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Ich mag es nicht mehr hören…
© iStockfoto.com / BraunS
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Ich mag es nicht mehr hören…

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Wann es angebracht ist, öfter mal still zu sein und abzuwarten bis jemand einen Ratschlag braucht.

Mehr Lächeln in Corona-Zeiten – so lautete der Titel des Beitrags, der vor genau einem Jahr an dieser Stelle erschien. Ein Plädoyer für mehr Aufmerksamkeit, mehr Anerkennung und Nettigkeiten angesichts des sich allgemein verschärfenden Umgangstons. Damals dachten oder hofften wir noch, dass 12 Monate später die Pandemie vorbei sei. Das ist sie nicht, und mehr als zuvor sehnen wir uns nach Orientierung. Das Verschwinden alter Gewissheiten und liebgewonnener Gewohnheiten hat uns unsicher gemacht. Wir befinden uns im ständigen Ausloten der Frage, was richtig oder falsch, was angemessen oder nicht, was überflüssig oder überfällig ist.

 

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Zugleich gibt es jedoch eine Flut von mit Nachdruck vorgetragenen Antworten und Meinungen, Tipps und Handlungsempfehlungen. Nicht nur zum Thema Infektionsschutz. In den Medien erleben wir eine Dauerbeschallung durch Menschen, die an ihrer einmal gefassten Überzeugung besonders festhalten und sie wie eine Monstranz vor sich hertragen. Selbst wenn eine unverrückbare Weltanschauung genau der Faden sein sollte, an dem man sich in der pandemischen Unsicherheit entlang hangeln möchte: Mich nerven all die freigiebigen Neunmalklugen, Wichtigtuer, Rechthaber und Schlauberger. Die Tage, an denen ich empfänglich für Hinweise bin, sind selten geworden.

 

In jedem Ratschlag steckt ein Schlag

Seit einiger Zeit zeigt sich dieses Verhalten nämlich auch im Privaten. Allenthalben heißt es: „Du solltest aber...“, „Man müsste dringend...“, „Wieso hat er/sie nicht ...“oder „Ich hätte ja längst ...“ Selbst harmlose Bemerkungen kommen mir vor wie Kritik, viel öfter als früher höre ich plötzlich einen Vorwurf heraus. Doch nicht nur ich selbst reagiere empfindlicher, auch die Menschen in meinem Umfeld, so scheint es, fühlen sich häufiger unverstanden, ja bevormundet.

Jedenfalls zeigt die sauertöpfische Miene des Gegenübers oder das bedeutungsschwere „Wenn Du meinst ...!“ eindeutig, wenn etwas Gutgemeintes gar nicht gut ankommt. Die Einsicht, dass man mit ungebetenen Vorschlägen ins Fettnäpfchen getreten ist, kommt aber meistens zu spät. Bestenfalls wird das Gespräch höflich mit einem Themenwechsel fortgesetzt, schlimmstenfalls wird es beendet. Solche Situationen kennt wohl jeder, denn wer wollte nicht schon einmal in einer unübersichtlichen Situation gern souverän auftreten, Sicherheit ausstrahlen und den Weg weisen? Ich jedenfalls weiß: Leider steckt auch in mir so ein kleiner Besserwisser. Jemand, der zuweilen mehr auf Senden als auf Empfang gepolt ist – ohne sich zu vergewissern, ob das gerade erwünscht ist.

 

Einfach mal die Klappe halten

Mit dieser Erkenntnis habe ich mir als Privatperson ganz fest vorgenommen, öfter mal still zu sein und abzuwarten, bis es heißt: „Ich bräuchte mal Deinen Rat“. Ich will weniger anregen, mehr zuhören, besser verstehen. Neugierig bleiben, Unterschiede aushalten und akzeptieren, dass selbst der noch so gut gemeinte Tipp manchmal einfach nicht erwünscht ist. Als ANGELIKA hingegen hoffe ich, dass Sie meinen Empfehlungen gegenüber offen bleiben, denn es wird auch künftig noch viele gute geben.

 

 

 

 

 

 

 

 


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RD Abbinder
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