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Denken Sie sich stark!

So trotzen Sie Krisensituationen und bewahren sich Ihre Lebensfreude

Ausgabe: Februar 2019 Autor: Lisa Fields

Obwohl wir uns ein glückliches Leben erhoffen, erfahren wir hin und wieder großen Kummer oder Verluste. Doch man kann aus schwierigen Phasen auch gestärkt hervorgehen. Entscheidend ist die mentale Belastbarkeit, auch Resilienz genannt: die Fähigkeit, nach Rückschlägen wieder auf die Beine zu kommen und ein sinnvolles Leben zu führen. „Es ist ein Unterschied, ob man Schwierigkeiten bewältigt oder resilient ist“, erklärt der Resilienzforscher Patrick Dolan, Professor für Soziologie an der National University of Ireland in Galway.

„Jeder bewältigt Probleme im Alltag. Resilienz geht darüber hinaus.“

Resiliente Menschen meistern ernste Herausforderungen besser, dazu zählt auch Krebs. Die Resilienz-Forschung begann in den 1940erJahren, als man herausfinden wollte, weshalb Soldaten im Zweiten Weltkrieg in bestimmten belastenden Situationen widerstandsfähig waren, andere aber nicht. Das Ergebnis: Männer, die in ihrer Jugend die Fähigkeit zur Stressbewältigung entwickelt hatten, waren als Erwachsene mit höherer Wahrscheinlichkeit resilient. Wer dagegen nur wenige oder keine Schwierigkeiten erlebt hatte, war anfälliger für Depressionen, Angststörungen und psychische Probleme. Der Psychologe und Autor Rick Hanson von der University of California in Berkeley, USA, meint dazu:

„Resilienz wirkt wie ein Stoßdämpfer. Wenn Sie in Ihrem Inneren einen unerschütterlichen Kern bewahren, kann das Leben noch so viele Schlaglöcher bereithalten, Sie bleiben in der Spur, und Sie erholen sich viel schneller.“

Die gute Nachricht: Resilienz lässt sich selbst im fortgeschrittenen Alter erlernen – auch dann, wenn Ihr bis­heriges Leben eher in ruhigem Fahrwasser verlaufen ist.

Stärkende Wirkung

Jenseits der 50 oder 60 haben Sie zweifellos den Tod eines geliebten Menschen, eine Scheidung, Geldsorgen oder eine chronische Krankheit miterlebt. Solche schmerzlichen Erlebnisse können Ihnen dabei helfen, wie Sie zukünftige Schwierigkeiten besser durchstehen. „Eine Art mentaler Stählung macht uns widerstandsfähiger“, erklärt Michael Ungar, Gründer und Leiter des Resilience Research Centre an der kanadischen Dalhousie University in Halifax. „Wenn wir Widrigkeiten gemeistert haben, bedeutet das immer, dass wir Fähigkeiten zur Krisenbewältigung entwickelt haben. Dann wissen wir, woher wir Hilfe bekommen. Oder es ist uns bewusst geworden, dass so eine Phase vorübergeht.“ Im Lauf der Zeit entwickeln resiliente Menschen die geistige Robustheit, um mit allem fertig zu werden, was das Leben ihnen in den Weg stellt. Sie kommen dann auch mit Situationen klar, die keinesfalls ideal sind, und erhalten sich dennoch ihre Lebensfreude. Resiliente Menschen sind meist optimistischer eingestellt, doch das ist nicht der einzige Vorteil. Zwei neuere Untersuchungen zeigen, dass Resilienz wohl dazu beiträgt, das Schmerzempfinden zu mindern, die Heilung nach einer Verletzung zu beschleunigen sowie das Risiko für Herzinfarkte und Depressionen zu senken.

Für eine Studie im Jahr 2017, die im Fachblatt Quality of Life Research erschien, wurden mehr als 3300 Personen mit seltenen Krankheiten befragt. Dabei wurde festgestellt, dass resiliente Teilnehmer ihr Leben körperlich und emotional deutlich besser meisterten. Eine 2015 in der Fachzeitschrift Psychology, Health & Medicine publizierte Studie zeigte zudem: Menschen, die sich in Stresssituationen als resilient erwiesen, hatten höhere Werte des „guten“ HDL-Cholesterins, weniger Körperfett und ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als nicht resiliente Probanden.

Selbsthilfe

Resilienz ist eine Fähigkeit, die durch Lebenserfahrung erworben wird. Sie kommt zwar aus dem Inneren, wird aber auch stark durch äußere Faktoren beeinflusst. „Die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Resilienz belegen, dass der wichtigste Einfluss äußere Umstände sind“, erklärt Michael Ungar. Mit den folgenden Methoden gelingt es Ihnen, vor und während Krisen Ihre Resilienz zu fördern.

Lassen Sie die Vergangenheit los.

Klammern Sie sich nicht an das, was hätte sein können. Überlegen Sie sich stattdessen, wie Sie gegenwärtige Umstände oder Ihre Lebenslage verbessern könnten. Resilienzforscher Odin Hjemdal von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens schlägt vor, eine neue Strategie zur Krisenbewältigung zu versuchen. „Fragen Sie sich: ‚Geht es mir besser oder schlechter bei dem, was ich gerade tue?‘ Geht es Ihnen schlechter, dann probieren Sie etwas anderes.“ Fällt es Ihnen schwer, negative Gedanken zu vertreiben, betrachten Sie diese als vorübergehend. „Wenn Sie zum Beispiel an Ihre zerbrochene Ehe denken und an das, was hätte sein können, sagen Sie sich: ‚Diese Gedanken tun mir nicht gut. Ich mache jetzt das, was ich mir vorgenommen habe.‘“ „Es geht vor allem darum, sich den neuen Lebensumständen anzupassen“, so Hjemdal. „Wenn Sie immer an Ihr altes Leben zurückdenken oder daran, was Sie geplant hatten, fühlen Sie sich am Ende nur schlecht.“

Seien Sie gut zu sich.

Mitgefühl ist wichtig – nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst. „Eine Voraussetzung lautet, sich keine unnötigen Vorwürfe zu machen“, erklärt Patrick Dolan. „Viele Menschen, die eine schwere Zeit durchlebt haben, glauben, sie hätten etwas falsch gemacht und geben sich die Schuld.“ Statt gegen schmerzvolle Gefühle anzukämpfen, sollten Sie akzeptieren, dass Sie eine schwere Phase erleben. Das ist eine menschliche Erfahrung. Kümmern Sie sich dann fürsorglich und liebevoll um sich.

Suchen Sie Unterstützung.

Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass resiliente Menschen seltener sozial isoliert sind. Die Resilienz von Trauernden hängt stark von ihren sozialen Beziehungen ab. „In jeder Beziehung stirbt einer der beiden Partner zuerst“, so Dolan. „Deshalb ist es wichtig für den überlebenden Partner, enge freundschaftliche Bindungen zu pflegen. Anhaltende soziale Unterstützung fördert unsere Resilienz.“

Verlassen Sie sich auf sich selbst.

„Man kann Entschlossenheit oder Stärke in sich wecken, um widrige Situationen zu bewältigen“, sagt der Psychologe Hanson. „Wir sind in der Lage, uns weiterzuentwickeln und die erworbenen Fähigkeiten zu nutzen, auch in den schwierigsten Momenten des Lebens.“


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