9 "Laster", die gut für Sie sind!
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Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

9 „Laster“, die gut für Sie sind!

Bekennen Sie sich ruhig schuldig – auch schlechte Gewohnheiten haben gute Seiten.

Ausgabe: Mai 2009 Autor: Marie Cleland

1. Koffein

Viele Menschen glauben, entkoffeinierter Kaffee oder Tee sei gesünder als normaler Kaffee. Zudem vermuten sie Zusammenhänge zwischen Koffein und Herzrasen sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Doch es gibt immer mehr Anzeichen für positive Auswirkungen. Einige Studien belegen, dass Kaffee dazu beiträgt,die Parkinson-Krankheit bei Männern zu bekämpfen oder zu verzögern. Der Grund hierfür sei höchstwahrscheinlich das Koffein, erklärt Dr. Kieran Breen, Forschungsleiter der britischen Parkinson-Gesellschaft. Möglicherweise stimuliert es die Dopaminproduktion der Nervenzellen, um den Symptomen der Krankheit entgegenzuwirken, oder aber es kann die Nervenzellen selbst schützen.

In weiteren Untersuchungen wird vermutet, Koffein könne die Bildung von Gallensteinen verhindern.

Einer japanischen Studie zufolge treten bei Menschen mittleren und höheren Alters, die täglich Kaffee trinken, nur halb so viele Fälle von Leberkrebs auf. Und im Hinblick auf die ihm zugesprochene belebende Wirkung beeinflusst Koffein nicht nur die Stimmung – neuen Erkenntnissen zufolge kann es sogar die Leistungsfähigkeit von Sportlern steigern.

Aufgepasst!

Koffein ist angeblich schädlich für Diabetiker oder Menschen mit Bluthochdruck. Offizielle Stellen jedoch raten Betroffenen lediglich, nur moderate Mengen zu konsumieren. Ein Verzicht hat übrigens keinen großen Einfluss auf den Blutdruck.

2. Leichtes Übergewicht

Glauben Sie, dass ein paar Pfunde über Ihrem Wunschgewicht ein Todesurteil darstellen? Nein, Sie können aufatmen. Eine US-amerikanische Untersuchung der Sterblichkeitsrate von 2,3 Millionen Menschen ergab, dass Personen mit einem Body Mass Index (BMI) von 25 bis 30 – also rechnerisch gesehen „übergewichtig“ – kein höheres Risiko tragen ,an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs zu sterben, als Personen mit einem „normalen“ BMI von 18,5 bis 25.

Katherine Flegal, Forschungsleiterin der Untersuchung und Wissenschaftlerin an der Gesundheitsbehörde im US-Bundesstaat Georgia, ist der Ansicht, dass übergewichtige ältere Menschen höhere Nährstoffreserven besitzen und deshalb Krankheitsphasen besser überstehen. Dies könnte für alle Altersgruppen zutreffen.

Zudem weist Dr. Colin Waine, Leiter des Nationalen Forums für Fettleibigkeit, darauf hin, dass es entscheidender ist, in welchem Körperbereich die Polster liegen: Ein dicker Bauch ist viel bedenklicher als breite Hüften. „Bei einem Taillenumfang von mehr als 94 Zentimetern bei Männern und 84 bei Frauen erhöht sich das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes beträchtlich“, erklärt er.

Wenn Sie also im Allgemeinen fit und aktiv sind und eher birnen- als apfelförmig gebaut, müssen Sie sich wegen ein paar zusätzlicher Pfunde keine Gedanken machen.

Aufgepasst!

Bei klinischer Fettsucht (ab BMI 30) steigen die Gesundheitsrisiken steil an. Eine 15-jährige Studie mit 115 000 Krankenschwestern zeigte, dass stark übergewichtige Frauen 28-mal häufiger an Diabetes erkranken als Frauen mit einem BMI von 22. Dr. Waine empfiehlt einen BMI von maximal 27 (dividieren Sie Ihr Gewicht in kg durch Ihre Körpergröße in Meter zum Quadrat).

3. Laute Musik

Lassen Sie die dröhnenden Bässe aus dem Zimmer Ihres halbwüchsigen Sohnes verzweifeln? Dann wird es Sie überraschen zu erfahren, dass ihm dies möglicherweise guttut.

Laut einer Studie der Universität von Manchester steigt der Genuss, je intensiver die Musik ist. Hierfür sorgt das vestibuläre System, das einerseits für das Körpergleichgewicht verantwortlich ist, andererseits Vibrationen weiterleitet. Wird es durch Klangwellen aktiviert, sendet es eine positive Botschaft an das Gehirn.NeilTodd, AutorderStudie, glaubt, dass es sich dabei um ein Überbleibsel eines primitiven akustischen Sinnes handelt, der mit grundlegenden Trieben wie Hunger und Sex in Verbindung steht.

Todd fand außerdem heraus, dass Töne, die durch einen Raum geleitet werden, lauter als 90 Dezibel (entspricht etwa einem Motorrad) sein müssen, um eine vestibuläre Reaktion zu verursachen. Bei Tönen, die durch feste Substanz übertragen werden, wie beim Anlehnen an einen Lautsprecher, genügten bereits 30 Dezibel.

Aufgepasst!

In Diskotheken und auf Rockkonzerten werden mehr als 100 Dezibel erreicht. Laut Bradford Backus, Experte für Musik und Hörverlust vom University College London, wird der Schaden umso größer, je länger man laute Musik hört. Wer acht Stunden lang 85 Dezibel laute Musik hört, schädigt sein Gehör noch nicht. Doch bei 88 Dezibel starkem Lärm sind schon vier Stunden die Obergrenze. Für rund 40 Euro gibt es Phonometer, die anzeigen, wie laut Geräusche sind.

4. Jogging auf Asphalt

Jogging, insbesondere auf Asphalt, gilt als Verursacher von Abnutzungserscheinungen an den Knien, die zu Arthrose führen können. Doch eine neue Untersuchungbe-legt, dass Personen, die regelmäßig laufen, seltener an Arthrose leiden als solche, die nicht joggen.

Offenbar stärkt das Laufen den Knorpel um das Knie und verhindertdamit eine Verkümmerung. Eine Langzeitstudie an der Universität Monash in Victoria, Australien, an 300 Erwachsenen zwischen 50 und 79 Jahren zeigte: Die Knorpelmenge bei denen, die sportlich am aktivsten waren, nahm zu.

Regelmäßiges Joggen kann auch Schmerzen reduzieren: Eine Studie an der Universität Stanford in Kalifornien ergab, dass ältere Menschen, die regelmäßig Sport trieben, auch Jogging, rund 25 Prozent weniger Skelettmuskelschmerzen hatten als Personen, die sich wenig bewegten.

Das heißt also: Menschen mit Arthrose sollten Sport treiben. Je mehr Sie Ihre Gelenke trainieren, desto stärker werden sie.

Aufgepasst!

Für ältere Menschen gilt: Sie sollten sich grundsätzlich medi-zinisch untersuchen lassen, ehe sie eine neue Sportart ausprobieren. Sie sollten langsam mit dem Laufen beginnen, am besten mit flottem Schritttempo.

5. Vollfett-Produkte

Essen Sie ausschließlich fettarme oder fettfreie Produkte, so sollten Sie das überdenken. EineLangzeitstudie mit 2375 Männern an der Universität von Wales hat gezeigt: Wer die meisten Vollfett-Milchprodukte verzehrte, hatte ein um 63 Prozent geringeres Risiko, ein metabolisches Syndrom (hohe Blutdruck-, Blutfett- und Glukosewerte, die zu Diabetes, Herzkrankheiten und Schlaganfällen führen können) zu entwickeln. Es gilt als sicher, dass mittelkettige Fettsäuren in Vollfett-Milch, -Joghurt und -Käse (aber nicht in fettarmen Varianten) die Insulinempfindlichkeit bei diesen Personen steigert, sodass der Körper das Gewicht besser kontrollieren kann.

Aufgepasst!

Vorteile bieten Vollfett-Milchprodukte nur, wenn Sie sich ausgewogen ernähren. Nehmen Sie zu viele Kalorien zu sich, legen Sie zu.

6. Short Message Services (SMS)

In Deutschland werden dieses Jahr schätzungsweise 23 Milliarden SMS-Nachrichten versendet. Ist das Handy also der Feind des persönlichen Gesprächs? Nach einer Befragung des Marktforschungsinstituts YouGov sagten 43 Prozent der Befragten, dank des Handys habe sich die Kommunikation innerhalb ihrer Familie verbessert.

Eine Studie von Professorin Helen Haste vom Nestlé-Forschungsprogramm in London kam ebenfalls zu dem Schluss, dass für junge ErwachseneSMS-Nachrichten wichtig sind, um mit ihren Eltern Kontakt zu halten.

Experten gehen davon aus, dass jungen Leuten die diskrete Art der Kommunikation gefällt. So können sie in Verbindung bleiben, ohne ihren persönlichen Freiraum einzuschränken. Telefongespräche sind zwar direkter, doch bei SMS-Nachrichten entfallen Emotionen. So gibt es keine Missverständnisse, die sich etwa aus einem bestimmten Tonfall ergeben würden.

Aufgepasst!

Pro Jahr erkranken 3,8 Millionen Briten infolge der Belastung beim SMS-Schreiben. Die Gesellschaft für Physiotherapie empfiehlt, maximal 5–10 Minuten mit dem Senden von SMS-Nachrichten zu verbringen. Verteilen Sie die Belastung, indem Sie beim Tippen die Finger wechseln.

7. Arbeit und Familie

Fragen Sie sich gelegentlich, ob die Doppelbelastung aus Arbeit und Kindererziehung Sie ins Irrenhaus oder vorzeitig ins Grab bringt? Eine Untersuchung aus dem Jahr 2005 ergab, dass Frauen, die einen Beruf mit Ehe und Familie unter einen Hut brachten, seltener krank waren als Hausfrauen oder Kinderlose.

Die Daten stammen aus der nationalen Studie des britischen Gesundheitsmi-nisteriumsvonMännern und Frauen, die 1946 geboren und ein Leben lang begleitet wurden. Sie zeigen zudem, dass 38 Prozent der Langzeithausfrauen in ihren 50ern übergewichtig waren, jedoch nur 23 Prozent der Frauen, die Kinder und Beruf hatten.

Aufgepasst!

Leider zeigen sich die gleichen Vorteile nicht bei denen, die ihren Weg allein gehen. Alleinerziehende Mütter waren nicht so gesund wie solche mit Partner oder kinderlose Frauen. Aber immerhin noch gesünder als Mütter, die nicht berufstätig waren.

8. Alkohol

Inzwischen haben Sie sicher davon gehört, dass kleine Mengen Rotwein vor Herzkrankheiten schützen können. Die heilende Wirkung alkoholischer Getränke geht sogar weiter. Sind Sie eher Biertrinker, geht Ihnen bei dieser Meldung sicher das Herz auf. Untersuchungen in den Niederlanden sowie in der Tschechischen Republik haben ergeben, dass der hohe Vitamin-B6-Gehalt im Bier den Aufbau von Homozystein verhin-dernkann,einer Aminosäure, die in hoher Konzentration Herzinfarkte vermutlich begünstigt. Außerdem enthält Bier Polyphenole – die gleichen Substanzen, denen man im Wein eine positive Wirkung gegen das schädliche LDL-Cholesterin zuspricht.

Falls Sie Gin Tonic mögen, interessiert es Sie sicher, dass das Chinin in Tonic Water (und in Bitter Lemon) nächtliche Wadenkrämpfe verhindern kann. Rund 40 Prozent der Deutschenleidenimmer wieder an schmerzhaften Muskelkontraktionen. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2005 wies Dr. Richard Coppin, praktischer Arzt aus Overton in England, nach, dass Chinin den Krämpfen sogar wirksamer vorbeugte als Wadendehnübungen.

Allerdings enthält Tonic Water nur 83 Milligramm Chinin pro Liter – Ärzte verschreiben im Normalfall aber 200 bis 300 Milligramm Chinin pro Nacht. Doch möglicherweise helfen auch kleinere Dosen, so Dr. Coppin.

Aufgepasst!

Mehr als 3–4 Alkoholeinheiten pro Tag für Männer bzw. 2–3 für Frauen sind nicht nur ein Gesundheitsrisiko. Alkohol hat viele Kalorien. Zudem kann eine zu hohe Dosis an Chinin zu einer Überempfindlichkeit mit Ohrensausen, Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Bauchschmerzen und Hautausschlägen führen.

9. Zuckerhaltige Getränke

Die Diätversionen alkoholfreier Getränke sind praktisch kalorienfrei. Doch die Rechnung geht nicht auf. Eine Untersuchung der Universität von Texas im Jahr 2005 belegte, dass von einer Gruppe mit 622 Teilnehmern, die acht Jahre lang beobachtet wurden, jene viel öfter übergewichtig oder fettsüchtig wurden, die regelmäßig Diätgetränke zu sich nahmen, als diejenigen, die keine kalorienreduzierten Getränke konsumierten.

Obwohl Süßstoff wie Zucker schmeckt, „lässt sich Ihr Körper nicht vorgaukeln, er habe gleich viel Kalorien erhalten, und verlangt nach mehr“, erklärt Jacqui Lowdon von der Britischen Gesellschaft für Ernährung.

Alkoholfreie Diätgetränke können ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln. „Manche Menschen glauben, wenn sie ein solches Getränk zu sich nehmen, können sie zusätzlich einen Schokoriegel essen“, meint Lowdon.

Aufgepasst!

Zum Abnehmen müssen Sie trotz allem Kalorien einschränken. „Gönnen Sie sich ein zuckerhaltiges Getränk pro Woche statt vieler Diätgetränke, die Sie nicht zufriedenstellen“, rät Ernährungsexperte Jacqui Lowdon.


 

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