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Der Tegunungan Waterfall nahe Ubud auf der Insel Bali.
© iStockphoto.com / Johanes Minawan Laksana
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Spannung

Letzte Rettung Internet

Zwei Touristen verunglücken im balinesischen Dschungel. Niemand weiß, wo die Schwerverletzten sich befinden. Und der Akku ihres Handys ist fast leer.

Ausgabe: Januar 2020 Autor: Derek Burnett

Aimee Spevak wollte einige Tage ausspannen, deshalb hatte sie ein Ferienhaus im US-Bundesstaat Pennsylvania gemietet und war der Augusthitze von New York City entflohen. Als freiberufliche Medizinjournalistin hatte sie aber niemals wirklich frei, deshalb saß sie an diesem schönen Tag im Sommer 2018 am Schreibtisch, um einen Artikel fertigzuschreiben. Zuerst surfte sie ein wenig im Internet und schaute, was es bei Facebook Neues gab. Als sie eine Nachricht von ihrem Freund Michael Lythcott entdeckte, freute sie sich. Er war ein Weltenbummler und Abenteurer. Vor ein paar Jahren hatte Aimee mit ihm Nepal bereist. Soweit sie wusste, machte Michael gerade Urlaub auf Bali. Doch statt schöner Fotos oder spannender Reiseberichte enthielt der Beitrag nur einen kurzen Text, der Aimee aus ihren sommerträgen Gedanken riss: „Hilfe! Bin in Gefahr. Ruft die Polizei!“ stand dort.

Michael Lythcott, 39 Jahre alt und von Beruf Grafikdesigner, war in der Tat nach Bali gereist. Gemeinsam mit seiner 25-jährigen Freundin Stacey Eno war er einen Tag vorher auf der indonesischen Insel gelandet. Die beiden hatten sich in einem Außenbezirk von Ubud einen Motorroller gemietet und waren damit in die Stadt gefahren. Dort hatten sie mit anderen Touristen bis in die frühen Morgenstunden geplaudert. Gegen zwei Uhr waren sie dann zu ihrem Hotel aufgebrochen. Michael hatte sein iPhone in die Lenkertasche des Rollers gesteckt, um es zum Navigieren zu benutzen. Die Straße, die zwischen Reisfeldern und Regenwald verlief, begann anzusteigen. Michael sah auf das Handy und zurück auf die Straße. Zu spät bemerkte er die nächste Kurve – er bremste, aber nicht schnell genug.

Ein schwerer Unfall mit dem Roller

Als er nach einer Weile zu sich kam, drang Wasserplätschern an sein Ohr. Michael lag an einem steilen Hang, der dicht mit tropischen Pflanzen bewachsen war. Vergeblich versuchte er, sich aufzusetzen. Was war passiert? Wo war er? Dann fiel es ihm wieder ein: Er war auf Bali. „Mist ... ich muss mit dem Roller verunglückt sein“, dachte er. Nur daran erinnerte er sich. Dass er 45 Meter weit durch die Luft an den Rand dieser Schlucht geschleudert worden war und dabei mehrere Bäume gestreift hatte, davon wusste er nichts. Seine Brille war ebenso weg wie der Roller und sein Handy. Bei dem Sturz hatte Michael sich am linken Handgelenk, am Oberkörper und am Rücken verletzt. Und er konnte seine Beine nicht bewegen. „Stacey!“, rief er. Als keine Antwort kam, rief Michael noch einmal: „Stacey, wo bist du?“ „Hier.“ Sie lag nur wenige Meter von ihm entfernt. Michael kroch mühsam zu Stacey hinüber.
„Was ist los? Warum sind wir im Wald?“, wollte sie wissen.
„Wir hatten einen Unfall. Du musst aufstehen und Hilfe holen.“
„Ich kann nicht.“
Erst jetzt wurde dem 39-Jährigen der Ernst der Lage klar. Kein Mensch wusste, dass sie hier waren. Wahrscheinlich hatte er sich das Rückgrat gebrochen, und aus seinen Wunden floss Blut. „Vielleicht werden wir hier sterben“, dachte Michael. Zu allem Übel rutschte er auch noch zwischen den dicken Stämmen der Banyanbäume den feuchten Hang hinunter. An einer Baumwurzel in einer kleinen Senke fand er schließlich Halt. „Ich muss mich zusammenreißen, wenn ich hier rauskommen und Stacey retten will“, dachte Michael.

Doch wie sollte man sie hier finden? Da fiel ihm ein, dass er ein zweites Handy mit seiner US-amerikanischen SIM-Karte dabeigehabt hatte, als sie losgefahren waren. Er griff in seine Jackentasche – es war noch da! Mit seiner unverletzten Hand zog er das Gerät hervor. Michael schaltete es ein und aktivierte Daten-Roaming. Die Akkuladung betrug 42 Prozent. Er überlegte, ob er mit Google die Nummer der örtlichen Polizei suchen sollte. Aber selbst wenn es dort jemanden gab, der gut genug Englisch sprach, was hätte er dieser Person sagen sollen? Dass er einen Unfall gehabt hatte und irgendwo war? Dann hatte Michael eine Idee. Er startete die Facebook-App und begann zu schreiben. Dabei achtete er darauf, dass ihm das blutverschmierte Handy nicht aus der Hand glitt. Keine zwei Minuten später entdeckte seine Freundin Aimee den Hilferuf.

Michaels Freunde organisieren die Rettung

Zuerst wusste Aimee nicht, was sie tun sollte. Doch dann fiel ihr ein, dass es bei Facebook eine Anruffunktion gibt. Sie tippte neben dem Namen von Michael auf „Anruf“. Zu ihrer Überraschung antwortete er sofort. „Aimee“, sagte er, „ich liege verletzt im Wald und habe keine Ahnung, wo ich bin.“ „Verstehe. Kannst du mir deine Standortdaten senden?“, fragte sie. „Ja.“ „Ich werde Hilfe rufen. Keine Sorge, wir holen dich da raus.“

Sobald er aufgelegt hatte, schickte Michael ihr mithilfe der Facebook-Standortfunktion seine GPS-Koordinaten. Jetzt gab es immerhin jemanden, der seinen Aufenthaltsort kannte. Aimee überlegte, was sie nun tun sollte. Schließlich hatte sie eine Idee: Vielleicht konnte jemand aus Michaels Freundeskreis weiterhelfen. Sie teilte ein Bildschirmfoto der Standortmarkierung auf seiner Facebookseite. Es dauerte nur ein paar Minuten, bis sich die Ersten meldeten.

Ricardo Mendes erklärte Michael, wie man die SOS-Funktion aktiviert: „Du musst die Seitentaste an Deinem Handy fünfmal nacheinander kurz drücken.“ Kaitlin Haggard hatte die Rufnummer der örtlichen Polizei ausfindig gemacht. Leah Schlossman rief dort an und schrieb dann: „Niemand antwortet unter dieser Nummer, und Michaels Telefon ist besetzt.“ Misty McKenzie-Hill drückte aus, was alle dachten: „Hoffentlich wird er gerettet.“

Stacey hatte mehrmals das Bewusstsein verloren und wiedererlangt. Sie litt unter starken Schmerzen. Beim Sturz vom Motorroller war sie gegen etwas geprallt, hatte sich die Zunge zerschnitten, ihre Zähne wackelten und ihre Gesichtsknochen waren zerschmettert. „Ich versuche, Hilfe zu organisieren“, erklärte Michael. Stacey wollte aufstehen, aber ihre Beine gehorchten nicht. Zu groß war die Angst, durch eine falsche Bewegung in die Tiefe zu stürzen. So krallte sich die junge Frau weiter im Erdreich fest und wartete darauf, dass Hilfe käme.

Zu denen, die das dramatische Geschehen auf Michaels Facebookseite angespannt verfolgten, gehörte auch Josh Hofer in Raleigh, im US-Bundes­staat North Carolina. Er war ein langjähriger Freund von Michael. Um die geposteten Standortinformationen besser sehen zu können, öffnete Josh sie auf seinem Smartphone, wo sie genauer angezeigt wurden als auf seinem Computer. Er machte ein Bildschirmfoto und schickte es an das US-Konsulat in Indonesien.

Auch Paul Rocha in Los Angeles fieberte mit den Verunglückten mit. Michael hatte geschrieben, dass er Wasser rauschen hören konnte. Anhand dieser Information und mithilfe der Screenshots von Aimee und Josh erstellte Paul eine Karte mit der Stelle, an welcher der Freund aller Voraussicht nach lag. Diese teilte er auf Michaels Facebookseite. Als Michaels Freundin Caitlin in Prag die Karte studierte, kam sie zu dem Schluss, dass sich die Unfallstelle an einer Straße befand, an der eine Kochschule und eine Bar lagen. Nach und nach ergab sich so ein genaueres Bild: Michael und Stacey befanden sich im Urwald bei Ubud unweit eines Wasserfalls. Freunde in aller Welt hatten die Kontaktdaten der balinesischen Polizei, Krankenhäuser und Rettungsdienste sowie des US-Konsulats auf Michaels Facebookseite veröffentlicht. Deren Telefone liefen nun heiß.

Die Helfer auf Bali werden alarmiert

Auf der Nachbarinsel Surabaya hatte in dieser Nacht im US-Konsulat die Mitarbeiterin Christine Getzler-Vaughan Telefondienst. Ein Anrufer meldete sich: „Mein Freund hat auf Facebook gepostet, dass er verletzt ist und Hilfe braucht.“ „Wie heißt Ihr Freund? Was war sein letzter bekannter Aufenthaltsort?“, erkundigte sich Getzler-Vaughan. Kaum hatte sie aufgelegt, klingelte das Telefon erneut; auch diesmal war es ein Freund von Michael, der helfen wollte. Michaels Facebook-Freundeskreis lieferte Getzler-Vaughan zahlreiche Informationen: Bildschirmfotos, Karten, sein Geburtsdatum, Kontaktdaten seiner Angehörigen. Sie leitete alles an ihre Kollegen auf Bali weiter. Um 5.29 Uhr, weniger als eine Stunde nach seinem Facebook-Notruf, schickte Getzler-Vaughan eine Kurznachricht an Michael: „Unsere Kollegen auf Bali wissen Bescheid.“ „Kann mich nicht bewegen. Akku fast leer“, schrieb Michael zurück.

Auf Michaels Facebookseite häuften sich inzwischen die Kommentare. Seine Freunde erkundigten sich nach Neuigkeiten oder drückten ihre Sorge aus. Am anderen Ende der Welt lagen Stacey und Michael derweil noch immer hilflos im Regenwald. Die Angst vor dem Absturz lähmte Stacey, wann immer sie zu sich kam. „Ich rutsche ab“, jammerte sie dann. „Du musst durchhalten. Bestimmt kommt bald Hilfe“, versuchte Michael sie zu ermutigen. „Wie lange noch?“ Er wusste es nicht. Sein Handyakku war leer.

Gerettet!

Michael musste weggenickt sein, als ihn ein Rascheln im Gebüsch aufschreckte. Mit einem Schlag war er hellwach. Auf Bali gab es gefährliche Schlangen. Gegen Kobras oder Pythons hätte er sich im Moment kaum verteidigen können. Das Geräusch schwoll zu einem Murmeln an, dann vernahm er Stimmen. Ein Suchtrupp! Vier Retter, die nur sehr wenig Englisch sprachen, trugen ihn vorsichtig zu einem Pick-up. Kurz danach legten sie Stacey neben ihn auf die Ladefläche. Ihre Haare waren blut- und schmutzverklebt, und auch ihr Rumpf und ihre Beine waren voller Blut. Sie war kaum wiederzuerkennen. Um 8.14 Uhr – knapp vier Stunden nachdem Michael Lythcott den Notruf über Facebook abgesetzt hatte – schrieb Caitlin auf seiner Seite: „UPDATE: MICHAEL IST OK UND IM KRANKENHAUS!“ Michaels Freunde – von Portland bis Pretoria und von Seattle bis Sydney – konnten aufatmen. „Danke, darüber sind wir alle sehr froh“, schrieb Jay Holmes.

Stacey Eno musste acht Tage lang im Krankenhaus behandelt werden, bevor sie nach Südkorea zurückkehren konnte, wo sie als Lehrerin tätig war. Sie hatte sich das Handgelenk gebrochen, hatte einen zertrümmerten Wangenknochen, Verletzungen an Mund und Zunge sowie eine gebrochene Nase. Michaels Zustand war noch schlimmer: Er hatte innere Verletzungen erlitten, dazu Brüche an Handgelenk, Rippen, Wirbelsäule und Schädel. Trotzdem konnte er nach nur drei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen werden und sich im Haus seiner Schwester in Atlanta weiter von seinen Verletzungen erholen.


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RD Abbinder
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