Helden des Alltags


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Kristina Rein und Hemely Denk in der Altstadt des hessischen Städtchens Korbach. Die beiden halfen einer Frau in Not.
© Heiko Meyer
Aus der
aktuellen
Ausgabe

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Mann würgt Frau - zwei Teenager retten sie

Ein Mann schlägt und würgt eine Frau. Er hat ein Messer. Die Frau geht zu Boden. Hemely Denk und Kristina Rein schreiten ein.

Ausgabe: November 2016 Autor: Annette Lübbers

Liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser schmücken die Altstadt des hessischen Städtchens Korbach. An Samstagabenden herrscht hier nach Ladenschluss für gewöhnlich Ruhe. So ist es auch am 23. Mai im letzten Jahr – zumindest als Kristina Rein (19) und Hemely Denk (18) gegen 21 Uhr zu einem  Spaziergang aufbrechen. Ganz in ihr Gespräch vertieft schlendern die Altenpflegerin und die Schülerin durch die Straßen. Plötzlich verstummen beide.Hat da nicht eine Frau geschrien?
Die beiden blicken sich um. Niemand zu sehen! Ein paar Meter vor den Freundinnen macht die Straße eine scharfe Linkskurve. Kam der Schrei von dort? Jetzt hören Denk und Rein die Rufe wieder. Sie gehen schneller.

Ein Mann mit nacktem Oberkörper und eine blonde Junge Frau ringen miteinander

Hinter der Kurve erkennen sie im Dämmerlicht auf dem rechten Bürgersteig einen jungen Mann und eine junge Frau. Der Mann trägt Jeans, sein muskulöser Oberkörper ist nackt. Von der Frau können Rein und Denk aus dieser Perspektive nur das schulterlange, helle Haar erkennen. „Gib mir die Schlüssel“, brüllt der Mann und fuchtelt mit den Händen vor dem Gesicht der blonden Frau herum. Die versucht ihn wegzudrücken. Daraufhin packt der Mann ihre Hände. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind zwei Frauen und zwei Mädchen im Teenageralter stehen geblieben. Sie scheinen vor Schreck wie gelähmt. „Hilfe“, ruft eine der Frauen und „Die Polizei ist schon unterwegs.“ Kristina Rein und ihre Freundin rennen auf die Streitenden zu. „Lassen sie die Frau los“, ruft Denk. Rein fügt an: „Ein richtiger Mann schlägt keine Frau!“

Die blonde Frau stürzt zu Boden, der Mann schleift sie an den Haaren über die Straße

In diesem Moment stürzt die Blondine zu Boden. Bevor sie sich wieder aufrappeln kann, hat der Mann sie an den Haaren gepackt und schleift sie über die Straße. Jetzt sind die Freundinnen direkt vor dem Paar. Doch der tobende Mann beachtet sie gar nicht. „Der war wie in seinem eigenen Film“, erinnert sich Denk. „Und er roch nach Alkohol.“ Erst als sich die Frauen zwischen das streitende Paar drängen, lässt der Mann von seinem Opfer ab und blickt auf. „Haut ab“, sagt der Mann. „Ich will euch nichts tun.“ Er schubst Rein und Denk zur Seite, beugt sich wieder über die Frau und schreit: „Du Schlampe, gib mir jetzt endlich den Schlüssel. Oder ich bring dich um.“ Nach welchem Schlüssel er so auf­­gebracht verlangt, werden die beiden Freundinnen nie erfahren.

"Vorsicht, der hat ein Messer!"

Eine der Passantinnen von der anderen Straßenseite ruft: „Vorsicht, der hat ein Messer!“ Rein und Denk können kein Messer sehen. Mittlerweile hat der Täter sein Opfer zum Straßenrand geschleift. Er setzt sich auf einen Stein, zieht die Frau neben sich und legt ihr den rechten Unterarm um die Kehle. Die Frau ringt nach Luft. Denk und Rein zerren an den Armen des Mannes, trommeln mit den Fäusten auf seinen Rücken. „Lassen Sie endlich die Frau los. Es gibt doch andere Möglichkeiten, ein Problem zu lösen“, ruft Denk.

Ein Spaziergänger will helfen. Der junge Mann stürzt sich auf ihn.

„Sie will mich verlassen“, presst der Mann zwischen zusammen­­gebissenen Zähnen hervor. Ein älterer Mann mit einem kleinen Hund spaziert die Straße herunter. Rein geht auf ihn zu. „Los, kommen Sie. Helfen Sie uns!“ Der Angesprochene drückt ihr die Leine seines Hundes in die Hand, geht auf den Täter zu. Dieser lässt sein Opfer los und steht auf. Der ältere Mann schubst den jüngeren, holt zu einem Tritt aus – da liegt er auch schon auf dem Rücken. Wütend will der junge Mann sich auf den am Boden Liegenden stürzen, doch Denk hält ihn am Arm fest. „Nun beruhigen Sie sich doch“, redet sie ihm gut zu. Bevor der Täter sich losreißen kann, hat sich der Ältere aufgerappelt, schnappt sich wortlos die Leine seines Hundes und verschwindet schnellen Schrittes.

„Das Pärchen kennen wir schon. Die haben schon öfter Streit gehabt“, sagt ein Polizist.

Einen Augenblick später kommt ein Polizeifahrzeug die Straße herunter. Zwei Beamte steigen aus. Einer geht zu dem Täter. Der zweite kümmert sich um die angegriffene Frau, die noch immer auf dem Stein hockt, flankiert von Hemely Denk und Kristina Rein. Die beiden erzählen, was passiert ist. „Das Pärchen kennen wir schon. Die haben schon öfter Streit gehabt“, erklärt der Beamte. Jetzt kommt auch der andere Polizist dazu und sagt: „Er soll ein Messer gehabt haben.“ Das haben ihm die Passantinnen erzählt. Die beiden Beamten suchen den Boden ab. Tatsächlich liegt auf der Straße ein Taschenmesser. Also doch!

In Handschellen wird der Mann abgeführt.

Erst jetzt wird den Freundinnen klar, dass sie selbst in echter Gefahr waren. Einer der Polizisten legt dem Täter Handschellen an. Widerstandslos lässt sich der gerade noch so aufgebrachte Mann abführen. Der andere Polizist nimmt die Personalien von Denk und Rein auf und dankt ihnen für ihre Hilfe. Dann dürfen die beiden gehen. „Meine Mutter war an dem Abend schon ein bisschen stolz auf mich, aber natürlich hat sie sich auch Sorgen gemacht. Nachträglich sozusagen“, erinnert sich Kristina Rein.

 

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  • Hemely Denk und Kristina Rein greifen ein, als ein Mann auf offener Straße seine Lebensgefährtin misshandelt © Heiko Meyer
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  • Yunus Kalkan bringt einen führerlosen Bus zum Stehen, in dem zahlreiche Fahrgäste sitzen © Heinz Heiss
  • Drei Freunde helfen einem halb erfrorenen Hirschkalb und pflegen es gesund © jimcumming88 / Fotolia.com
  • Benedikt Obertreis befreit ein Kleinkind und seine Mutter aus einem brennenden Haus © Barbara Dombrowski
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RD Abbinder
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