Ein Heizkörper in Form eines Hauses: Wie werden wir in 10 Jahren unsere Wohnhäuser bheizen?
© iStockfoto.com / Pogotskiy
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Haus & Garten

Die Zukunft des Heizens

Beim Wärmeerzeugen Geld sparen und das Klima schonen? Moderne Technik macht es möglich.

Ausgabe: Juni 2021 Autor: Kirstin von Elm

Altmodische Heiztechnik in ihr modernes Ein­familienhaus einbauen? Das war für Markus und Anja Engel 2012 keine Option. Ihren Neubau in der Nähe von Kiel beheizt die dreiköpfige Familie deshalb mit einer Wärmepumpe. Anstelle fossiler Brennstoffe nutzt eine solche Heizung Wärme aus Aussenluft, Grundwasser oder Erdreich. Sie gilt deshalb als besonders emissionsarm. „Klimaschutz ist uns wichtig. Wir möchten unsere CO2-Bilanz verbessern“, sagt die Biologische Ozeano­grafin. Das ist der Familie gelungen und auch von steigenden Gas- und Heizölpreisen ist sie so nicht länger abhängig.
Heizen mit Kohle, Öl und Erdgas ist für rund ein Viertel der globalen Treibhausgase verantwortlich, die als Ursache für den Klimawandel gelten. Ausserdem wird es stetig kostspieliger: Mit gesetzlichen Auflagen oder CO2-Abgaben versuchen immer mehr Länder ihre Bürger zum Umstieg auf klima­freundliche Heizungen zu bewegen. So ist beispielsweise seit 2013 in Dänemark der Einbau von Öl- oder Gasheizungen in Neubauten verboten. In Deutschland müssen Käufer oder Erben eines Hauses technisch überholte Öl- oder Gasheizungen ersetzen, wenn sie älter als 30 Jahre sind. Ausserdem gilt seit 2021 ein gesetzlicher Preisaufschlag auf fossile Brennstoffe. Schweden und die Schweiz erheben schon länger eine CO2-Abgabe. Angesichts der Klimaziele der EU dürften weitere Staaten folgen.
Sie möchten weder frieren noch einen steigenden Anteil Ihres Budgets für Heizung und Warmwasser ausgeben? Dann sollten Sie den Wechsel auf eine moderne, emissionsarme Heizung prüfen (siehe auch Checkliste weiter unten). Je eher Sie umsteigen, desto früher profitieren Sie von Ihrer Investition und desto mehr klimaschädliche Abgase vermeiden Sie. Oftmals können Sie sogar öffentliche Fördermittel in Anspruch nehmen.
Es stehen unterschiedliche Technologien zur Auswahl. Sie alle haben Vor- und Nachteile: Die wichtigsten haben wir für Sie zusammengetragen.


Gas

Die beliebteste Heizungsart in Deutschland ist die Gasheizung, mehr als sieben Millionen Heizungen werden damit betrieben. Gas ist klimafreundlicher als Öl, weil beim Verbrennen rund ein Drittel weniger CO2 entsteht. Sogenannte Brennwertheizungen gelten heute als Standard. Sie verwerten die Restwärme aus dem Abgas und sind deshalb deutlich effizienter als ihre 20 bis 30 Jahre alten Vorläufer, die sogenannten Konstant- und Niedertemperaturkessel. Ist Ihr Haus bereits ans Gasnetz angeschlossen, ist der Austausch einfach und deutlich günstiger als beispielsweise der Umstieg auf eine Wärmepumpe. Für einen Erstanschluss müssen Sie allerdings erhebliche Zusatzkosten – 2000 Euro oder mehr – einkalkulieren.
Angesichts begrenzter Vorkommen und weltweit hoher Nachfrage ist mit weiter steigenden Gaspreisen zu rechnen. Nationale Klimaabgaben verteuern Gas in vielen Ländern zusätzlich. Selbst wenn Sie kaum heizen, zahlen Sie als Kunde eine feste Grundgebühr. Eine neue Gasheizung ist besser als eine alte, dennoch setzt auch sie viel klimaschädliches CO2 frei. Zum Ausgleich bieten viele Versorger inzwischen spezielle Klimatarife an. Ein Teil Ihrer Gasrechnung fliesst dann in zertifizierte Klimaschutzprojekte, beispielsweise die Wiederaufforstung von Regenwäldern.
Tipp für Klimaschützer: Fragen Sie Ihren Heizungsbauer nach „Renewable Ready“-Modellen. Diese Gas-Brennwertheizungen sind bereits für nachträglich installierte Wärmeerzeuger ausgelegt, die erneuerbare Energiequellen wie Sonne oder Umweltwärme nutzen. So können Sie jederzeit eine klimaschonende Zusatzheizung nachrüsten und erhalten unter Umständen sogar zusätzliche Fördermittel.

Erdöl

Ölheizungen sind wahre Dauerbrenner, in Deutschland ist beispielsweise rund jede zweite schon seit mindestens 20 Jahren in Betrieb. Neubauten dagegen werden heute nur noch selten mit Öl beheizt. Trotzdem kann es finanziell sinnvoll sein, eine alte Ölheizung durch eine neue zu ersetzen, denn der Wechsel des Energieträgers ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Neben jenen für den Anschluss an das Gas- oder Fernwärmenetz schlägt die fachgerechte Entsorgung des alten Öltanks schnell mit einem vierstelligen Betrag zu Buche. Wer deshalb lieber bei Öl bleiben will, für den gilt: Abhängig vom Weltmarkt und natio­nalen Steuern und Abgaben ist Öl mal teurer, mal billiger als Gas. Auch im Jahresverlauf schwankt der Heizölpreis oft um zehn bis 15 Cent pro Liter. Wer zum richtigen Zeitpunkt einkauft, kann mehrere Hundert Euro sparen. Preisvergleiche im Internet helfen bei der Suche nach günstigen Lieferanten. Eine moderne Öl-Brennwertheizung verbraucht weniger Öl und verursacht somit geringere CO2-Emissionen als ein veraltetes Modell. Öl-Brennwertheizungen haben aber einen schlechteren Wirkungsgrad als Gasmodelle. Wer kann, sollte dem Klima zuliebe wechseln oder die Kombination einer neuen Öl-Heizung mit einer zusätzlichen ökologischen Wärmequelle prüfen.


Wärmepumpen

Wärmepumpen nutzen Umgebungswärme, die sie dem Erdreich, dem Grundwasser oder der Aussenluft über ein flüssiges Kältemittel entziehen und durch Kompression weiter aufheizen. Mittels Wärmetauscher wird die gewonnene Wärme in das Warmwassersystem und den Heizungskreislauf eingespeist. Wärmepumpen benötigen also keinen Brennstoff und werden mit Strom betrieben. Als Faustregel gilt: Je geringer der Heizbedarf eines Gebäudes, desto geringer die Stromkosten und desto besser die CO2-Bilanz. Deshalb werden Wärmepumpen vor allem in gut gedämmten Neubauten oder als Zusatzheizung eingesetzt. Besonders stromsparend und damit klima­freundlich arbeiten sie in Kombination mit Fussbodenheizungen, weil diese mit ausgesprochen niedrigen Vorlauftemperaturen auskommen.
Wärmepumpen sind erheblich teurer als moderne Gas- oder Öl-Brennwertanlagen. Soll Erdwärme genutzt werden, fallen zusätzlich teure Erd­arbeiten und Genehmigungen an. Wer neu baut, kann sich aber zumindest Schornstein, Gasanschluss oder Öltank sparen. Umweltwärme gibt es gratis, jedoch benötigen Wärmepumpen Strom. Fragen Sie Ihren Energie­versorger nach günstigen Tarifen speziell für diesen Einsatz. Die CO2-Bilanz Ihrer Wärmepumpe steht und fällt mit deren Stromverbrauch. Für einen positiven Klima­effekt sollte das Verhältnis von eingesetzter Strommenge zu erzeugter Heizenergie eins zu 3,3 oder besser betragen, eins zu vier gilt als Optimum. Wird die Pumpe wie bei Familie Engel überwiegend mit Öko-Strom betrieben, verbessert das den Klimafaktor zusätzlich.


Solarthermie

Sonnenschein gibt es kostenlos, doch ausgerechnet während der Heiz­periode ist er in weiten Teilen Europas Mangelware. Solarthermieanlagen sind deshalb eher als ergänzendes System für die Warmwasserbereitung geeignet, vorausgesetzt, Sie haben genug Platz auf dem Dach. Um die Hälfte ihres Warmwasserbedarfs mit Sonnenkraft zu decken, benötigt eine vierköpfige Familie etwa fünf bis sechs Quadratmeter Kollektorfläche und einen 300- bis 400-Liter-Warmwasserspeicher. Da Solarthermie meist nur ergänzend zur Hauptheizung infrage kommt, fallen zusätzlich Kosten für Kauf und Installation an (ab circa 4000 Euro). Eine optimal ausgelegte Anlage kann die Warmwasserbereitung im Sommer vollständig übernehmen, dann können Sie die Heizung ausschalten. Duschen, Baden oder Abwaschen sind dann zumindest im Sommer komplett klimaneutral möglich.


Pelletheizung

Holz ist wohl der älteste Brennstoff der Welt. In Form von Pellets kann er heute in modernen Brennwert­heizungen verwendet werden. Um damit komfortabel zu heizen, sind allerdings grössere Investitionen erforderlich. Sie benötigen einen aus­reichend grossen, trockenen Lagerraum für die Pellets und eine Förderanlage, die für automatischen Nachschub im Brenner sorgt. Die Asche muss zudem mehrmals jährlich entsorgt werden. Im Vergleich zu Öl- oder Gasbrennwertanlagen sind Pellet-Heizungen in der Anschaffung eher teuer. Die Pellets selbst sind derzeit noch günstiger als Öl oder Gas. Je nach Wohnort und Lagermöglichkeit fallen allerdings höhere Kosten für Transport und Ein­lagerung an.
Beim Verbrennen von Holz wird nur die Menge an CO2 frei, die zuvor von den Bäumen gebunden wurde. Das CO2 bleibt allerdings in der Atmo­sphäre, bis neue Bäume nachgewachsen sind – was Jahrzehnte dauert. Zudem entsteht beim Verbrennen Feinstaub. Achten Sie auf kurze Transportwege und darauf, dass die Pellets aus zertifizierter nachhaltiger Waldwirtschaft stammen.


Checkliste: Sollten Sie wechseln?

Wenn Sie einen oder sogar mehrere der folgenden Punkte mit Ja beantworten, wird es Zeit, über eine neue Heizung nachzudenken.
• Es besteht eine gesetzliche Pflicht zum Austausch.
• Sie könnten Fördermittel, z. B. Zuschüsse, vergünstigte Kredite oder Steuervorteile erhalten.
• Ihre Heizung ist älter als 20 Jahre und nicht auf dem Stand der Technik.
• Ihre Heizkosten sind seit mehreren Jahren überdurchschnittlich hoch.
• Die Abgaswerte sind schlecht.
• Der Heizungskeller ist warm, weil der Kessel viel Abwärme verliert.
• Die Heizung fällt oft aus oder weist Mängel wie Rost und Lecks  auf.

Ansprechpartner sind Schornstein­feger, Heizungsbauer, Energie­berater, regionale Energieversorger (Stadtwerke), Verbraucherzentralen, Umweltämter und -verbände. Aufgepasst: Fördermittel müssen meist bewilligt sein, bevor Sie Arbeiten beauftragen!


EXTRA-TIPP:

In vielen Fällen ist es sinnvoll, mit dem Austausch der Heizung zugleich für eine bessere Dämmung der eigenen vier Wände zu sorgen. Die Massnahmen reichen vom Einbau besser isolierender Fenster bis zur Dämmung von Dach, Fassade und Kellerdecke. Auch dafür können Sie möglicherweise Zuschüsse oder verbilligte Kredite bekommen.

 


Mehr zu diesem Thema

Aus der
aktuellen
Ausgabe

Smart Home Haus & Garten

Step-by-step: Wie sie Ihren smarten Heizkörperthermostat richtig anschliessen.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Smart Home Haus & Garten

Heizen und Lüften sind zwei grundlegende Bereiche des intelligenten Wohnens, die im Idealfall miteinander kombiniert werden.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Haus & Garten

Hat sich im Heizkörper Luft angesammelt, kann das Wasser nicht frei fließen: Der Heizkörper erwärmt sich nur teilweise und klopft. Meist reicht es aus, den ...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Geld & Recht

Die Nächte werden länger und kühler, Herbst und Winter stehen vor der Tür. Jetzt freut sich wieder jeder auf eine gut geheizte, mollig-warme Wohnung. Doch ...

...mehr

 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader’s Digest Schweiz: Das Beste AG - Postfach 8086 Zürich