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Frank Bedarf
© Heinz Heiss
Aus der
aktuellen
Ausgabe

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Kampfhund verbeißt sich in Frau - Frank Bedarf befreit sie

Ein Wald nahe Stuttgart: Ein Bullterrier verbeißt sich in eine junge Frau. Frank Bedarf eilt ihr zu Hilfe.

Ausgabe: Februar 2015 Autor: Markus Heffner

Als Frank Bedarf (41) an einem Samstagvormittag im Juni 2014 mit seinem Labrador Santino das Haus verlässt, weiß er nicht, dass es nur wenige Minuten später zu einer dramatischen Begegnung mit einem Kampfhund kommen wird. Der IT-Experte wohnt mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Gerlingen, einem Städtchen in der Nähe von Stuttgart.

Eine Frau ruft immer verzweifelter um Hilfe

Bedarf geht gern mit Santino in den umliegenden Wäldern spazieren. An diesem Vormittag wählt er einen Weg, der zum Schloss Solitude führt, einem beliebten Ausflugsziel. Herrchen und Hund sind erst wenige Meter gegangen, als Bedarf einen Hilferuf hört. Dann noch einen. Und noch einen. Es ist eine Frau, die immer verzweifelter um Hilfe schreit. „Ich wusste sofort, dass gerade etwas Schlimmes passiert“, erzählt Bedarf. Er denkt an einen Überfall oder eine Vergewaltigung – und handelt sofort.

Frank Bedarf sprintet los in Richtung der Hilferufe

Quer durch den Wald in Richtung der Schreie zu laufen, kommt nicht infrage. Dazu ist das Gelände zu unwegsam und Bedarf lernt nach einer Operation an der Achillessehne gerade erst wieder das Laufen ohne Gehschuh. Also sprintet Bedarf, so schnell er kann, den Weg entlang. Nach etwa 700 Metern ist er am Waldrand. Von dort aus sieht er in einiger Entfernung eine Frau. Sie steht gebückt in einer Wiese, gleich darauf stürzt sie auf den Rücken. „Sonst war weit und breit niemand zu sehen“, erinnert sich Bedarf. „Ich wusste gar nicht, was eigentlich los ist.“ Instinktiv bindet er seinen Hund an einer Infotafel fest, greift einen dicken Ast und hastet los.

Ein Bullterrier hat sich in den Körper der Frau verbissen - überall ist Blut

Auf der Wiese bietet sich ihm ein Bild des Schreckens: Ein Bullterrier hat sich in die Frau verbissen. Ihre Arme und Beine sind von Wunden übersät. Das an sich weiße Fell des Tieres ist blutgetränkt. Bedarf kennt die Frau flüchtig. „Ich hatte sie einige Male beim Spazieren­gehen getroffen und mir noch gedacht, dass sie ihren Hund gut unter Kontrolle hat“, erzählt er. „Aber an jenem Morgen ist er immer wieder auf sie los. Der war wie im Blutrausch.“ Bedarf schreit, wedelt mit den Armen – doch der Bullterrier reagiert nicht. „Er hat mich überhaupt nicht wahrgenommen“, sagt Bedarf. Er greift nach der etwa zehn Meter langen Schleppleine am Geschirr des Hundes, der jetzt im Begriff ist, sein Opfer am Hals zu packen.

Wimmernd versucht die schwer verletzte Frau, ihre Kehle zu schützen.

Mit dem Ast drängt Frank Bedarf den rasenden Bullterrier zurück. Immer wieder versucht der, an sein Opfer zu kommen. „Er hat weder gebellt noch geknurrt und hat die Frau nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen“, erzählt Bedarf. Zwar hat er Angst, selbst angegriffen zu werden. Trotzdem kämpft er minutenlang mit dem Hund.

Mit Stockstößen treibt Frank den Bullterrier Zentimeter für Zentimeter rückwärts, weg von seinem Opfer, hin zu einem Baum.

Als der Bullterrier dicht an dessen Stamm ist, rennt Bedarf los und schlingt die Schleppleine zwei Mal um den Baum – jetzt hängt der Bullterrier fest. Allerdings kann auch Frank Bedarf sich nicht mehr wegbewegen. Ihm ist klar: Lässt er die Leine los, wird der Hund sich sofort wieder auf die Frau stürzen. Er weiß aber auch, dass die Schwerverletzte so schnell wie möglich Hilfe braucht.

Frank fesselt den Hund an einen Baum und wählt den Notruf


Mit der rechten Hand hält er sein Ende der Leine so fest er kann, mit der linken fischt er sein Mobiltelefon aus der Tasche und wählt den Notruf. Erst dann kommt er dazu, mit der Frau zu sprechen. Bedarf bringt sie dazu, sich trotz ihrer klaffenden Wunden ein paar Meter wegzuschleppen, weg von dem Bullterrier, der sie immer noch fixiert. Um die Frau bei Bewusstein zu halten, redet Bedarf mit ihr, bis der Rettungs­wagen eintrifft. Dann rückt die Tierrettung mit einer Fangschlinge an, um den Bullterrier zu bändigen.

Nach mehreren Operationen geht es der Frau heute besser, ausgeheilt sind ihre Verletzungen aber noch nicht.

Sie hatte an jenem Tag mit ihrem Hund für den Wesenstest trainiert, dabei hatte sich der Maulkorb gelöst. Dieser Test gibt Auskunft darüber, ob ein Hund besonders gefährlich und aggressiv ist und für seine Haltung deshalb strenge Regeln gelten. Kurz nach der Attacke wurde der Bullterrier eingeschläfert.

Frank Bedarf wurde für sein couragiertes Eingreifen von der Stadt Stuttgart ausgezeichnet

Frank Bedarf kann sich inzwischen offiziell „Helfer in der Not“ nennen. Die Stadt Stuttgart zeichnete ihn für sein couragiertes Eingreifen mit Urkunde und Medaille aus – eine seltene Ehrung: Zuletzt vergab Baden-Württembergs Landeshauptstadt diese Auszeichnung im Jahr 2002. Frank Bedarf selbst spricht dennoch nicht so gerne von sich als Held und Lebensretter. „Ich habe getan, was zu tun war“, sagt er. „Die Frau hat Hilfe gebraucht, und ich war eben gerade da.“

 

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