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Symbolfoto: ein Segler rollt mimt der Seilwinde ein Tau auf.
© istockfoto.com / mbbirdy
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Auf Segeltörn in die Geschichte

Unterwegs auf dem Nachbau eines Segelschiffs aus dem 18. Jahrhundert.

 

Ausgabe: Dezember 2020 Autor: Paul Roberts

Hau, ruck! Hau, ruck!“, ertönt die laute Stimme des Matrosen. Er steigt er in die Takelage der Hermione, dem Nachbau einer französischen Fregatte aus dem 18. Jahrhundert. An diesem Maimorgen vor der Küste der Normandie klettern acht Matrosen in die Wanten des Fockmastes. Während sie das handgenähte Segeltuch fallen lassen, ziehen an Deck Matrosen an anderen Tauen. „Hau!“, ruft der Bootsmann, „Ruck!“ antwortet das Team an den Seilen wieder und wieder. Die Prozedur wird an Großmast und Besanmast wiederholt, bis Hermione unter vollen Segeln die Wellen durchschneidet. Das Original wurde 1780 berühmt, weil es den damals 22-jährigen General Gilbert de La Fayette aus dem französischen Rochefort in geheimer Mission nach Boston brachte: Im Namen des Königs Ludwig XVI. sollte er George Washington, den Kommandeur der Aufständischen, bei der amerikanischen Revolution unterstützen.

 

1997 begannen die Arbeiten am Nachbau

Auftraggeber war das Museum Centre International de la Mer, das auch Rocheforts Werftanlagen aus dem 17. Jahrhundert umfasst. Die Hermione wurde mit traditionellen Schiffsbautechniken rekonstruiert. 15 Jahre später, im Jahr 2012 setzte sie erstmals Segel, an Bord eine Mannschaft aus Freiwilligen und professionellen Seeleuten. Die 1200 Tonnen schwere Fregatte ist 44 Meter lang und elf Meter breit. 80 Mann zählt die Besatzung der modernen Hermione im Schnitt, rund ein Viertel davon sind ausgebildete Seeleute. Bei den Freiwilligen handelt es sich größtenteils Studenten. Gearbeitet wird rund um die Uhr im Schichtdienst. Die Fregatte muss sich selbst finanzieren, deshalb nimmt sie an maritimen Veranstaltungen teil, eine Besichtigung kostet Eintritt. Ab und zu werden Personen zum Mitsegeln eingeladen. In Dieppe gehe ich an Bord für die Fahrt nach Ouistreham. Luftlinie sind das kaum mehr als 40 Kilometer, aber da wir vom Wind abhängig sind, werden wir im Ärmelkanal kreuzen müssen. Die Fahrt wird mehr als 24 Stunden dauern und ich bin gespannt, ob ich einen Eindruck davon bekomme, wie man im 18. Jahrhundert reiste.

Die ursprüngliche Hermione war ein schnelles Kriegsschiff. „Es zählte zum Besten, was die Technologie des 18. Jahrhunderts zu bieten hatte“, erklärt Kapitän Yann Cariou (58). Der frühere Berufsoffizier der französischen Kriegsmarine kommandiert die Hermione seit ihrer Jungfernfahrt im Jahr 2012. Davor arbeitete er als Freiwilliger während der Planungsphase und des Wiederaufbaus mit. „Ludwig XVI. beauftragte seine besten Mathematiker und Wissenschaftler, das beste Segelschiff zu entwickeln. Die Hermione verfügte über 32 Kanonen, zudem stellte die Mannschaft auf dem Vorderdeck zwei weitere Kanonen auf“, berichtet Cariou. Unter Deck ist das Schiff modern - mit Kombüse, Toiletten, einer Waschmaschine, aber das Erlebnis an Deck ist wie früher. Mit einem Unterschied: Rund ein Drittel der Besatzung ist weiblich.

Im Jahr 1780 waren mindestens 200 Matrosen an Bord, dazu ein Bäcker, ein Schlachter, Köche, Zimmerleute, Soldaten, und natürlich Hühner und Schafe. Und als La Fayette den Atlantik überquerte, begleiteten ihn 330 Menschen. Bereits bei meiner Ankunft am Vorabend wurde mir klar, was Reisen im 18. Jahrhundert bedeutete. Mit meinen 1,93 Metern musste ich sehr weit in die Knie gehen, um durch die kaum 1,50 Meter hohe Tür zu meiner Kajüte zu passen. Dort warteten vier Kojen, zwei links, zwei rechts, dazwischen nicht mehr als ein halber Meter Platz. Als es Zeit war zu schlafen, beugte ich mich nach vorn und rollte seitwärts auf meinen Schlafsack – in voller Montur. Zwei Stunden Schlaf schaffte ich in jener Nacht.

Am 10. März 1780 betrat Gilbert de La Fayette die Hermione in der kleinen Hafenstadt Port-des-Barques, die etwa 50 Kilometer nördlich von Bordeaux liegt. An Bord waren Vorräte für sechs Monate. Erst auf hoher See durfte der Kommandeur das königliche Siegel brechen, um zu erfahren, welchen Kurs sie nehmen sollten. La Fayette war fasziniert von der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, wonach „alle Menschen gleich geschaffen sind“ und „die Macht der Machthaber von der Zustimmung der Regierten kommt“. Gegen den Willen von Familie und König reiste er 1777 auf eigene Kosten das erste Mal nach Amerika, um die Aufständischen zu unterstützen. Diese ernannten ihn zum Generalmajor der Armee der Vereinigten Staaten. Zwei Jahre später kehrte er mit 21 Jahren als Held zurück. Er galt fortan als das beste Bindeglied zwischen Frankreich und der jungen Republik Amerika. Nach sechs Wochen erreichte die Hermione am 27. April 1780 die amerikanische Küste. La Fayette schloss sich unverzüglich George Washington an. Gemäß der Befehle seines Königs zog er mit der Fregatte in den Kampf. Am 7. Juni traf sie vor Long Island im US-Bundesstaat New York auf die mit 32 Kanonen ausgerüstete britische HMS Iris. Beide Schiffe überstanden den einstündigen Kampf. „Ich habe 260 Schüsse mit den Kanonen abgefeuert“, schrieb de Louis-René de La Touche, Kommandeur der Hermione. Das Großsegel war 30-mal getroffen worden, und auch der Großmast hatte Schaden genommen. 37 Seeleute wurden verletzt, zehn starben.

 

Nachmittags frischt der Wind im Ärmelkanal auf

Kapitän Yann Cariou verfolgt das Wetter. Er befiehlt ein kompliziertes Manöver, um das Schiff wieder Richtung Frankreich zu lenken. Der Wind gewinnt weiter an Kraft und Hermione beginnt, energisch über die Wellen zu tanzen. In der Messe versuche ich, mich im Rhythmus der Wellen zu bewegen. Um ein Haar verpasse ich einem Crewmitglied eine Dusche mit heißem Tee. Wir haben die Fahrrinne des Ärmelkanals gekreuzt, nun liegt die englische Küste kaum noch sichtbar hinter uns am Horizont.

Früh am nächsten Morgen nähern wir uns dem Zielhafen Ouistreham in der Normandie. Der Wind ist abgeflaut. Kleine Boote begrüßen uns. Während die Besatzung die Segel einholt, kommt ein Lotse an Bord, der uns in den Hafen steuert. Dort hat sich eine große Menschenmenge versammelt, um das Eintreffen der Hermione mitzuerleben. Die Besatzung trägt historische Kleidung, Kapitän Cariou erscheint in einer prächtigen roten Uniform mit passendem Dreispitz. Die französische Stadt bezahlt für die Show inklusive Vorführung der Kanonen. Einige Stunden später stehe ich am Kai und bewundere ein letztes Mal die großartige Silhouette der Hermione. Das Original kehrte übrigens nach Frankreich zurück, nachdem La Fayette zum Sieg der amerikanischen Revolutionäre 1781 beigetragen hatte.

 

 


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RD Abbinder
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