41 Dinge, die Ihnen Krankenpfleger verschweigen
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Aus der
aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

41 Dinge, die Ihnen Krankenpfleger verschweigen

Niemand kennt die Wünsche, Ängste und kleinen Macken von Patienten so gut wie sie. Hier verraten Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger ihre Geheimnisse

Autor: Julia Richter, Monika Goetsch & Christiane Kolb

Sie verordnen keine Medikamente und führen kein Skalpell. Dafür kümmern Krankenpfleger sich hautnah um die Patienten. Rund um die Uhr. Sie sprechen Mut zu, sorgen für unser Wohlbefinden, unterstützen bei der Körperpflege, assistieren bei der Behandlung und ja, sie retten auch Leben. Wir haben Krankenpfleger aus ganz Deutschland Gelegenheit gegeben, offen über Wünsche und Ärgernisse zu sprechen. Darüber, was Sie als Patient wissen sollten, warum Fernsehserien so gar nichts mit der Realität zu tun haben und wie Sie als Angehöriger dazu beitragen, dass Ihre Lieben bald wieder gesund werden.

Das sollten Sie wissen

„Ja, man muss fürchten, sich im Krankenhaus eine Infektion zu holen. Ich rate allen, niemandem die Hand zu schütteln. Auch dem Oberarzt nicht. Die meisten Keime werden über die Hände übertragen.“

Sarah*, München, seit zehn Jahren Krankenschwester

„Wir Schwestern sind gehalten, die Ärzte immer wieder daran zu erinnern, dass die Liegezeiten nicht zu lang werden.“

Anja, Hamburg, Stationsleitung in der Inneren Medizin

„Weniger Personal, weniger Zeit, mehr Keime. Im Operationssaal kommt es auch auf kurze Wechselzeiten an. Eine vernünftige Zwischenreinigung und vor allem das Abwarten der Einwirkzeit des Desinfektionsmittels wird oft vernachlässigt. Man fährt schon den nächsten Patienten in den OP, obwohl der Boden noch nass ist.“

Thomas, Berlin, Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin

„Ich versuche, alle gleich zu behandeln. Aber der Spruch ist schon richtig: Wie man in den Wald schreit, so schallt es heraus. Ich bemühe mich, sachlich zu bleiben. Aber wegen der hohen Arbeitsbelastung ist man manchmal gereizt. Dann leidet der Ton.“

Jana*, München, seit zwölf Jahren im Beruf

Nicht schön, aber wahr

„Ganz ehrlich: Wenn wir mit einem Patienten nicht klarkommen, sprechen wir im Schwesternzimmer darüber. Dass der nur noch routiniert behandelt wird und sich Extrawünsche abschminken kann, ist wohl klar.“

Gabriele, Berlin, Stationsschwester in der Kardiologie

„Ich kann nicht immer sagen: Das wird schon wieder, wir bringen das in Ordnung. Wir sind keine Autowerkstatt, wir kriegen nicht alles wieder hin.“

Katrin, Niedersachsen, Krankenschwester in einer Ambulanz für kardiologische Notfälle

„Böse gesagt: Ein beatmeter, künstlich ernährter Patient ist ein guter Patient. Der ist still und macht kaum Arbeit.“

Monika*, München, arbeitet seit neun Jahren auf der Intensivstation

„Wir lachen viel, manchmal machen wir uns auch über Patienten lustig. Natürlich hinter geschlossener Türe im Schwesternzimmer. Das hat manchmal etwas von Notwehr: Nur so übersteht man schwere Zeiten und verrückte Patienten.“

Anja, Hamburg

So sichern Sie sich gute Pflege

„Seien Sie bitte immer ehrlich uns gegenüber. Das kann lebenswichtig sein, wenn es um Ihre Gesundheit geht!“

Larissa, Hamburg, seit zehn Jahren Krankenschwester

„Bitte trauen Sie sich und sprechen Sie Ihre Ängste aus. Nur dann können wir Ihnen wirklich helfen und richtig auf Sie eingehen.“

Andrea, Hamburg, Krankenschwester auf einer Palliativstation

„Patienten sollten möglichst frühzeitig nach Schmerzmitteln fragen. Auf einer Schmerzskala von eins bis zehn bedeutet das: Bei vier drücken Sie auf die Klingel, sonst bekommen wir den Schmerz nicht mehr so einfach in den Griff.“ Klaus,

Berlin, Stationsleiter in der Urologie

„Wenn Sie schwache Nerven haben und beim Blutabnehmen leicht umkippen: Bitte sagen Sie mir das doch vorher. Dann machen wir das gleich im Liegen.“

Stefanie, Hamburg, Krankenschwester in einer Reha-Station

„Wer ein bisschen schüchtern ist, sucht sich am besten eine Krankenschwester seines Vertrauens und sagt ihr, wenn ihm etwas nicht passt. Bleiben Sie immer freundlich, aber treten Sie für Ihre Rechte ein, wenn Sie sich schlecht behandelt fühlen. Lassen Sie sich nicht alles gefallen. Wechseln Sie zur Not die Klinik.“

Sarah, München

Was wir nicht leiden können

„Es gibt Patienten, die verwechseln das Krankenhaus mit einem Fünf-Sterne-Hotel.“

Klaus, Berlin

„Mich nervt unendlich, wenn die Patienten sagen: Schwester, ich hatte seit drei Tagen keinen Stuhlgang mehr. Ein Leben lang essen sie zu ballaststoffarm, schlucken Abführmittel und zerstören sich so den Darm. Und im Krankenhaus machen sie ein Theater, weil der Stuhlgang ausbleibt. Natürlich geben wir ihnen was, wenn’s nötig ist. Aber man muss wirklich kein solches Drama draus machen.“

Sarah, München

„Man glaubt gar nicht, wie oft Patienten sich über das Essen beschweren. Ich kann nichts dafür. Ich bin Krankenschwester, nicht Köchin.“

Stefanie, Hamburg

„Man gewöhnt sich an alles. Ekel gehört dazu. Wer einen Herzinfarkt erleidet, hat seine Ausscheidungen oft nicht unter Kontrolle. Daraus mache ich niemandem einen Vorwurf. Schlimmer finde ich, wenn jemand ungewaschen, mit ungeputzten Zähnen und in schmutziger Wäsche zur Untersuchung kommt.“

Jana, München

„Patienten, die hereinkommen, großspurig auftreten und sagen: ‚Ich bin privat‘, mag ich gar nicht.“

Katrin, Niedersachsen

Was uns freut

„Wenn ich ein Echo bekomme, wie meine Arbeit war, dass Sie sich bei uns wohlgefühlt haben. Übrigens: Persönliche Worte sind oft noch schöner als kleine Geschenke.“

Andrea, Hamburg

„Ich freue mich, wenn Patienten unsere Arbeit honorieren und sich auch mal mit einem Brief oder einer Karte bedanken.“

Gabriele, Berlin

„Wenn ich auf eine Party gehe und erzähle, dass ich auf der Intensivstation arbeite, sind die Leute neugierig und voller Bewunderung. ‚Ich könnte das nie‘, sagen sie oft.“

Monika, München

Was uns richtig ärgert

„Ganz ehrlich, mit meinem Gehalt bin ich im Verhältnis zur Arbeitsbelastung und den anstrengenden Nacht-, Schicht- und Wochenenddiensten überhaupt nicht zufrieden. Was wir verdienen, ist für den harten Job nicht angemessen.“

Larissa, Hamburg

„Für mich ist der Gipfel der Unfreundlichkeit erreicht, wenn mir jemand ins Gesicht sagt, dass er Anweisungen nur vom Arzt entgegennimmt.“

Jana, München

„Dass Patienten einfach keine Verantwortung für ihre eigene Gesundheit übernehmen wollen, ärgert mich sehr. Herzkrankheiten, wie wir sie auf der Kardiologie sehen, kommen oft durch einen ungesunden Lebenswandel. Und dann liegen diese Menschen bei uns und nörgeln, dass sich keiner um sie kümmert, niemand etwas für sie tut.“

Gabriele, Berlin

Wo wir an Grenzen gehen

„Je mehr Grundpflege der Patient braucht, desto mehr Geld bekommt die Klinik. Also werden wir Krankenschwestern vom Pflegedienst angehalten, Patienten entsprechend einzustufen. Ist der Patient zwar bettlägrig, aber zum Beispiel nach einem Schlaganfall noch in der Lage, sich selbst zu waschen, wird das Kreuz dennoch bei Ganzkörperwaschung gemacht.“

Hanna*, Berlin, Krankenschwester in einer Abteilung für Innere Medizin

„Das darf man nicht laut sagen: Bei Schwerstkranken, deren Ende kurz bevorsteht, sparen wir nicht an Schmerzmitteln. Wir nehmen lieber eine richtig hohe Dosierung in Kauf, als dass sie mit qualvollen Schmerzen sterben. Für mich steht ein erträgliches Ende im Vordergrund. Das bin ich dem Patienten als Mensch schuldig.“

Anja, Hamburg

Die Wahrheit über Ärzte

„Oft fehlen uns Anästhesisten im OP. Dann werden selbstständige Anästhesisten zeitweise eingestellt. Bei manchen muss man als Pflegepersonal die Aufsicht übernehmen, weil sie sich nicht auskennen – oder man den Eindruck gewinnt, ihnen fehle die Qualifikation.“

Thomas, Berlin

„Ich bin viel lieber Schwester als Ärztin. Sie haben eine riesige Verantwortung und zugleich so einen Zeitdruck, dass sie für den Patienten pro Tag nur einige Minuten haben. Wir arbeiten ganzheitlicher, näher am Menschen.“

Stefanie, Hamburg

„Wir Krankenschwestern haben bei vielen medizinischen Handgriffen mehr Routine als manche Ärzte. Ich würde mir immer eher von einer Schwester Blut abnehmen lassen, bevor ich einen Arzt an mir üben lasse.“

Gertrud, Berlin, seit mehr als 40 Jahren im Beruf

Was wir uns wünschen

„Mein Mann ist Pfleger, ich bin gerade schwanger. Wir haben uns im Job kennengelernt. Wenn wir beide künftig im Schichtdienst arbeiten, können wir unser Kind nicht versorgen. Der Frühdienst beginnt um sechs, der Spätdienst endet um 21 Uhr. Keine Krippe und kein Kindergarten haben so lange auf. Was ist so schwierig daran, Dienste ab acht Uhr einzurichten?“

Corina, München, seit 15 Jahren im Beruf

„Übernehmen Sie unbedingt Verantwortung für Ihren Körper, für Ihre Heilung. Wir tun alles für Sie, aber es ist noch viel wichtiger, dass Sie alles für sich selbst tun.“

Larissa, Hamburg

Lassen Sie das

„Jammern ist okay, Sie sind krank und deshalb bei uns. Aber bitte nicht die ganze Zeit – wie soll ich sonst wissen, wann es Ihnen wirklich schlecht geht?“

Anja, Hamburg

„Weil ich Ihnen bei der Pflege unter die Arme greife, heißt das nicht, dass Sie mich anfummeln dürfen.“

Susanne*, Stuttgart, Schwester in der Neurologie

„Bitte duzen Sie mich nicht. Diese Zeiten sind schon lang vorbei. Das ist einfach eine Frage des Respekts.“

Katrin, Niedersachsen

Guter Rat für Angehörige

„Wenn fünf, sechs Familienmitglieder zu Besuch kommen, die Patienten stundenlang umlagern und dann noch einen Picknickkorb mit geruchsintensiven ‚Leckereien‘ mitbringen – da krieg ich zu viel. Liebe Angehörige, eine Klinik ist kein Ausflugslokal!“

Kerstin, Berlin, Schwester in einer Klinik für Geburtsmedizin

„Angehörige sind die Anwälte der Patienten. Unterschätzen Sie nicht, wie wichtig Sie als Besucher nicht nur für den Patienten, sondern auch für die Schwestern und Ärzte sind.“

Andrea, Hamburg

„Angehörige, die ständig an unserer Kompetenz zweifeln, finde ich ärgerlich. Viele rufen mehrmals am Tag im Stationszimmer an und kritisieren die Pflege. Wir tun wirklich unser Bestes, aber Sie rauben uns mit Ihren Nervereien die Zeit, es auch zu machen.“

Hanna, Berlin

Wie im Film? Oh, nein!

„Krankenhausserien im Fernsehen sind hanebüchen und weitab von der Realität.“

Jana, München

„Sämtliche Arztserien haben nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Wir haben nie Zeit ohne Ende, um zu quatschen, wir lästern nicht so viel, und Techtelmechtel oder gar jeder mit jedem, das gibt es bei uns nicht.“

Katrin, Niedersachsen

* Name von der Redaktion geändert


 

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