein Fünftel der gesamten Maschineneinfuhr – 30 Prozent mehr als im Jahre 1954 – aus Deutschland; der Wert dieser Lieferungen belief sich auf 53 Millionen Dollar. Auch in der Reihe der ausländischen Automobillieferanten steht Deutschland hier an erster Stelle. Die beliebteste Marke ist der Volkswagen; das Volkswagenwerk wiederum hat, um die Rationalisierung seines Betriebs weiter voranzutreiben, kürzlich einige riesige automatische Stahlblechpressen in den USA bestellt.

Durch die neugewonnene politische und wirtschaftliche Souveränität freigesetzt, hat die Tüchtigkeit und Energie der Menschen Westdeutschland zum wohlhabendsten Land Europas gemacht, aber es sind Anzeichen dafür vorhanden, dass die Konjunktur sich überhitzt hat und überzukochen droht. Vollbeschäftigung plus Konzentration auf die Erzeugung von Exportgütern (zum Nachteil des Inlandsangebots) und Investitionsgütern (zum Nachteil des Konsumgüterangebots) lässt mehr Kaufkraft entstehen als Dinge, die zu kaufen wären. Der Zentralbankrat, das oberste Gremium für währungspolitische Entscheidungen, hat bereits gewisse Maßnahmen zur Dämpfung der Konjunktur getroffen, und Erhard befürwortet eine Senkung der Einfuhrzölle, um die Inlandspreise niederzuhalten.

Das Problem einer allzu expansiven Wirtschaft, dem sich die fünfzig Millionen Westdeutschen gegenüber sehen, steht in scharfem Kontrast zu dem ihrer siebzehn Millionen Brüder und Schwestern, die jenseits des Eisernen Vorhangs leben. Diese anderen Deutschen besitzen die gleiche Tüchtigkeit und die gleiche Fähigkeit, hart zu arbeiten, aber das kommunistische System lässt sie von Tag zu Tag apathischer und mutloser werden. Die Westdeutschen sind sich einig, dass viel darauf ankommt, die jetzige Konjunktur zu konsolidieren – schon damit der Osten ein Beispiel vor Augen behält, welches die Vorzüge der politischen und wirtschaftlichen Freiheit sind.


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