Ein junger Mann telefoniert im Park mit seinem Handy.
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Dauertelefonieren mit dem Handy verursacht Hirntumoren?

Das Handy oder Smartphone ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Es hat sogar schon Leben gerettet, weil man damit rasch Hilfe herbeirufen kann. Zwar hört man immer wieder Stimmen, die das Gerät für Hirntumoren verantwortlich machen; aber Beweise dafür gibt es nicht.

Autor: Reader's Digest Book

Handys strahlen Funkwellen aus, und diese hochfrequenten Wellen sind es, die manche Menschen zu der Annahme verleiten, diese könnten Krebs auslösen. Doch die Signale sind sehr schwach: Ihre Leistung darf maximal zwei Watt betragen – weit weniger, als eine Taschenlampe als Licht ausstrahlt.

Krebsstatistik

Seit vielen Jahren werden Handys weltweit extrem häufig genutzt. Bestünde tatsächlich eine Krebsgefahr, müsste man daher eine deutliche Steigerung der Krebsraten vor allem in betroffenen Körperteilen (etwa am oder im Kopf) beobachten. Doch die bisher verzeichneten Krebsraten sprechen nicht dafür. Die weitaus meisten Tumoren, das zeigt die vom Robert- Koch-Institut regelmäßig herausgegebene Studie „Epidemiologie von Krebserkrankungen“, können auf längst bekannte Ursachen zurückgeführt werden. Zwar werden Mobiltelefone von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft, aber das ist eher als Vorsichtsmaßnahme zu bewerten. Auch in Bezug auf Vieltelefonierer sind die Befunde nicht eindeutig, und selbst nach diesen Studien mit unklaren Ergebnissen bestehe für Normalnutzer keine Gefahr. Übrigens steht die IARC-Kategorie „möglicherweise krebserregend“ noch hinter der Kategorie „vermutlich krebserregend“, in der sich rotes Fleisch und Schichtarbeit finden. Das Problem: Man kann bei solchen Fragen ein Restrisiko praktisch nie ausschließen, und sei es noch so klein. Man kennt aber genug Krebsrisiken, die um viele Größenordnungen höher sind.

Über 1,5 Mio. Testpersonen

In den letzten zehn Jahren wurde die Auswirkung der Mobilfunknutzung weltweit in über 1500 Studien an mehr als 1,5 Mio. Menschen untersucht. Aber nirgends kam ein eindeutiger Zusammenhang von Krebs beim Menschen und der Handynutzung zutage. „Wir haben keinen Nachweis, dass die Smartphone-Nutzung bei Einhaltung der internationalen Grenzwerte (für hochfrequente elektromagnetische Felder) Krebs verursachen könnte“, resümiert das Bundesamt für Strahlenschutz. Und das Deutsche Krebsforschungsinstitut in Heidelberg schrieb im Februar 2018: „Die Mehrzahl der weltweiten Beobachtungsstudien bei Handynutzern hat keine Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko erbracht.“ Und das, obwohl die Forscher besonders auf Tumoren an exponierten Stellen achteten, also Gehirn, Augen, Kopf-Hals-Region und Hoden sowie auf Leukämie.

Minimale Gewebeerwärmung

Einig sind sich Forscher darin, dass Handystrahlung das Gewebe erwärmt. Denn Handys arbeiten mit Mikrowellen. Die Wellen bringen Wassermoleküle zum Schwingen, und diese schwingenden Moleküle heizen ihre Umgebung auf. Doch ein Handy erzeugt maximal zwei Watt. Es erwärmt die Haut beim Telefonieren höchstens um ein Zehntel Grad – ein Sonnenbad heizt die Haut um ein Vielfaches auf.

Keine Schäden am Erbgut

Außerdem ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Frequenzen Schäden am Erbgut oder in den Körperzellen anrichten können, die zu Krebs führen. Denn dazu müssten sie „ionisieren“, also z. B. genug Energie haben, um Moleküle zu zerlegen oder Elektronen aus Atomen herauszulösen. Doch das schafft selbst Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) nicht, die deutlich höhere Frequenzen hat. Erst das noch weit höherfrequente ultraviolette Licht und erst recht Röntgenstrahlen können Erbgutschäden anrichten.

Und der Mobilfunkstandard 5G?

Mit höchster Wahrscheinlichkeit wird die Unbedenklichkeit auch für den zukünftigen Mobilfunkstandard 5G gelten. Noch gibt es allerdings keine belastbaren Studien. 5G arbeitet zwar mit etwas höheren Frequenzen als die bisherigen Handys, doch dafür kann diese Strahlung aus physikalischen Gründen nicht weit in den Körper eindringen – sie kommt kaum bis unter die Haut. Jedenfalls gibt es bisher keinen Anlass zu Befürchtungen. Das bestätigt auch die Stiftung Warentest in ihrem Artikel zum Thema vom .

 


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