Per E-Bike: Mit voller Kraft bergauf
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Fitness

E-Bike: Mit voller Kraft bergauf
Sie wollen sich ein Fahrrad mit Elektromotor kaufen? So finden Sie das optimale Modell für Ihren Fahrrad-Alltag.
Ausgabe: April 2016 Autor: Reinhard Otter

Harald Renninger fährt schon immer gern Fahrrad. Aber mit je 15 Kilometern hin und zurück blieb einfach zu viel Zeit und Kraft auf der Strecke, um sich täglich für den Weg zur Arbeit in den Sattel zu schwingen. "Vor fünf Jahren probierte ich bei einer Fahrrad-Ausstellung ein brandneues E-Bike mit Motor an der Tretkurbel aus", erzählt Renninger und grinst. "Danach musste mich der Händler fast mit Gewalt von dem Rad herunterholen."

Gleich am nächsten Tag bestellte der damals 40-jährige Schwabe das Gefährt. "Gut drei Jahre lang bin ich täglich mit dem E-Bike zur Arbeit gefahren – bei jedem Wetter. Da sind weit über 20.000 Kilometer zusammengekommen – und fitter bin ich auch geworden." Schließlich muss ein E-Bike-Fahrer mittreten. Der Grad der Motorunterstützung lässt sich je nach Modell in drei bis vier Stufen regeln. Harald Renninger fährt meist in der niedrigsten Stufe, tritt also kräftig mit. "Heute fahre ich bei gutem Wetter mit dem normalen Fahrrad", sagt er. In seinem Umfeld hat die Zahl der Räder mit Elektromotor zugenommen. "Am Anfang war ich auf dem Weg zur Arbeit fast der einzige E- Biker", erinnert sich Renninger, der beim Autohersteller Daimler in Sindelfingen arbeitet. "Mittlerweile haben aber etwa 20 Prozent der Fahrräder vor der Firma einen Elektromotor."

Diesen Trend bestätigen die Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes ZIV: Im ersten Halbjahr 2015 waren zirka 15 Prozent aller verkauften Fahrräder E-Bikes. Auch das Angebot wird immer breiter: Neben klassischen City-, Trekking- und Damenrädern sind heute längst auch Downhill-Mountainbikes, kompakte Klappräder, Fitness- und sogar Rennräder mit Hilfsmotor zu haben.

Muskelkraft plus Motorhilfe

E-Bikes – oder Pedelecs, wie sie nach der englischen Bezeichnung pedal electric cycle offiziell heißen – kombinieren Muskelkraft und Motorhilfe. Der Motor unterstützt das Rad bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Abgesehen von einer Anfahrhilfe treibt er aber nur an, solange der Fahrer mittritt. Im Straßenverkehr sind Pedelecs Fahrrädern gleichgestellt. Daneben gibt es auch Räder, deren Motoren bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h mithelfen. Diese "S- Pedelecs" gelten als Kleinkrafträder, für die Versicherungs-, Führerschein- und Helmpflicht gilt. Sie benötigen ein Versicherungskennzeichen und dürfen beispielsweise nicht auf Rad- oder Waldwegen fahren.

"Wegen der Einschränkungen bei der Wegenutzung spielen die S- Pedelecs bei uns keine große Rolle", sagt Raymond Lambert von Transvelo, einem Fahrrad-Fachgeschäft mit großem E-Bike-Sortiment in Süddeutschland. Nachgefragt werden vor allem Pedelecs ohne Versicherungspflicht.

"Einer meiner Kunden ist Außendienstberater einer Stuttgarter Bank", erzählt Lambert. "Er besucht seine Klienten in den feineren Wohnlagen mit dem E-Bike. Das kommt bei denen sehr gut an." In die vornehme Höhenlage geht es in Baden-Württembergs Hauptstadt ordentlich bergauf – perfektes Terrain fürs Fahrrad mit Hilfsmotor. Familien nutzen es zum Einkaufen oder um den Kinder-Fahrradanhänger zu ziehen. Auch Senioren schwingen sich gern aufs E-Bike. Der 73-jährige Rentner Horst Barsuhn etwa fährt sein Modell meist in der kleinsten Unterstützungsstufe und tritt dabei kräftig mit. Die 70-jährige Frau des gebürtigen Rheinländers fährt gemütlicher, aber gleich schnell auf Stufe zwei oder drei nebenher.

Welches E-Bike passt zu Ihnen?

Ob sich für Sie ein Trekking-, City-Rad oder gar ein Mountainbike mit Motorunterstützung am besten eignet, hängt ganz davon ab, wie Sie es nutzen möchten. Lassen Sie sich von einem Fachhändler beraten, und probieren Sie verschiedene Modelle aus. "Pedelecs stellen höhere Ansprüche an Technik, Material und Fahrer", sagt Radexperte Ernst Brust. Wie bei herkömmlichen Rädern sind bei E-Bikes unterschiedliche Preisgruppen mit mehr oder weniger hochwertigen Schaltungen, Bremsen, Rädern und anderen Anbauteilen im Angebot. Beim Preis spielt neben der Qualität auch das Gewicht ein Rolle: "Je leichter das Rad, desto teurer wird es für den Kunden", sagt Raymond Lambert. "Leicht ist ein E-Bike, das 22 Kilogramm oder weniger wiegt."

Achten Sie beim Kauf auch auf die Art des Antriebs

Der Motor kann im Vorder- oder Hinterrad sitzen, oder an der Tretkurbel. Günstige E-Bikes haben häufig einen Vorderrad-Motor. Der setzt ein, sobald die Tretkurbel bewegt wird. Hinterradmotoren funktionieren ähnlich. Pedelecs mit diesen sogenannten Nabenmotoren sind in der Herstellung vergleichsweise günstig, da sich die motorisierten Räder in normale Fahrradrahmen integrieren lassen. Der Nachteil: Der Vorderradantrieb kann am Berg, bei nassem oder losem Untergrund und hoher Motorleistung auch mal durchdrehen. Räder mit Motor und Akku im Heck seien unhandlich zu tragen, warnt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC.

Mittelmotoren kommen vor allem in höherwertigen und sportlichen Rädern zum Einsatz. Sie sitzen an der Tretkurbel im speziell auf den Motor angepassten Fahrradrahmen. Sensoren ermitteln unter anderem die Pedalkraft und regeln den Motor je nach eingestellter Unterstützungsstufe auf die passende Leistung. "Sie sind sehr effektiv, da sie analog immer in einem optimalen Drehzahlbereich arbeiten", erklärt Raymond Lambert. Außerdem sitzt der Motor mittig – wie der Fahrer. Auch Harald Renninger fährt mit einem Mittelmotor. Allerdings: "Die Kette verschleißt schneller als bei einem normalen Fahrrad", sagt er. An seinem E-Bike muss er diese etwa alle 3000 Kilometer wechseln – und hat damit noch Glück. "Ich fahre fast immer in der niedrigsten Leistungsstufe. Kollegen, die mit mehr Motorkraft radeln, wechseln ihre Kette teils doppelt so oft", berichtet er.

Einen Rat legt Radhändler Lambert allen E-Bike-Fahrern ans Herz: "Höhere Geschwindigkeiten und mehr Gewicht bedeuten auch stärkeres Bremsen. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Fahrrad benötigen Sie deshalb häufiger neue Bremsbeläge und Reifen. Lassen Sie Ihr Rad regelmäßig überprüfen – zu Ihrer Sicherheit."

Was kostet ein Pedelec?

Eine Faustformel für den Preis eines guten E-Bikes hat Ernst Brust, Fahrrad-Sachverständiger und Geschäftsführer des Testlabors Velotech auf Lager: "Ein gutes, verkehrssicheres Fahrrad ohne Motor kostet mindestens 700 Euro. Ungefähr die gleiche Summe müssen Sie für den Antrieb und den Akku dazu rechnen." Von 700-Euro-Schnäppchen hält Brust wenig. "Häufig werden schwere Akkus und Motoren mit den Rahmen und Rädern eines billigen Standard-Fahrrads kombiniert. Solche Pedelecs sind nicht nur unhandlich, sondern auch gefährlich", warnt er. "Pedelecs stellen höhere Ansprüche an Technik, Material und Fahrer."

Radhändler Lambert greift beim Preis noch höher. "Die günstigsten Modelle kosten bei uns ab etwa 2000 Euro. Dazu gehört aber auch, dass wir das Rad für eine optimale Sitzposition individuell an den Fahrer anpassen", erklärt er. Auslaufmodelle vom letzten Jahr sind allerdings auch bei ihm schon für weniger Geld zu haben. Rentner Horst Barsuhn radelt seit fünf Jahren mit einem 700-Euro-Rad übers Land. Ihm ist bewusst, dass es Besseres gibt. "Neulich habe ich ein E-Bike mit Bosch-Antrieb ausprobiert", erzählt er. "Da setzte der Motor sanfter ein als bei meinem Rad vom Discounter." Auch die Reichweite mit einer Akkuladung hat sich bei seinem Rad von anfangs fast 70 Kilometern inzwischen halbiert.

Harald Renningers Mittelmotor-Rad mit Panasonic-Antrieb hat nach ebenfalls fünf Jahren, aber deutlich mehr gefahrenen Kilometern, noch 70 bis 80 Prozent der Anfangs-Reichweite. Doch eines haben die beiden Männer gemein: Spaß am E-Bike-Fahren!

 

Mit dem E-Bike sicher unterwegs

Langsam starten: An den Motor muss man sich gewöhnen – fahren Sie zunächst in der kleinsten Stufe, und steigern Sie dann langsam. Schalten nicht vergessen: Achten Sie auf eine gleichmäßige, flotte Tretfrequenz. So bekommen Sie bei geringem Kraftaufwand die meiste Leistung ans Hinterrad.

Auf Autos und Fußgänger achten: Vor allem am Berg unterschätzen andere Verkehrsteilnehmer häufig die vergleichsweise hohe Geschwindigkeit des E-Bikes. Radweg nutzen: Pedelecs sind Fahrrädern rechtlich gleichgesetzt. Gibt es einen Radweg, der mit einem blauen runden Schild gekennzeichnet ist, müssen Sie diesen benutzen. Helm tragen: Es gilt zwar keine Helmpflicht, doch die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit von Pedelecs sollte Grund genug sein, einen Schutzhelm zu tragen.

Reichweite: Je höher die Unterstützungsstufe, desto kürzer die Reichweite. Planen Sie Ihre Tour entsprechend, nehmen Sie im Zweifel das Ladegerät mit. Akku in den Schatten: Setzen Sie den Akku nie längere Zeit der prallen Sonne aus. Nehmen Sie ihn mit in den Schatten. Winter-Betrieb: Wenn Sie im Winter fahren, dann laden und lagern Sie den Akku bei Zimmertemperatur.

 

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