Eine Frau hat auf dem Markt einen großen Korb voller Biogemüse eingekauft.
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Diät & Ernährung

Sind Biolebensmittel wirklich besser?

Biolebensmittel liegen im Trend. Doch lohnt sich der Griff zur meist teureren Ware wirklich?

Ausgabe: September 2019 Autor: Karin Kerber

Sie legen beim Lebensmitteleinkauf Wert auf artgerechte Tierhaltung, regionale Herkunft, eine geringe Schadstoffbelastung und generell gesunde Nahrungsmittel? Dann liegen Sie im Trend. Immer mehr Verbraucher greifen zu Biolebensmitteln. In Deutschland erzielten diese 2018 – wie bereits in den Jahren zuvor – ein Umsatzplus: Rund 5,5 Prozent mehr wurden im Vergleich zum Vorjahr verkauft. In Österreich lag das Umsatzplus 2017 sogar bei 12 Prozent! Die Frage ist: Profitiert auch der Verbraucher vom Bioboom?

Was ist anders bei „bio“?

Welche Kriterien Biolebensmittel erfüllen müssen, regelt die EU-Öko-Verordnung. Grundsätzlich verboten sind Gentechnik und Bestrahlung. „Biobauern düngen mit Mist, Gülle, Kompost und Gründüngungspflanzen. Gegen Unkraut und Schädlinge setzen sie auf robuste Sorten, abwechslungsreiche Fruchtfolgen, Jäten oder Nützlinge, etwa Florfliegen gegen Läuse“, erklärt Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft in Berlin. „Leicht lösliche synthetische Dünger oder Pestizide wie Glyphosat sind tabu.“ Auch in der Tierhaltung arbeiten Biobauern nach besonderen Regeln. „Sie produzieren einen großen Teil des Futters selbst, die Tiere haben Auslauf und artgerechte Ställe“, sagt Röhrig. Der Einsatz von Antibiotika ist deutlich stärker reglementiert als auf konventionell bewirtschafteten Höfen. Muss ein Biolandwirt ein Masthuhn oder Schwein mehr als einmal mit Antibiotika behandeln, darf er sie nicht mehr als „bio“ verkaufen. Bei verarbeiteten Biolebensmitteln kommen weniger Zusatzstoffe zum Einsatz. Dazu zählen etwa Konservierungsmittel, Farbstoffe und Geschmacksverstärker. „Während für konventionelle Produkte derzeit etwa 320 zum Teil umstrittene Zusatzstoffe zugelassen sind, dürfen Bioerzeuger zu höchstens 53 Stoffen greifen“, erläutert Röhrig. Azofarbstoffe (die größte Gruppe synthetischer Farbstoffe) beispielsweise sind in Bioprodukten tabu. Sie stehen im Verdacht, bei Kindern Aktivität und Aufmerksamkeit zu beeinträchtigen. Noch strengere Anforderungen als die EU-Öko-Verordnung hinsichtlich Produktionsbedingungen und Verarbeitung sowie der Verwendung von Zusatzstoffen stellen Anbauverbände, wie Bioland, Demeter, Naturland oder Bio Austria.

Ist das wirklich „bio“?

Mindestens einmal jährlich bekommt jeder Bioproduzent Besuch von Mitarbeitern einer staatlich zugelassenen Öko-Kontrollstelle. „Diese nehmen den Betrieb in Augenschein und prüfen die Produktionsweise“, erklärt Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Produkte geprüfter Biohöfe erkennen Sie deshalb am Code der Kontrollstellen: In Deutschland lautet er DE-ÖKO-XXX (Ziffern), in Österreich AT-BIO-XXX (Ziffern). Der Hersteller kann außerdem die Biosiegel verwenden, deren Anforderungen seine Ware genügt, und darf mit den Begriffen „bio“ oder „biologisch“ und „öko“ oder „ökologisch“ werben. Diese sind auch in Wortschöpfungen wie „kontrolliert biologisch“ oder „organisch-biologisch“ oder in eigenen Logos erlaubt, mit denen Handelsketten ihr Biosortiment auszeichnen. „Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Bewerben Hersteller ein Produkt mit Wortlauten wie ‚aus kontrolliertem Anbau‘ oder ‚aus integriertem Anbau‘, erfüllt es die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung meist nicht“, erklärt Seitz. „Sicherheit gibt nur der Code einer Kontrollstelle.“

Lohnt sich der Kauf?

Wer Bioprodukte einkauft, muss dafür tiefer in die Tasche greifen. Während beispielsweise ein Kilo konventionell erzeugtes Puten- oder Schweinesteak schon für weniger als zehn Euro zu haben ist, kostet das entsprechende Biofleisch meist das Dreifache. Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft hält die Preisunterschiede für gerechtfertigt: „Biolandwirte müssen mehr Zeit investieren, haben geringere Erträge und halten auf der gleichen Fläche weniger Tiere als ihre konventionell arbeitenden Kollegen.“ Davon profitiert in erster Linie die Umwelt: Wasser, Böden und Tiere. In den Lebensmitteln selbst spiegelt sich die Bioerzeugung nur bedingt wider, dämpft Ernährungswissenschaftler Seitz die Erwartungen vieler Verbraucher. „Vor allem Standort, Sorte, Wetter und Erntezeitpunkt entscheiden über Geschmack und Inhaltsstoffe“, sagt er. „Tendenziell jedoch sind Bioprodukte weniger mit Nitrat belastet, aus dem krebserregende Nitrosamine entstehen, und sie enthalten im Allgemeinen keine Pflanzenschutzmittelrückstände.“ Studien haben zudem gezeigt, dass Bioobst und Biogemüse mehr immunstärkendes Vitamin C und zellschützende sekundäre Pflanzenstoffe, Biomilch und Biofleisch mehr herzgesunde Omega-3-Fettsäuren als konventionell erzeugte Ware enthalten. Der Griff zu bio lohnt sich also – für Tiere, Umwelt und Gesundheit.

 

 


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