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Dagmar Manzel - Mit ganzem Herzen Berlinerin
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Dagmar Manzel - Mit ganzem Herzen Berlinerin

Dagmar Manzel erzählt im Exklusiv-Interview mit Reader's Digest über ihre vielen Leidenschaften.

Ausgabe: April 2017 Autor: Anne Hansen

Sie spielt, sie singt, sie liest vor Publikum. Dagmar Manzel ist auf der Bühne genauso zu Hause wie vor der Kamera. Dabei gilt die Charakterdarstellerin als scheu – zumindest, was die Medien betrifft. In Rollen wie der der Eva Klemperer in Klemperer – ein Leben in Deutschland oder der Rock-Sängerin Anne in Frei nach Plan lieben Zuschauer wie Kritiker sie gleichermaßen. Als Haupt-Kommissarin Paula Ringelhahn ermittelt Manzel im neuen Franken-Tatort „Am Ende geht man nackt“, am 9. April um 20.15 Uhr in DasErste.

Reader’s Digest: Sie sind Theaterstar, „Tatort“-Kommissarin, singen in Operetten und planen gerade eine Lesereise. Mit Verlaub: Sie sind ein richtiger Hansdampf!
Dagmar Manzel: Ich bin eben neugierig ...

Kennen Sie keine Langeweile?
Langeweile ... (überlegt lange)

Das Wort sagt Ihnen was?
(lacht). Aber eigentlich nur so: Eine lange Weile sitze ich manchmal da und schaue in meinen Garten – doch dann muss ich auch schon wieder was machen.

Garten? Wir dachten, Sie als echte Berliner Großstadt-Pflanze wohnen mitten im Zentrum!
Ich bin achtmal in Berlin umgezogen, habe in fast jedem Bezirk einmal gelebt. Irgendwann aber wurde die Sehnsucht nach Ruhe und Natur so groß, dass ich rausgezogen bin. Aber nur einen Kilometer hinter die Stadtgrenze.

Bis auf eine Stippvisite in Dresden haben Sie immer hier gelebt. Was ist das Besondere an Berlin?
Berlin ist einfach mein Zuhause. Die Stadt ist so bunt und lebendig, und alle Menschen aus allen Herren Ländern können hier so leben, wie sie es möchten. Überall wird ständig gebaut, die Stadt wird nie fertig sein. Sie kommt nie zur Ruhe, sondern ist immer in Bewegung. Und natürlich: Ich liebe den Berliner Humor. Schnauze mit Herz. Sehr direkt, aber trotzdem respektvoll.

In Ihrem neuen „Tatort“ geht es um Flüchtlinge, Menschen, die ihr Zuhause aufgeben mussten. Kennen Sie das Gefühl, wenn alles um einen herum einzubrechen scheint?
Ich habe meinen Vater sehr früh verloren. Das war einschneidend. Die ganze Familie ist sehr nah zusammengerückt dadurch.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Menschen, die jetzt nach Deutschland kommen?
Die Menschen verlassen ihre Heimat aus der Not heraus, weil ihre Städte zerstört sind, sie nichts zu essen haben, oder weil die Lebens-Bedingungen so miserabel sind. Man muss den Menschen, die hierherkommen, die Hand reichen. Mitgefühl ist sehr wichtig in unserer Gesellschaft. Einen Ort, wo man glücklich sein kann, den findet man. Aber nicht ohne Freunde oder die Familie. Es sind die Menschen und Beziehungen, die einen Ort zur Heimat machen.

Nächstes Jahr werden Sie 60. Macht diese Zahl etwas mit Ihnen?
Es gibt so viele, die sagen: Wie schrecklich, ich werde 60! Ich habe da einen ganz anderen Ansatz: Gott sei Dank werde ich 60! Ich war eine Zeit lang sehr schwer krank, aber ich bin da gestärkt und lebensbejahend herausgekommen. Jeder Tag ist ein geschenkter Tag. Und den 60. werde ich bestimmt groß feiern.

 

Zur Person:

Dagmar Manzel wurde am 1. September 1958 in Berlin geboren. Ihr erstes festes Engagement als Schauspielerin führte sie nach Dresden. Anschließend gehörte sie viele Jahre zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin. Ab Mitte der 1980er-Jahre übernahm Manzel zudem Rollen in Film und Fernsehen. Seit 2002 singt sie auch. Im Tatort spielt sie seit 2015 Kommissarin Paula Ringelhahn. Manzel erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen. Die Berlinerin hat zwei erwachsene Kinder. RD


 

RD Abbinder
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