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8 Dinge, die bei Corona anders sind als je zuvor

Diese 8 Dinge sind beim neuen Coronavirus anders als bei allen anderen je bekannt gewordenen Pandemien.

Autor: Elizabeth Yuko, RD.com

In nur wenigen Wochen verwandelte sich das Coronavirus COVID-19 (kurz für "Coronavirus-Krankheit 2019") von etwas, von dem wir in den Nachrichten gehört hatten, in unsere neue Realität. Es hat nicht nur die Art und Weise verändert, wie die Menschen ihrem täglichen Leben nachgehen, sondern kostet die Welt auch aus wirtschaftlicher Sicht viel. Wir wissen nicht, wie lange die Pandemie andauern wird, wie viele Menschen infiziert werden und wie viele ihr Leben verlieren werden. Obwohl wir in der Geschichte eine Vielzahl von Pandemien und Epidemien erlebt haben - darunter H1N1, das Ebola-Virus, die Grippepandemie von 1918 und AIDS - unterscheidet sich das Coronavirus von allem, was uns bisher begegnet ist.

 

1. Wie weit verbreitet sich das Virus?

Pandemien werden typischerweise in Form von Kurven oder Wellen beschrieben, erklärt Dr. Naval Asija, MBBS, ein Arzt und ehemaliger Epidemiologe mit Sitz in Indien. Die Pandemie endet nach einigen Wellen, da die meisten Menschen infiziert werden und eine Herdenimmunität entwickeln, die die Ausbreitung stoppt. Laut Dr. Asija hat jedes Virus besondere Vorlieben für Dinge wie Klima, Altersgruppen, Geschlecht und andere unerklärliche Faktoren. Dies bestimmt, wie sich das Virus zu einem bestimmten Zeitpunkt in verschiedenen Altersgruppen und geografischen Regionen ausbreitet, wobei einige Gesellschaften flachere Kurven haben als andere. Da wir uns immer noch mitten im Ausbruch des Coronavirus befinden, ist es unklar, wie sich die Ausbreitung genau fortsetzen wird.

 

2. Wie lange eine Corona-Erkrankung unentdeckt bleiben kann

Ein weiteres wichtiges Merkmal eines Virus ist, wie lange es unentdeckt in einer Person bleiben kann. Dieser Faktor könnte laut dem Epidemiologen und Mediziner Dimitar Marinov der Grund dafür sein, dass Länder, die weniger Tests durchführen, eine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen. "COVID-19 hat eine längere Inkubationszeit als jede andere Pandemie, die wir bisher gesehen haben", sagte er Reader's Digest. Diese Zeitspanne beträgt im Durchschnitt fünf bis sieben Tage, kann aber in einigen wenigen Fällen bis zu 14 oder sogar 27 Tage betragen. Darüber hinaus geht aus einer Studie hervor, dass fast 20 Prozent der Infizierten keine Symptome haben. "Dies ermöglicht eine große Ausbreitung der Infektion, bevor alle Fälle gefunden und isoliert sind, und kann eine Eindämmung des Ausbruchs fast unmöglich machen", fügt Dr. Marinov hinzu.

 

3.  Es gibt mehr Menschen auf der Erde

Die Weltbevölkerung ist größer als je zuvor, was eine Pandemie gefährlich macht, weil es einfach so viel mehr Menschen ohne Immunität gibt, die infiziert werden könnten. "Heute liegt die Weltbevölkerung bei über sieben Milliarden Menschen. Wenn also eine neue Krankheit auftritt, kann sie potenziell sehr gefährlich sein", sagt  Shan-Estelle Brown, Assistenzprofessorin für Anthropologie am Rollins College in Winter Park, Florida. "Diese Krankheiten kümmern sich nicht um Grenzen oder politische Zugehörigkeiten, und deshalb muss jede Gemeinschaft einen Plan haben, bevor eine neue Pandemie erkannt wird. Die Bedeutung der Planung für Pandemien hat sich nicht geändert, und selbst nach dieser Pandemie wird es irgendwann eine weitere geben".

 

4. Es gibt keinen Impfstoff und keine Herdenimmunität

COVID-19 betrifft Menschen aller Altersgruppen. Es gibt einen großen Unterschied, wenn man die Altersgruppen der Infizierten anderer Grippewellen damit vergleicht: Von verschiedenen Grippestämmen sind Säuglinge und ältere Erwachsene betroffen. Aber relativ junge, gesunde Menschen schaffen eine so genannte "Herdenimmunität", die dazu beiträgt, überwältigende Ausbrüche zu verhindern. Das liegt sowohl an Impfstoffen als auch an Menschen, die im Laufe der Jahre eine Immunität gegen ähnliche Viren aufgebaut haben, bemerkt Hausarzt Bindiya Gandhi. "Da COVID-19 neu ist, gibt es noch keine Herdenimmunität und keinen Impfstoff", erklärt sie.

 

5. Es gibt deutliche biologische Unterschiede

Es gibt auch einige biologische Unterschiede zwischen dem Coronavirus und früheren Pandemien, die uns helfen, so Dr. Eric Yager, außerordentlicher Professor für Mikrobiologie am Albany College of Pharmacy and Health Sciences. Zum Beispiel mutieren Influenzaviren schnell, passen sich an ihren Wirt an und erlangen die Fähigkeit, unserem Immunsystem zu entgehen, sagt er gegenüber Reader's Digest. Coronaviren dagegen mutieren viel langsamer als Grippeviren. Wissenschaftler vermuten laut Yager, die Wahrscheinlichkeit, dass das neuartige Coronavirus mutiert, um ansteckender oder tödlicher zu werden, gering sei.

 

 6. Die Medizin hat sich verbessert

Eine sehr gute Nachricht ist, dass wir heute dank medizinischem und wissenschaftlichem Fortschritt viel besser darauf vorbereitet sind, Behandlungen gegen alte und neue Krankheitserreger zu entwickeln. "Coronaviren werden seit über 50 Jahren von Wissenschaftlern untersucht", erklärt Yager. "Umfassende Kenntnisse des Genoms, der Struktur und des Infektionszyklus verwandter Coronaviren bedeuten, dass die Wissenschaftler in der Lage sind, Ziele für antivirale Medikamente zu identifizieren und mit der Entwicklung von Impfstoffstrategien fortzufahren.

 

7.  Die Welt hat sich noch nie so abgeschottet

Teils wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen hat es eine gewisse Desinformation bezüglich des Coronavirus gegeben. "Kein Virus ist so stark verleugnet worden wie COVID-19", sagt Dr. Faheem Younus, der Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten an der University of Maryland Upper Chesapeake Health. "Überlegen Sie nur mal: Indien, ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen und weniger als 600 dokumentierten Fällen, hatte sich für eine landesweite Sperre für zunächst drei Wochen entschieden. Gleichzeitig fehlt in den Vereinigten Staaten, einem Land mit 320 Millionen Einwohnern und über 60.000 aktiven Fällen, immer noch ein einheitliches nationales Konzept für den Lockdown“.

 

8. Wie schnell wir an Impfstoffen und Medikamenten arbeiten

Ein weiterer Unterschied zwischen dem Coronavirus und früheren Pandemien besteht darin, wie schnell Medikamente und Impfstoffe zur Behandlung entwickelt werden. "Ich habe das noch nie in meinem Leben gesehen", sagt Dr. Younus. "Die Phase-1-Studien für den neuartigen Impfstoff gegen das Coronavirus begannen innerhalb von drei Monaten; dies ist beispiellos". Wenn man es im Hinblick auf die Reaktion auf SARS und MERS betrachtet, zwei Viren, die in den letzten 20 Jahren große Ausbrüche verursacht haben, ist der Unterschied enorm. Für beide haben wir noch keinen Impfstoff, aber hoffentlich werden wir in den kommenden Monaten einen Impfstoff gegen COVID-19 haben, und diese Krise wird bald eine ferne Erinnerung sein.

 

 

Tagesaktuelle Infos zu COVID-19

Das Robert-Koch-Institut stellt tagesaktuell die Fallzahlen, betroffene Länder und Informationen zu internationalen Risikogebieten zusammen. Auch für Deutschland finden Sie dort die Zahlen der Fälle. Sie werden aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Landkreisen grafisch dargestellt.

 

Lesen Sie hier den Artikel zu Corona-Symptomen in Englisch von Reader‘s Digest Kanada

 


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