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Symbolfoto: Ein Mann liegt in eiem Krankenhausbett.
Symbolfoto: © istockfoto.com / kupicoo
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Hört mich jemand?

Richard Marsh liegt im Koma. Das sagen die Ärzte. Einer sieht das anders – Marsh selbst. Denn er hört und versteht alles.

Ausgabe: August 2020 Autor: Tom Hallman

Das Erste, was Richard Marsh beim Aufwachen hörte, war das gleichmäßige Piepsen einer Maschine. In seinem Hals steckte etwas fest, doch er konnte nicht husten. Er konnte sich auch nicht aufsetzen. Er konnte sich überhaupt nicht bewegen. Er versuchte, die Beine zu bewegen, die Arme, die Finger. Selbst die Augen konnte er nicht schließen. Was ist denn los mit mir? Er konnte nur in eine Richtung starren – geradeaus. In seinem peripheren Sehfeld erkannte Richard seine Frau. Er hörte, wie sie mit einem Mann sprach, der OP-Kleidung zu tragen schien. „Es sieht nicht gut aus“, sagte dieser Mann. „Seine Überlebenschancen sind sehr gering.“ Sie sprechen über mich. Richard wollte sich bemerkbar machen. Doch es funktionierte nicht. „Sie müssen sich auf das Schlimmste gefasst machen“, sprach der Mann in OP-Kleidung zu Liliana Garcia, Richards Frau. Sie sah völlig niedergeschlagen aus, weinte aber nicht. Als Krankenschwester in einem Hospiz reagierte sie professionell.

 

Aber ich bin doch noch da.

Dann wurde die Welt um ihn herum schwarz. Zwei Tage zuvor hatte er sich morgens beim Aufwachen nicht wohlgefühlt. Liliana fiel auf, dass er blass war. Doch Richard wehrte ihre besorgten Fragen ab. Er beruhigte sie und bestand darauf, dass sie zur Arbeit fuhr. Anschließend legte er sich auf die Couch, bevor es auch für ihn Zeit wurde, sich auf den Weg zu machen. Er unterrichtete Forensik und Wirtschaftswissenschaften an einer Highschool nahe seines Wohnorts Napa in Kalifornien, USA. Als er aufstand, wurde ihm schwindlig. Er hangelte sich am Tisch entlang bis zum Telefon und rief im Büro seiner Frau an. Dort hinterließ er die Nachricht, sie solle zurückrufen. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er trank so gut wie keinen Alkohol, rauchte nicht und war körperlich fit. Das Telefon klingelte – Liliana. „Komm nach Hause“, sagte er. Liliana hörte nur ein Stammeln. Sofort rief sie den Rettungsdienst an.

Minuten später war der Krankenwagen mit Richard unterwegs ins Krankenhaus. Erst wurden seine Füße taub, dann kroch die Taubheit die Beine hoch bis zu den Hüften. Er konnte seine Muskeln nicht mehr kontrollieren, nicht mehr schlucken. Um sein Leben zu retten, wurde er in der Notaufnahme unter Narkose künstlich beatmet. Dann erhielt er Medikamente, die man bei einem Schlaganfall einsetzt, um Blutgerinnsel aufzulösen. Er kam auf die Intensivstation. Und dann hieß es abwarten.

Als Richard aufwachte, war er gelähmt. Doch er konnte spüren, wenn die Ärzte oder Pfleger ihn berührten. Es geht mir nicht schlecht. Ich kann mich nur nicht bewegen. Langsam wurde ihm bewusst, dass er in seinem Körper gefangen war. Er hörte, wie der Arzt Liliana erklärte, dass ihr Mann im Koma lag. Richard bekam auch die schonungslose Diagnose mit: Seine Überlebenschance betrug 2 Prozent. „Wenn er durchkommt, ist mit schweren Hirnschäden zu rechnen … wenig Hoffnung … Sie müssen darüber nachdenken, ob die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt werden sollen“, hörte er den Arzt sagen. Richard hörte die Stimmen seiner Töchter. Weiter weg. Liliana erklärte dem Arzt, dass sie dies mit den erwachsenen Töchtern ihres Mannes aus seiner früheren Ehe besprechen müsse. Liliana kam zurück. Sie sagte dem Arzt, die Familie habe beschlossen, noch ein paar Tage abzuwarten, wie sich Richards Zustand entwickelte. Die Mädchen seien noch nicht bereit, ihren Vater zu verlieren. Und sie selbst sei auch noch nicht so weit, sich von ihrem Mann zu verabschieden.

 

Nein. Ich bin doch noch da!

Es war wie in einer makabren Szene aus einem Horrorfilm. Vielleicht wäre der Tod ja ein Segen, dachte er schließlich. Er akzeptierte das Unvermeidliche und fügte sich in sein Schicksal. Am nächsten Morgen kam ein Neurologe auf die Intensivstation und stand mit den anderen Ärzten an seinem Bett. Marsh hörte einen Teil des Gesprächs: „Hat schon jemand geprüft, ob er bei Bewusstsein ist?“ Der Neurologe beugte sich über ihn: „Herr Marsh, wenn Sie mich hören können, blinzeln Sie bitte mit den Augen.“ Blinzle … los, versuch es ...! Was wäre, wenn er es nicht schaffte zu blinzeln? Er konzentrierte sich. Und dann … das Blinzeln war so langsam, dass der Neurologe nicht sicher war, ob er richtig gesehen hatte. „Herr Marsh, blinzeln Sie noch einmal. Können Sie mich hören?“ Ich … blinzle. Jetzt hatte es der Neurologe tatsächlich gesehen.

Umfassende Untersuchungen ergaben: Eine Arterie seines Gehirns war vollständig ausgebildet, aber verstopft. Die andere war nicht ausgeformt – ein nicht erkannter Geburtsfehler, der Richard bislang keine Probleme bereitet hatte. Nun beeinträchtigte diese Blockade die Blutzufuhr, weshalb Marsh einen Hirnstamminfarkt erlitten hatte. Der Hirnstamm, der das Gehirn mit dem Rückenmark verbindet, steuert nahezu alle Körperfunktionen. Marshs Herz schlug, doch er war nicht in der Lage, Teile seines Körpers willentlich zu bewegen. Die Ärzte stellten Richard Marsh Fragen: Blinzeln Sie einmal für Ja, zweimal für Nein. Er musste seine ganze Willenskraft aufbringen, um die Augen zu bewegen.

 

Mühsam buchstabiert Richard seine Mitteilungen

Bis zu 70 Prozent der Patienten mit dieser Diagnose sterben nach kurzer Zeit. Nur eine Handvoll der Menschen, die diese Erkrankung über­stehen, finden zurück in ein normales Leben. Doch bevor Marsh überhaupt auf einen glücklichen Ausgang hoffen konnte, standen ihm neue Qualen bevor. Von der Intensivstation kam er zunächst in ein Krankenhaus, in dem Spezialisten die Therapie abhängig machten von den Reaktionen seines Körpers. Da er nicht schlucken konnte, legten die Ärzte eine Kanüle in die Luftröhre, damit Richard atmen und eine Krankenschwester den Speichel absaugen konnte, der sonst in seine Lunge fließen würde. Um ihm die Kommunikation zu ermöglichen, besorgte Liliana eine Buchstabentafel, die sie Richard vors Gesicht hielt. Richard blickte auf die Tafel. Seine Familie folgte seinem Blick. Jedes Wort wurde so Buchstabe für Buchstabe zusammengesetzt.

So anstrengend die Tage auch waren, die Nächte wurden zur Hölle, wenn seine Familie nach Hause gefahren war. Die Krankenschwestern benutzten weder die Buchstaben­tafel, noch sahen sie ständig nach ihm. Marsh war allein und hatte Angst. Sekret sammelte sich in seinem Rachen, drohte ihn zu ersticken, und es war niemand da, der den Schleim absaugte. Es war sein Zimmernachbar, der nach den Schwestern klingelte, sobald er hörte, wie der 60-Jährige nach Atem rang.
Eines Morgens, als seine Familie eintraf, starrte Marsh verzweifelt auf die Buchstabentafel. Langsam wurde sein Wunsch sichtbar: Holt mich hier raus. Ein paar Tage später ließ ihn seine Frau in ein näher gelegenes Krankenhaus verlegen. Physio- und Ergotherapeuten begannen, offensiver mit ihm zu arbeiten, damit sein Körper wieder voll funktionsfähig wurde. Die Tage vergingen.

 

Richard bewegt den linken Zeh

Endlich geschah es – eines Tages bewegte Marsh den großen linken Zeh. Zwei Wochen später drehte er den Kopf von einer Seite zur anderen. Einige Tage danach wackelte er mit einem Fuß, und ein oder zwei Tage später konnte er die Beine bewegen. Seine Angehörigen weinten, lachten und fielen sich bei jedem neu errungenen Sieg in die Arme. Mehr als zwei Monate nach seiner Diagnose tat Marsh etwas, das er sein Leben lang für selbstverständlich gehalten hatte: Er hob die Hand und berührte seine Nase. Er lernte wieder gehen, wie ein Kleinkind, das seine ersten Schritte machte, schwankte von einer Seite auf die andere, gestützt auf eine Gehhilfe, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Langsam ging Marsh vom Bett bis zur Zimmertür und zurück, begleitet von einem Therapeuten, der darauf achtete, dass er nicht stürzte. Vier Monate und neun Tage nach dem Infarkt, nach weiteren schmerzhaften und mühsamen Reha-Maßnahmen, trat Richard Marsh ohne fremde Hilfe über die Schwelle seines Hauses. Er setzte sich in seinen Sessel. Nun war er wieder zu Hause.

Richard Marsh hatte sich verändert. Er hatte 25 Kilogramm Muskelmasse verloren. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war er so schwach, dass er nicht einmal eine Packung Milch hochheben konnte. Er fing an, regelmäßig Sport zu treiben. Nach einem Jahr konnte er im Fitnessstudio wieder Gewichte stemmen. Er ärgerte sich nicht mehr so schnell und machte sich weniger Sorgen um Nebensächliches. Er versuchte, kein Perfektionist mehr zu sein. Er gab seine Stelle als Lehrer auf und kümmerte sich um den Haushalt, während Liliana arbeiten ging. Er freut sich über einfache Dinge.

 


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RD Abbinder
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