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Was wirklich zählt

Unsere exklusive Umfrage zeigt: Gesundheit und Familie stehen in Deutschland hoch im Kurs.

Ausgabe: Juni 2016 Autor: Doris Kochanek

O tempora, o mores. Den Werteverfall in der Gesellschaft zu bejammern, galt schon den alten Römern als schick. Auch bei uns werden Medien und Politik nicht müde, den Verlust an Werten zu beklagen. Die Resultate einer von Reader’s Digest in Auftrag gegebenen bundesweiten Umfrage sprechen jedoch eine andere Sprache: Was im Leben der Menschen in Deutschland wirklich zählt sind weniger Äußerlichkeiten und Konsum oder gutes Aussehen und Karriere, sondern vielmehr Gesundheit, Familie und Partnerschaft.

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Kein Wunder also, dass sie im Wertekanon der Deutschen ganz oben angesiedelt ist: 81 Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Reader’s Digest zählen sie zu den fünf wichtigsten Aspekten in ihrem Leben. Kein anderer Wert landet häufiger dort.

„Die Gesundheit ist eben unser allerwichtigstes Gut“, erklärt Stefan Liebig, Professor an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld.  „Das beobachten wir in vielen Studien über lange Zeiträume.“ Für die ältesten Befragten ist sie von geradezu überragender Bedeutung (60 Jahre und älter: 92 Prozent). „Welchen Stellenwert wir bestimmten Werten beimessen, ist auch davon abhängig, in welcher Phase unseres Lebensverlaufs wir uns befinden“, sagt der Experte. Körperliche Einschränkungen rücken im Alter näher und machen Gesundheit noch wichtiger.

Generell messen Frauen ihr eine höhere Bedeutung zu als Männer (Frauen: 84 Prozent, Männer: 78 Pro­zent). „Frauen sind gesundheitsbewusster. Deswegen leben sie auch länger“, erläutert Liebig. „Dieses Phänomen ist übrigens nicht altersab­hängig. Schon Jungen achten weniger auf ihren Körper und damit auf ihre Gesundheit als Mädchen.“

Ein Trost für die Männer: Auch sie leben länger als früher. Die steigende Lebenserwartung beider Geschlechter ist unter anderem der guten medizinischen Versorgung geschuldet. Zugleich stellt die längere Lebensspanne unser Gesundheitswesen vor finanzielle Herausforderungen. Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahrzehnten deshalb mehrfach das System der gesetzlichen Krankenversicherung reformiert. Dazu gehörten immer wieder auch Leistungseinschränkungen.

Ein Teil der Bevölkerung reagiert darauf verunsichert: 26 Prozent der Befragten haben große Zweifel daran, oder sogar kein Vertrauen mehr darin, dass unser Gesundheitssystem auch in Zukunft gut für alle sorgen kann. Dennoch überwiegt das Vertrauen in die Tragfähigkeit unseres Gesundheitswesens: 40 Prozent der Menschen in Deutschland sind überwiegend oder sogar voll und ganz davon überzeugt, dass es auch in Zukunft jeden gut versorgen wird.

Familie & Kinder zählen ...

Deutschland hat eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Trotzdem stehen Familie und Kinder hoch im Kurs. Für 67 Prozent der Menschen zwischen Flensburg und Passau sind sie besonders wichtig – für die ältes­ten Befragten mehr (60 Jahre und älter: 72 Prozent) als für die jüngsten (18-29 Jahre: 59 Prozent).

Es wäre jedoch falsch, daraus auf eine abnehmende Familienorientierung der Gesellschaft zu schließen, sagt Soziologe Liebig. „Ich vermute, dass diese Frage vor 20 oder 30 Jahren gestellt, dieselben Ergebnisse erbracht hätte.“ Dem Experten zufolge erklärt sich der Unterschied viel eher aus den unterschiedlichen Lebensphasen als aus einem generellen Bedeutungsverlust der Familie.

... Partner & Freunde auch

Vor Familie und Kinder hat die Natur Liebe und Partnerschaft gesetzt. In der Werteskala der Deutschen ist die Reihenfolge anders: Dort belegen Liebe und Partnerschaft mit 62 Prozent „nur“ den dritten Rang.

Wieder spielen offensichtlich die Lebensphasen eine große Rolle. Wer noch vor Partnerwahl und Familiengründung steht, für den haben Liebe und Partnerschaft eine größere Bedeutung (18-29 Jahre: 66 Prozent) als für Ältere (60 Jahre und älter: 56 Prozent).

Vom Glück, ein holdes Weib zu erringen, sang schon Friedrich Schiller in seiner Ode an die Freude. Zugleich preist er darin den Wert der Freundschaft. Noch heute gehört für 41 Prozent der Bevölkerung ein fester Freundeskreis zu einem guten Leben. „In den 1980er- und 1990er-Jahren hat man vermutet, dass unsere Gesellschaft vereinzelt. Das hat sich nicht bewahrheitet“, erläutert Professor Liebig. „Man muss nur einen Blick auf die jungen Leute werfen. Die sind ständig mit ihren Freunden übers Handy in Kontakt.“
Doch nicht nur die Jugend legt Wert auf Freundschaften – den ältesten Befragten bedeuten sie fast noch mehr. „Was wir hier beobachten ist eine Veränderung des Verständnisses von Altsein“, erläutert der Experte. „Das Altsein wird jünger, wenn man so will.“

Nach dem Motto „70 ist das neue 50“ sind Menschen im Rentenalter heute aktiver als noch vor drei oder vier Jahrzehnten. Sie reisen mehr und nutzen ihre freie Zeit für Unternehmungen. „Diese Aktivitäten werden oft in Gruppen durchgeführt. Damit kommt dem Freundeskreis eine größere Wichtigkeit zu“, sagt Liebig.


Sicherheit ist Trumpf

Lieber reich und gesund, als arm und krank – wer würde diesem Spruch nicht zustimmen? 43 Prozent der Menschen in Deutschland nennen denn auch finanzielle Sicherheit als einen der wichtigsten fünf Aspekte in ihrem Leben.

Noch etwas höher angesiedelt (50 Prozent) ist die Bedeutung von gesichertem Wohnraum – auf den vor allem die Menschen ab 50 Jahren (58 Prozent) großen Wert legen. „In der späten Phase des Lebens ist man, was den Wohnraum angeht, nicht mehr so flexibel wie in jungen Jahren. Je angespannter dann der Wohnungsmarkt ist und je stärker die Preise dort steigen, desto größer werden die Ängste“, sagt Soziologe Liebig.

Prestige zählt weniger

Sicherheit steht also im Vordergrund – Prestige und Konsum zählen weniger: Gerade einmal 3 Prozent der Befragten messen repäsentativem Wohnen einen hohen Stellenwert zu. Ebenso wenige legen höchsten Wert auf Bekleidung und Mode. Gutes Aussehen nennen ebenfalls nur 6 Prozent als einen der fünf wichtigsten Aspekte ihres Lebens. Selbst Karriere und beruflicher Erfolg sind für lediglich 20 Prozent wirklich wichtig.

Mit dem immer wieder beschworenen Werteverfall ist es also nicht weit her. Die Menschen in Deutschland haben eine klare Vorstellung davon, was im Leben wirklich zählt.

 

Lesen Sie hier sie Studie "Most trusted Brands 2016"


 

RD Abbinder
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