Zwei Dosen mit Energy-Getränken stehen zwishen Eiswürfeln.
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Gesundheitsmythen Körper & Psyche

Energydrinks sind keine super Energiequelle

Sie sollen die Leistung steigern, die Konzentrationsfähigkeit erhöhen und dem Körper einen Energieschub verpassen: So werden Energydrinks beworben.

Autor: Reader's Digest Book

Das mag alles stimmen – doch inzwischen gelten die Koffein- und Zuckerbomben eher als riskant für die Gesundheit. Etwa 70 % aller Jugendlichen kaufen solche Drinks, und jeder vierte davon trinkt mehr als ihm guttut, warnt die Verbraucherzentrale Düsseldorf. Doch auch Erwachsene greifen zu den Dosen, die „Flügel verleihen“ sollen, vor allem beim Sport. Mehr als 300 Mio. Liter werden jährlich in Deutschland getrunken, weltweit sind es über 9 Mrd. Liter.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Die Inhaltsstoffe sind neben Wasser vor allem Koffein, Zucker, Kohlensäure sowie Farb- und Aromastoffe. Auch werden oft Substanzen wie Glukuronolakton, Taurin oder Inosit zugesetzt, die die Leistungsfähigkeit steigern sollen. Manche werden auch mit natürlichen Zutaten wie Molke, Fruchtsaft oder dem koffeinhaltigen Guarana aufgepeppt. Die Hauptwirkung geht dabei vom Koffein aus. In der Regel enthalten die Drinks rund doppelt so viel wie etwa ein herkömmliches Cola-Getränk, aber nur ein Drittel so viel wie Kaffee. Dabei ist zu berücksichtigen, dass von Energydrinks erheblich größere Mengen getrunken werden als von Kaffee. Unumstritten ist auch die Energie liefernde Wirkung des hohen Zuckergehalts, der natürlich keineswegs empfehlenswert ist. Taurin wiederum ist ein körpereigenes Abbauprodukt von Eiweißstoffen. Es soll die Leistungsfähigkeit steigern; wissenschaftliche Belege dafür fehlen allerdings. Zudem bildet der Körper auch selbst genug Taurin. Ähnlich ist es mit Glukuronolakton, das der Körper aus Glukose herstellt, sowie mit dem angeblich das Gedächtnis fördernden Inosit – auch hier gibt es keinen Beweis einer positiven Wirkung.

Die Risiken

Seit einigen Jahren werden die Energydrinks zunehmend kritisch beurteilt. Eine Studie kanadischer Forscher, die 2018 in der Fachzeitschrift CMAJ Open veröffentlicht wurde, gibt Anlass zur Sorge. Die Wissenschaftler befragten Jugendliche und junge Erwachsene unter 24 Jahren zu ihrem Konsum von Energydrinks. Unter den 1516 Teilnehmern, die Erfahrung damit hatten, klagte mehr als die Hälfte über Probleme, vor allem Herzklopfen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen sowie Schmerzen in der Brust. Einige mussten sogar zum Arzt.

Der Party-Drink

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat ermittelt, dass vor allem Männer zwischen 20 und 25 Jahren ihre Energydrinks gern mit Alkohol kombinieren, vor allem Wodka. Das Koffein maskiert zunächst die Wirkung des Alkohols: Man scheint weniger betrunken zu sein und verdrängt Müdigkeit und Erschöpfungszustände. Das wiederum steigert die Risikobereitschaft. Weil die Getränke sehr süß schmecken, werden sie schnell getrunken; dabei nehmen die Konsumenten rasch große Mengen Koffein zu sich. Nach einer Umfrage des BfR wird in einer Partynacht pro Person gut ein Liter Energydrink konsumiert. Das entspricht rund 320 mg Koffein – rund doppelt so viel wie die empfohlene Höchstmenge für Jugendliche. Dass man sich dabei auf Dauer die Gesundheit ruiniert, hält die Zielgruppe meist für übertrieben.

Noch keine Warnhinweise

Zwar sei, wie die Verbraucherzentrale Düsseldorf sagt, ein Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen schweren Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen und sogar Todesfällen und Energydrinks, von denen die Medien manchmal berichten, bislang nicht erbracht. Aber es wird kritisiert, dass es auf den Dosen noch keine verpflichtenden Warnhinweise zur Kombination mit Alkohol oder Sport gebe. Notwendig sei zumindest ein Verkaufsverbot aller Getränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 150 mg/l an Minderjährige. Das würde viele Energydrinks betreffen.

 


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