Eine junge Frau, der übel ist, sitzt im Flugzeug.
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Körper & Psyche

Reisekrankheit: So können Sie vorbeugen

Jeder Dritte leidet irgendwann einmal an der Reisekrankheit.

Ausgabe: März 2020 Autor: Anna Sharratt

Ihnen ist schwindlig, wenn Sie im Bus hinten sitzen, oder Ihnen wird bei einer Bootsfahrt übel? Dann leiden Sie unter der Reisekrankheit oder Kinetose. Zu den typischen Symptomen gehören Schwindel, erhöhter Speichelfluss, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Übelkeit und Erbrechen. Diese Erfahrungen waren uns Menschen früher fremd. Laut Professor Fred Mast, der an der Universität Bern über multisensorische Integration forscht, reagieren wir erst so, seit wir uns in Fahrzeugen schnell von einem Ort zum anderen bewegen. „Dafür ist unser Körper nicht ausgelegt“, erklärt er. Die vom Menschen gemachte Beschleunigung bringt das Zusammenspiel zwischen dem vestibulären System (Gleichgewichtsorgan) und den visuellen Eindrücken durcheinander. Wenn wir uns im Boot oder Auto befinden, nehmen wir die Bewegung vielleicht nicht wahr – das vestibuläre System registriert diese immer. Und das menschliche Gehirn kann widersprüchliche Signale nicht verarbeiten und schaltet auf Alarm. Dazu bedarf es nicht einmal einer hohen Geschwindigkeit. Bereits eine simulierte Beschleunigung in einem dreidimensionalen Videospiel kann eine Kinetose auslösen, und das Gehirn des Spielers glaubt, er bewege sich tatsächlich.

Jeder Dritte leidet irgendwann einmal an der Reisekrankheit, wobei bestimmte Personengruppen anfälliger sind: Kinder, junge Erwachsene, Migräne-Patienten und Frauen in der Zyklusmitte. Die gute Nachricht: Hinter der Reisekrankheit verbirgt sich nichts Ernstes, so Dr. Qadeer Arshad, Dozent an der Medizinischen Fakultät des Londoner Imperial College, Großbritannien. Sobald die Bewegung endet, verschwinden auch die Symptome. Schwindel, der bewegungsunabhängig entsteht, kann dagegen ein Anzeichen für eine ernste Erkrankung sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Zur Symptomlinderung gibt es verschiedene Medikamente: Antihistaminika, Parasympatholytika (sie unterdrücken Speichel-, Schweiß- und Magensekretbildung) sowie Sympathomimetika (sie wirken stimulierend auf das vegetative Nervensystem). Da diese Mittel die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen können, sollten sie nicht von Personen eingenommen werden, die Maschinen bedienen oder Fahrzeuge lenken. Zudem weist Dr. Arshad darauf hin, dass Medikamente nur teilweise helfen.

Als Betroffene können Sie aber auch vorbeugen, indem Sie Ihre Reisegewohnheiten ändern. Wählen Sie im Bus oder im Auto einen Platz vorn. So sehen Sie, wie sich das Fahrzeug bewegt. In der Mitte eines Schiffs oder im Flugzeug auf der Höhe der Tragflächen spüren Sie die Bewegung weniger. Und verzichten Sie vor einer Reise auf schwere Mahlzeiten und Alkohol, der ohnehin den Gleichgewichtssinn stören kann. Frische Luft hilft gegen Übelkeit, und der Blick nach draußen auf den Horizont kann die Dissonanz zwischen Gleichgewichtsorgan und visuellen Eindrücken verringern. Professor Mast glaubt, dass die Reisekrankheit eines Tages keine Rolle mehr spielt, wenn sich die Menschen an die Geschwindigkeit gewöhnt haben. Das kann allerdings Jahrhunderte dauern und funktioniert nur, wenn unsere Transportsysteme unverändert bleiben. Steigt die Geschwindigkeit weiter, könnte das Spiel von vorn beginnen.

 


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RD Abbinder
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