Geschichten

Drama

Helden

Inspiration

Interview

Gesundheit

Ernährung

Körper

Gehirn

Neues

Rat

Familie

Finanzen

Haushalt

Leserfragen

Reisen

Das beste für alle Lebenslagen

Unterhaltung

Lachen

Quiz


Home / Geschichten

Home / Geschichten / Drama

Home / Geschichten / Helden

Home / Geschichten / Inspiration

Home / Geschichten / Interview

Home / Gesundheit

Home / Gesundheit / Ernährung

Home / Gesundheit / Körper

Home / Gesundheit / Gehirn

Home / Gesundheit / Neues

Home / Rat

Home / Rat / Familie

Home / Rat / Finanzen

Home / Rat / Leserfragen

Home / Rat / Reisen

Home / Rat / Tipps & Tricks

Holen Sie sich Anregungen zu allen Facetten des Lebens. Von A wie Auto bis W wie Wissen!
Schnelle, hilfreiche Tipps und Tricks zu alltäglichen Dingen.

Home / Unterhaltung

Home / Unterhaltung / Lachen

Home / Unterhaltung / Quiz

Eine Diamant-Klapperschlange
© istockfoto.com / kevdog818
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Eine Schlange beißt zu

Nachdem Jeremy Sutcliffe der giftigen Klapperschlange den Kopf abgeschlagen hat, hält er die Sache für erledigt.

Ausgabe: Februar 2020 Autor: Nicholas Hune-Brown

Bevor sein Körper nach dem Schlangenbiss zum Schlachtfeld wurde, weil er gegen das tödliche Gift ankämpfte, mochte Jeremy Sutcliffe Schlangen eigentlich. Ja, er fand sie sogar schön. Außerdem hatte der 40-Jährige keine Angst vor wilden Tieren. Ihre Liebe zur Natur war der Grund, weshalb Jeremy und seine Frau Jennifer, 43, unlängst vom US-Bundesstaat Kansas nach Südtexas gezogen waren. Das Haus, das sie am Lake Corpus Christi, nicht weit vom Golf von Mexiko, gekauft hatten, war ihr Traumhaus. Oder besser gesagt, das sollte es einmal werden. Im Augenblick lebten sie auf dem 4000 Quadratmeter großen Grundstück in einem Wohnwagen, denn das Haus war noch in schlechtem Zustand.

An einem Sonntagmorgen im Mai 2018 räumte das Paar auf dem Grundstück auf. Gegen halb elf begann Jeremy, den Rasen zu mähen, Jennifer riss Unkraut aus. Da sah sie die Schlange: eine Westliche Diamantklapperschlange. Jennifer sprang auf, als die ein Meter lange Schlange mit dem dreieckigen Kopf sich aufrichtete. Mit dem Schwanzende rasselte sie warnend. „Schlange!“, schrie Jennifer. Langsam wich sie zurück. „Schlange!“

Jeremy hörte die Schreie seiner Frau, dachte jedoch, es sei eine harmlose Rattenschlange, von denen es auf dem Grundstück viele gab. Er schnappte sich eine Schaufel, um sie damit zu verjagen. Dann hörte er das Rasseln. Jennifer stand mit dem Rücken zur Hauswand, rechts und links von ihr waren Büsche. Die Schlange versperrte ihr den Weg. Zunächst versuchte Jeremy, die Klapperschlange mit der Schaufel hochzuheben – vergebens. Da blieb ihm keine andere Wahl: Mit der Schaufel stieß er direkt hinter ihrem Kopf zu und trennte ihn mit einem Hieb vom Körper. Mit hämmerndem Herzen ging Jennifer ins Haus, Jeremy mähte weiter den Rasen. Als seine Frau zehn Minuten später ihre beiden kleinen Hunde rauslassen wollte, bat er sie zu warten, bis er die tote Schlange fortgeschafft hatte. Er betrachtete das Reptil, das schlaff auf dem Boden lag. Der Kopf hing nur noch mit einem kleinen Fetzen Haut am Körper.

Die geköpfte Schlange beißt zu

Jeremy bückte sich nach einem Stock neben dem Schlangenkopf, um das tote Tier damit ins Gebüsch zu schleudern. Doch bevor er den Stock berührt hatte, griff die Schlange an. Sie schoss vor und grub ihre Giftzähne bis auf die Knochen in seine rechte Hand. Jeremys Hand fühlte sich an, als sei sie von einem schweren Gewicht zermalmt worden. „Die Schlange hat mich gebissen!“, schrie er entsetzt. Tatsächlich sind Bisse von geköpften Schlangen nichts Außergewöhn­liches. Die Reflexe bleiben lange aktiv, weil Schlangen Kaltblüter sind und einen langsamen Stoffwechsel haben. Verzweifelt griff Jeremy mit der anderen unter den Oberkiefer der Schlange, um die Giftzähne herauszuziehen. Es gelang ihm, einen Zahn, der in seinem Mittelfinger steckte, herauszureißen. Daraufhin wollte er den Schlangenkopf wegziehen. Doch die Schlange biss erneut zu, und der Giftzahn grub sich in seinen Ringfinger.

Beim Aufschrei ihres Mannes kam Jennifer, eine ausgebildete Krankenschwester, sofort gerannt. Als sie ihren Mann mit dem Schlangenkopf kämpfen sah, wusste sie: Er brauchte ärztliche Hilfe, und zwar sofort. Sie holte die Autoschlüssel, während Jeremy immer noch an der Schlange zerrte. Endlich löste sich der Kiefer, und er schleuderte das Tier weit von sich. Jennifer wartete mit laufendem Motor, bis Jeremy ins Auto stieg. Als sie losfuhr, hatte sie schon den Notruf gewählt. Das nächste Krankenhaus lag eine halbe Stunde entfernt. Sie wusste nicht, in welcher Klinik das Gegengift vorrätig war. Aber ihr war klar, dass ihnen nicht viel Zeit blieb.

Ihren Mann hatte sie im Sommer 1993 kennengelernt. Sie arbeiteten damals beide in einem Seniorenheim. Ein paar Jahre später heirateten sie und bekamen einen Sohn und eine Tochter. Jeremy war der geborene Bastler. Er installierte Heizungen und Klimaanlagen und half nebenher oft in der Nachbarschaft aus. 2011, im Alter von 34 Jahren, wurde bei ihm das Guillain-Barré-Syndrom diagnostiziert, eine seltene Erkrankung, bei der das Immunsystem gesunde Nervenzellen angreift. Die Krankheit schwächte Jeremy so, dass er nur noch ein paar Stunden am Tag arbeiten konnte. Doch das Paar ließ sich dadurch nicht unterkriegen. Als sie das Haus in Corpus Christi kauften, hatten sie das Gefühl, es geschafft zu haben. Sie wollte arbeiten gehen, und er würde Stück für Stück ihr Traumhaus renovieren. Während Jennifer mit Vollgas über den Highway jagte, war ihr, als löse sich dieser Traum in Luft auf. Die Rettungsleitstelle nannte ihr einen Treffpunkt. Da würde ein Krankenwagen auf sie warten, um ihren Mann zur nächsten Klinik zu bringen.

Krankentransport per Hubschrauber

Schon wenige Minuten nach dem Biss spürte Jeremy die Auswirkungen des Giftes. „Ich kann nichts mehr sehen“, rief er panisch. Kurz darauf wurde er bewusstlos. Jennifer schüttelte ihn mit einer Hand, mit der anderen umklammerte sie das Lenkrad. Doch Jeremy kam nur kurz zu sich. Dann setzten die Krämpfe ein. Die Rettungsleitstelle riet Jennifer, vor einer Kirche anzuhalten und dort auf die Rettungssanitäter zu warten.

Nach den längsten 15 Minuten ihres Lebens trafen die Sanitäter ein. Sie brachten Jeremy in den Krankenwagen und rasten los, Jennifer hinterher. Doch nach zehn Minuten stoppte der Krankenwagen auf einem Parkplatz. Jeremys Zustand verschlechterte sich zunehmend, sein Blutdruck war drastisch gesunken. Die Sanitäter fürchteten, er würde es nicht bis ins Krankenhaus schaffen. Deshalb riefen sie einen Hubschrauber, der den 40-Jährigen in wenigen Minuten zu einer anderen Notaufnahme bringen würde. Kurz darauf landete ein Helikopter, holte Jeremy an Bord und hob ab.

Das Gift der Klapperschlange ist ein Cocktail aus Enzymen und Proteinen, der wie ein starker Blutverdünner wirkt und Hautgewebe sowie Blutzellen zerstört, was zu inneren Blutungen führt. Schlangen können die Giftmenge dosieren, und da die Herstellung des Giftes sie viel Kraft kostet, setzen sie es entsprechend sparsam ein. Wird eine Klapperschlange in die Enge getrieben, folgt normalerweise ein Verteidigungsbiss mit relativ wenig Gift. Geköpfte Schlangen haben jedoch nichts zu verlieren. Das Exemplar, das Jeremy biss, leerte daher den gesamten Inhalt seiner Giftdrüsen in dessen Hand. Als Jennifer im Christus Spohn Hospital Corpus Christi-Shoreline eintraf, ging es dort hektisch zu. Sechs oder sieben Ärzte versuchten, Jeremys Blutdruck zu stabilisieren. Zwei Stunden nach dem Biss war seine rechte Hand dick angeschwollen, ein kräftiger roter Strich zog sich über seinen Unterarm. Die Ärzte verabreichten Jeremy viele Mittel sowie eine Dosis Gegengift nach der anderen. Normalerweise erhalten Opfer von Schlangenbissen zwei bis vier Dosen des Antiserums. Jeremy bekam 26. Jennifer bekam Angst.

Die Organe versagen

Nachdem die Ärzte Jeremy fünf Stunden lang behandelt hatten, standen sie um 17 Uhr vor einer schweren Entscheidung. Denn inzwischen fingen die Organe an zu versagen: Sie mussten ihn in ein künstliches Koma versetzen und an ein Beatmungsgerät anschließen. Wie benommen gab Jennifer ihre Einwilligung. Gegen drei Uhr morgens sprach sie einer der Ärzte an. Der Zustand ihres Mannes sei kritisch, sein Blutdruck gefährlich niedrig. Die Ärzte strebten einen mittleren arteriellen Blutdruck von 65 an. Lag er darunter, konnte das Herz das Blut nicht mehr durch den Körper pumpen. Die Ärzte hatten Jeremy bereits die Maximaldosis von vier Medikamenten verabreicht, die seinen Blutdruck erhöhen sollten, doch die Werte stiegen einfach nicht über 60. „Wir können nichts mehr für ihn tun“, meinte einer der Ärzte. Sie rechneten damit, dass er die Nacht nicht überlebte.

Jennifer blieb fast das Herz stehen. Bis dahin hatte sie den Ernst der Lage verdrängt. Sie ging zu Jeremys Bett und nahm seine Hand. „Suche das Gift und vertreibe es aus deinem Körper!“, befahl sie ihm. „Du darfst nicht sterben.“ Während der nächsten halben Stunde wich sie nicht von seiner Seite und hielt den Bildschirm neben seinem Bett im Blick. Langsam, wie durch ein Wunder, stieg der Blutdruck auf 65, dann auf 70. Die Ärzte setzten nach und nach die Medikation ab, die Werte blieben stabil. Bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen war das Schlimmste überstanden. Am 31. Mai, fünf Tage, nachdem die Klapperschlange Jeremy beinahe getötet hätte, erwachte er aus dem Koma. Er fühlte sich sehr benommen. Sein ganzer Körper war angeschwollen, er hatte mehr als 20 Liter Wasser eingelagert. Schmerzen pochten in Armen, Beinen und seinem Bauch.

Zwei Finger werden amputiert

Die nächsten Wochen waren anstrengend. Durch die Mischung aus Gift und Gegengift waren seine Nieren stark geschädigt, sodass Jeremy zur Dialyse musste. Die Giftstoffe hatten Gallensteine, Nierensteine sowie starke Unterleibsschmerzen verursacht. Er war so schwach, dass er sich nicht auf den Beinen halten konnte. Die Krankenhauskosten beliefen sich in der Zwischenzeit bereits auf knapp 55.000 Euro. Um die vielen Therapien bezahlen zu können, startete das Paar über die Plattform GoFundMe einen Spendenaufruf. Jeremys rechte Hand war stark geschädigt. Die Ärzte versuchten zunächst, die Finger mit Hauttransplantationen zu retten. Als diese jedoch fehlschlugen, mussten Mittel- und Ringfinger amputiert werden.

Für jeden anderen wäre der Verlust von zwei Fingern eine Katastrophe gewesen. Nicht für Jeremy. Nachdem er dem Tod knapp entronnen war, konnte ihn nichts mehr erschüttern. Vier Wochen nach dem Biss funktionierten seine Nieren wieder so gut, dass die Ärzte die Dialysebehandlung beendeten. „Ich habe zwei Finger gegen wieder intakte Nieren eingetauscht“, meinte er.

Im Krankenhaus hatte er viel Zeit zum Nachdenken. „Als ich aus dem Koma erwachte und begriff, dass ich es geschafft hatte, weinte ich viel. Ich musste an alles denken, was ich in meinem Leben falsch gemacht habe“, sagte Jeremy. Nicht, dass er etwas wirklich Schlimmes getan hatte, doch nun bewertete er seine Vergangenheit anders, und jedes Versäumnis schien eine tragische Verschwendung von Lebenszeit. Das Erlebnis hatte ihn verändert. „Die Dinge, die mir früher so wichtig waren, haben an Bedeutung verloren“, sagte er. „Meine Frau und meine Kinder sind mir jetzt viel wichtiger.“ Ende Juni wurde Jeremy aus dem Krankenhaus entlassen.


Mehr zu diesem Thema

Aus der
aktuellen
Ausgabe

70 Jahre Reader's Digest Spannung

Die Berliner Mauer schien unüberwindlich. Da planten zwei sportbegeisterte Ostdeutsche eine kühne, nie zuvor gewagte Flucht über die Ostsee.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Als zwei Jungen von einer Strömung erfasst werden, starten Strandbesucher eine riskante Rettungsaktion.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Unerbittlich schließt sich die Tür um Katrins Arm. Sie schreit auf. Doch der Zug fährt los nach Speyer. Und wird erst wieder halten in … 8 Minuten.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Zwei Touristen verunglücken im balinesischen Dschungel. Niemand weiß, wo die Schwerverletzten sich befinden. Und der Akku ihres Handys ist fast leer.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Ein junger Autofahrer verunglückt im australischen Busch – werden die Retter ihn rechtzeitig finden?

 

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Annette Poitras plant, nur eine Stunde unterwegs zu sein, doch plötzlich liegt sie hilflos im Wald.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Ein Weltklasse-Snowboarder löst bei der Abfahrt von einem unberührten Gipfel eine Lawine aus und wird von den Schneemassen mitgerissen.

...mehr

 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH - Vordernbergstraße 6, 70191 Stuttgart