Haarausfall? Ein Mann schaut sich im Spiegel ganz genau seine Geheimratsecken an.
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Was tun bei Haarausfall?

Plötzlicher Haarausfall kann verschiedene Ursachen haben, viele sind behandelbar.

Ausgabe: September 2020 Autor: Anna Sharratt
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Haarausfall gehört zu den natürlichen Begleiterscheinungen des Älterwerdens. Mit den Jahren verlieren die meisten Menschen zumindest einen Teil ihrer Haare, auch Frauen. Handelt es sich jedoch um plötzlichen Haarausfall, deutet dieser möglicherweise auf ein ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem hin. Zum Beispiel wenn auf einmal eine Handvoll Haare in der Bürste hängen bleibt. Um plötzlichen Haarausfall zu verstehen, muss man den Lebenszyklus des gesunden Haares kennen. Dieses befindet sich die längste Zeit in der Wachstumsphase, in der es jeden Monat circa 1,25 Zentimeter länger wird. Jener Teil des Zyklus dauert zwei bis acht Jahre. Es folgt eine etwa dreiwöchige Phase, in der das Haar nicht mehr wächst. Schließlich tritt es in eine Ruhephase, in der es sich lockert, aber noch im Follikel sitzt. Erst wenn dort ein neues Haar zu wachsen beginnt, fällt das alte aus.

 

Die Ursachen des Haarausfall

Auf diese Weise verliert der Mensch bis zu 100 Haare pro Tag. „Es befinden sich jederzeit etwa 10 Prozent der Haare in der Phase, in der sie aus­fallen“, erklärt Dr. Jennifer Jones, Dermatologin in London und Beraterin der British Association of Dermatologists. Ist dieser Prozess gestört, können sich zu viele Haare in der Ruhephase befinden und es fällt auf einmal eine größere Menge aus. Auslöser für solch eine Störung sind häufig hormonelle Veränderungen im Körper. Während Östrogene die Haare in der Wachstumsphase halten, verkürzen Androgene den Wachstumszyklus. Eine Schwangerschaft oder Schilddrüsenprobleme, die die Produktion von Androgenen verstärken, können deshalb zu Haarausfall führen. „Auch Stress ist ein massiver Auslöser“, sagt Dr. Jones. „Daher können Ereignisse wie Scheidung, Trauer und sogar ein Umzug den gleichen Effekt haben.“

Eine weitere häufige Ursache sind Autoimmunerkrankungen, vor allem Alopecia arreata. Diese Erkrankung, die etwa 2 Prozent der Menschen weltweit betrifft, ist erblich und kann durch ein belastendes Ereignis ausgelöst werden. In einigen Fällen verläuft Alopecia eher gemäßigt, in anderen verlieren die Betroffenen sämtliche Haare – auch die Körperbehaarung, Augenbrauen und Wimpern. Betrifft Alopecia nur einzelne Stellen, kann das Haar wieder nachwachsen, ein Haarverlust am ganzen Körper ist dagegen in der Regel dauerhaft.

Andere Autoimmunerkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte und Lichen planopilaris können durch Narbenbildung zu Haarausfall führen. Diesen verursacht manchmal auch Ringelflechte (eine Pilzinfektion) an den betroffenen Stellen des Kopfes. Zu einer Störung im Lebenszyklus des Haares kommt es bei einigen Menschen außerdem durch verschreibungspflichtige Medikamente. Haarverlust ist etwa als Nebenwirkung einiger Blutdruck-Medikamente, Statine und Hormonersatztherapien bekannt. „In diesem Fall sollte man immer mit dem Arzt sprechen“, rät Dr. Jones. „Oft kann man auf andere Medikamente ausweichen.“

Gerenell hängt die Behandlung bei Haarausfall von der zugrundeliegenden Ursache ab. Um diese herauszufinden, ordnet der Arzt Bluttests an, führt eine kleine Hautbiopsie durch oder untersucht die Strähnen unter dem Mikroskop. Ist der Haarverlust hormon- oder stressbedingt, verschwindet er meist nach wenigen Monaten von allein wieder. Kosmetische Lösungen bieten topische Steroide, die das Haar dicker werden lassen, sowie Haartransplantationen. Für manche Menschen liegt die Lösung natürlich auch darin, den Haarausfall einfach zu akzeptieren.

 


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