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Tim Alexander Niessalla
© Jens Nieth
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Helden des Alltags

Ein Mann mit Zivilcourage

Ein Mann attackiert eine Zugbegleiterin. Tim Alexander Niessalla greift ein

Ausgabe: Oktober 2019 Autor: Annette Lübbers

Diese Zugfahrt wird Tim Alexander Niessalla wohl so schnell nicht vergessen. Wie fast jede Woche ist er am 26. März letzten Jahres unterwegs zu seiner kleinen Tochter, die mit ihrer Mutter in der Nähe von Braunschweig lebt. Fast viereinhalb Stunden Fahrt liegen vor dem 29-Jährigen, der in Siegen Sozialpädagogik studiert. Er sitzt gerade im Regionalzug Richtung Dortmund und liest, als sechs junge Männer den Waggon betreten. Sie nehmen unweit von Niessalla Platz und unterhalten sich lautstark. Daran ist Niessalla gewöhnt, genau wie an die fremden Sprachen, welche die Männer sprechen. „Ein paar Brocken Farsi und Arabisch habe ich gelernt, weil ich nebenbei in der Jugendhilfe mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge arbeite“, erzählt er. „Als die Burschen reinkamen, habe ich nur kurz aufgeblickt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass von den neuen Mitreisenden eine Gefahr ausging.“

Attacke auf die Schaffnerin

Wenige Minuten später betritt die Zugbegleiterin das Abteil. Niessalla schätzt sie auf etwa Mitte 50. Zuerst kontrolliert sie ihn, dann wendet sie sich der Gruppe junger Männer zu. Der Student beobachtet, wie sie die erste Fahrkarte kontrolliert, die zweite, die dritte. Dann ist ein junger dunkelhaariger Mann an der Reihe, der ein Stirnband in Tarnfarben trägt. Kritisch mustert die Zugbegleiterin dessen Fahrschein, dann sagt sie: „Das ist keine gültige Fahrkarte. Bitte verlassen Sie an der nächsten Station den Zug.“ Auf Niessalla wirkt ihre Stimme bestimmt, aber ruhig.
Der junge Mann mit dem Stirnband gibt keine Antwort. Stattdessen springt er unvermittelt auf, packt die Frau, nimmt sie in den Schwitzkasten. Seine rechte Faust fest auf ihren Hals gepresst, drängt der Angreifer sein Opfer an Niessalla vorbei rückwärts gegen eines der Fenster. Mit der anderen Faust schlägt er die Frau ins Gesicht und auf den Brustkorb. Einmal, zweimal. Schutzsuchend hebt die Zugbegleiterin die Hände. Niessalla kann es nicht fassen. Gerade war alles noch friedlich und jetzt diese Attacke. Er blickt zu den Freunden des Schlägers hinüber und fordert sie auf: „Bringt euren Freund zur Vernunft. Der kann hier nicht einfach eine Zugbegleiterin angreifen!“

Niemand sonst greift ein

Aber die jungen Männer machen keine Anstalten aufzustehen. Ganz entspannt bleiben sie sitzen. Dem Student wird klar: „Von denen ist keine Hilfe zu erwarten.“ Niessalla ist groß und kräftig. Er ist sich sicher: Mit dem einen Burschen wird er auch ohne Hilfe fertig. Mit zwei, drei Schritten ist er bei dem Mann mit dem Stirnband, packt ihn am T-Shirt im Nacken. Überrascht reißt der Randalierer die Augen auf. Dass ein Passagier der Schaffnerin zu Hilfe kommt, damit hat er wohl nicht gerechtet. Kurz ist seine Aufmerksamkeit von der Frau abgelenkt. Diesen Bruchteil einer Sekunde nutzt sie, entwindet sich seinem Griff, taumelt zurück in den Gang. In diesem Moment kommt der Zug am Bahnhof Meschede-Freienohl zum Halten. Der Angreifer erkennt seine Chance. Mit einem heftigen Ruck reißt er sich von Niessalla los, sprintet zur Tür, reißt sie auf und springt hinaus auf den Bahnsteig. Einer der jungen Männer seiner Gruppe folgt ihm. Die anderen vier bleiben auf ihren Plätzen sitzen – noch immer völlig teilnahmslos und seltsam ungerührt. 

Niessalla beugt sich über die Zugbegleiterin, die auf einem der freien Sitze zusammengesunken ist. Sie zittert am ganzen Körper. Am Hand­gelenk hat sie eine blutende Wunde. Niessalla kramt ein Taschentuch hervor und versucht die Blutung zu stillen. Noch immer steht der Zug mit offener Tür am Bahnsteig. Wenige Minuten später steigen zwei Polizisten ein. Offensichtlich hat noch jemand den Angriff auf die Schaffnerin bemerkt und die Polizei gerufen.  „Was war hier los?“, fragt einer der Beamten die verletzte Frau. Stockend und mit leiser Stimme berichtet sie von dem Angriff aus heiterem Himmel. Der andere Beamte befragt zunächst Niessalla, wendet sich dann an die Begleiter des Täters. Einer von ihnen spricht sehr gut Deutsch. Der Student erinnert sich: „Ich habe nicht viel von dem mitbekommen, was dieser Mann erzählt hat. Nur, dass er den Angreifer angeblich nicht namentlich kannte.“

Wenige Wochen nach dem Vorfall schnappt die Polizei den Schläger. Zweimal muss Niessalla als Zeuge vor Gericht aussagen. „Zum ersten Termin ist der Bursche gar nicht erschienen“, erzählt er. „Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Der Täter hat sich vor Gericht mit keinem Wort entschuldigt.“ Den Helfer macht dieses Verhalten noch immer fassungslos. „Ich kenne aus meiner Jugendarbeit viele junge Migranten, die sich hier tadellos integrieren und viel dafür tun, um in dieser Gesellschaft anzukommen.“ Immerhin erhielt der Angreifer eine Geldstrafe. „Ob das angemessen ist, müssen andere entscheiden“, sagt Niessalla. „Ich bin nur froh, dass ich zur richtigen Zeit vor Ort war.“  


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RD Abbinder
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