Sodbrennen – unterschätzte Gefahr
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Körper & Psyche

Sodbrennen – unterschätzte Gefahr

Was verbirgt sich hinter Schmerzen in der Brust?

Ausgabe: August 2018 Autor: Lisa Fields

Motorsport-Journalist Markus Stier war in den Zwanzigern, als ihn erstmals brennende Schmerzen in der Brust quälten. Fortan traten sie regelmäßig auf – jahrelang. Eine Freundin, Apothekerin, empfahl ihm ein Medikament gegen Sodbrennen. „Die Apothekerin tippte auf den Magen. Aber die Schmerzen spürte ich viel weiter oben“, erinnert sich Stier, heute 51 Jahre. „Die Krämpfe waren zum Teil so heftig, dass ich dachte, meine Brust würde explodieren.“

Vor 15 Jahren ging Stier endlich zum Arzt. Die Diagnose lautete: gastroösophageale Refluxkrankheit oder Rückfluss von Magensäure. Dies verursacht eine Entzündung der Speiseröhre und starkes Sodbrennen. Der Arzt verordnete Medikamente gegen die Speiseröhren-Entzündung. Stier stellte seine Ernährung um, verzichtete fortan auf Schokolade, Süßigkeiten, alkoholische Getränke, Säfte und Kaffee.

Ein bekanntes Problem

Viele Europäer leiden an den brennenden Schmerzen. Häufig handelt es sich um eine Speiseröhren-Entzündung: Dabei gelangt Magensäure in die Speiseröhre, weil der Muskel, der Speiseröhre und Magen voneinander trennt, nicht richtig schließt. Da Sodbrennen für gewöhnlich nach ein paar Stunden nachlässt, nehmen die meisten Betroffenen das Symptom nicht ernst. Wiederholtes Aufsteigen von Magensäure kann jedoch die empfindliche Speiseröhre schädigen. Bis zu 25 Prozent aller Europäer leiden darunter.

Mögliche Komplikationen

Die Refluxkrankheit verläuft nicht in jedem Fall harmlos. Unbehandelt kann es zu Komplikationen kommen. Manche Betroffene leiden unter chronischem Husten, bei anderen entsteht Narbengewebe, das die Speiseröhre stark verengt und zu Problemen beim Schlucken führt. Der sogenannte Barrett-Ösophagus kann zu Speiseröhrenkrebs führen. „Einer von zehn Patienten mit chronischem Reflux bekommt Barrett-Ösophagus“, berichtet Professor Lovat, Professor für Gastroenterologie am University College London. „Die Wahrscheinlichkeit, dass daraus Krebs entsteht, liegt ebenfalls bei eins zu zehn oder seltener.“

Leiden auch Sie an chronischem Reflux? Das können Sie tun:

Gehen Sie zum Arzt

Reflux ist behandelbar. „Sobald Sie nicht mehr schlafen können oder öfter frei verkäufliche Medikamente nehmen, sollten Sie zum Arzt gehen“, rät Amritpal Hungin, Professor am Newcastle University’s Institute of Health and Society, Großbritannien. Mithilfe einer Endoskopie erkennt der Arzt, ob die Speiseröhre entzündet oder bereits geschädigt ist. Ist Letzteres der Fall, wird er Ihnen Medikamente verschreiben. „Nehmen Sie die Mittel so lange, bis es Ihnen besser geht“, rät Professor Lovat. „ Essen und trinken Sie außerdem zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr. Nehmen Sie kleine Portionen zu sich und meiden Sie Lebensmittel mit hohem Fettgehalt.“

Achten Sie auf Ihr Gewicht

Übergewicht wirkt sich negativ auf den Muskel zwischen Magen und Speiseröhre aus. Die Refluxkrankheit tritt in Europa in den letzten Jahren immer häufiger auf – ähnlich wie der Bauchumfang zugenommen hat. Bereits kleine Gewichtsveränderungen können helfen.

Meiden Sie Auslöser

Manche Menschen bekommen Sodbrennen, wenn sie Schokolade, Zitrusfrüchte oder Minze zu sich nehmen, andere bei Alkohol oder Kaffee. Dann gilt: Hände weg von allem, was den Reflux auslöst.

Medikamente gegen Reflux

Hat man nur ab und zu Sodbrennen, helfen rezeptfreie Antazida oder Alginate (aus Algen). Für die Refluxösophagitis gibt es stärkere, verschreibungspflichtige Mittel. Manchmal genügt eine achtwöchige Einnahme, andere Betroffene brauchen die Medikamente jahrelang. Die beiden am häufigsten verschriebenen Präparate sind H2-Blocker und Protonenpumpen-Hemmer, auch Protonenpumpeninhibitoren (PPI) genannt. Beide senken die Säureproduktion im Magen.
„PPI helfen erwiesenermaßen besser als H2-Blocker“, sagt Professor Lovat. Bei 50 Prozent der Patienten, die eine achtwöchige Kur mit H2-Blockern machen, heilt die Entzündung der Speiseröhre ab. Die Erfolgsaussichten bei Patienten, die PPI nehmen, liegen sogar bei 80 Prozent. Da Protonenpumpen-Hemmer effektiver sind, verschreiben Ärzte sie häufiger, auch über einen längeren Zeitraum. Forschungen legen zwar den Verdacht nahe, dass bei einer langfristigen PPI-Einnahme ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Demenz, Nierenschäden oder Magenkrebs besteht. Für die Mediziner ist die Beweislage allerdings nicht stichhaltig genug.

Die richtige Einnahme

Yoga-Lehrerin Miriam Pilgrim, 45, nimmt seit Jahren H2-Blocker. 2009 verschrieb ihr ein Arzt PPI. Da sie im selben Jahr schwanger wurde, wechselte sie wieder zu H2-Blockern und blieb dabei. Ihr gesunder Lebensstil hilft ihr ebenfalls. „Schokolade verstärkt die Symptome, Yoga dagegen tut mir gut“, sagt Pilgrim. Die pensionierte Zahnarzthelferin Claude Barruyer, 84, nimmt PPI nur bei Bedarf. Nachdem sie jahrzehntelang Schmerzen hatte, ging sie vor fünf Jahren endlich zu einem Arzt. „Normalerweise versuche ich ohne Medikamente auszukommen, aber mein Schwiegersohn überredete mich, meinen Arzt nach Protonenpumpen-Hemmern zu fragen“, erzählt Claude Barruyer. Sie halfen. Die Symptome verschwanden sofort.
Da nicht jeder Reflux-Patient dauerhaft Medikamente einnehmen muss, können Betroffene ihren Arzt fragen, ob eine Pause angeraten ist. Ärzte vermuten, dass nicht alle Patienten an Refluxösophagitis leiden, denn teilweise verbessert auch die langfristige Einnahme die Symptome nicht. „Sodbrennen, Verdauungsstörungen und Aufstoßen haben ihre Ursache nicht immer in der Refluxkrankheit“, weiß Professor Hungin. „Ich vermute, dass die Hälfte der Patienten zusätzliche Hilfe benötigt.“

Journalist Markus Stier nimmt seine Medikamente nicht täglich. Nur bei Beschwerden greift er zu PPI. „Ich nehme nicht gern regelmäßig Tabletten – dann fühle ich mich, als ob ich zum alten Eisen gehöre“, sagt er. „Aber ich weiß, dass mich die Medikamente für den Rest meines Lebens begleiten werden. Seitdem ich sie nehme, quälen mich nicht mehr stundenlang Schmerzen. Eine halbe Stunde nach Einnahme der Tabletten geht es mir wieder gut.“

 


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