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Viren fliegen in Aerosolen durch die Luft.
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Ausgabe

Körper & Psyche

Viren-Abwehr: Diese Fakten sollten Sie kennen

Viren sind Mikroben, deren Ziel es ist, einen Wirt zu finden, um sich zu vermehren. Das tun sie, indem sie in die Wirtszellen eindringen, dabei lösen sie in der Regel Krankheiten aus.

Ausgabe: März 2021 Autor: Charlotte Hilton Andersen

Zum Glück wissen wir viel darüber, wie Viren Schaden anrichten und wie wir sie abwehren können. Hier die wichtigsten Fakten im Überblick.Es gibt viel mehr Viren, als Sie denken. Sie sind die am häufigsten vorkommenden Mikroben auf diesem Planeten. Neben den berüchtigten HIV-, Grippe- und Corona-Viren gibt es ungefähr 320.000 Arten, die Säugetiere befallen. Laut der U. S. National Library of Medicine kennt man aber nur 219, die Menschen infizieren.

  • Sie sind nicht leicht zu klassifizieren

    Einerseits sind Viren nicht leblos, weil sie sich vermehren, Gene haben und sich weiterentwickeln. Andererseits haben sie keine Zellen wie Lebewesen, können aus Nahrung keine Energie gewinnen und nicht selbstständig überleben. Wie ansteckend sie sind, beschreibt der R-Wert. Dieser gibt an, wie viele Menschen im Durchschnitt von einer einzigen Person mit dem Virus angesteckt werden. Beträgt der R-Wert 4, gibt jede infizierte Person das Virus an rund vier andere weiter. Der ideale R-Wert liegt unter 1, denn das bedeutet, dass das Virus ausstirbt.
  • Wer erkrankt, ist nicht automatisch immun.

    An manchen Viren kann man mehrmals erkranken. Der Körper bildet Antikörper, wenn man sich infiziert, um das Virus zu bekämpfen. Die Antikörper helfen dem Körper dabei, zukünftige Infektionen abzuwehren. Nach diesem Prinzip funktionieren auch Impfungen. Allerdings produziert nicht jeder ausreichend Antikörper, und deren Wirkung kann mit der Zeit nachlassen. Deshalb muss man einige Impfungen auffrischen. Darüber hinaus mutieren manche Viren, sodass vorhandene Antikörper gegen den neuen Erregerstamm wirkungslos sind.
  • Antibiotika töten Viren nicht.

    Es ist oft schwierig, anhand der Symptome festzustellen, ob eine Krankheit durch Viren oder durch Bakterien verursacht wurde. Das findet man nur mit Labortests heraus. Anders als Viren sind Bakterien Einzeller, die selbstständig leben und sich vermehren können. Antibiotika töten Bakterien, gegen Viren richten sie nichts aus. Dennoch bestehen Patienten oft darauf, Antibiotika zu erhalten, selbst wenn sie einen viral verursachten Infekt haben, so eine Studie, die im Journal of the Royal Society of Medicine veröffentlicht wurde. Forscher fanden heraus, dass bis zu ein Drittel aller Antibiotikabehandlungen unnötig ist.
  • Es gibt kein Heilmittel

    Sie können aber mit Impfungen und durch Ihren Lebensstil vorbeugen. Ist man erkrankt, helfen antivirale Medikamente dabei, dass man sich schneller besser fühlt.
  • Verlassen Sie sich nicht auf die Herdenimmunität.

    Häufig ist zu lesen, dass Sie auf eine Impfung verzichten können, wenn Sie an einem Ort leben, an dem bereits die meisten Menschen die Krankheit hatten oder geimpft worden sind. Dann profitieren Sie von der Herdenimmunität. „Aber eine wirksame Herdenimmunität setzt voraus, dass mehr als 90 Prozent der Bevölkerung geimpft werden“, erklärt die US-amerikanische Biologin Tish Davidson. „Der exakte Prozentsatz hängt davon ab, wie ansteckend die Krankheit ist. Grippe ist sehr ansteckend. Angesichts der aktuellen niedrigen Impfrate sollten Sie sich besser nicht auf die Herdenimmunität verlassen.“

     


     

    Die Grippe

     

    Seien Sie besonders vorsichtig, falls Sie stark übergewichtig sind. Laut einer Forschung, die im Journal of Infectious Diseases erschienen ist, sind Sie dann um 42 Prozent länger ansteckend als Normalgewichtige. Da Adipositas mit vielen Gesundheitsproblemen einhergeht, kann sie auch Ihr Immunsystem beeinträchtigen. Außerdem ist die Grippeimpfung möglicherweise weniger wirksam.

     

     

    • Bewegung kann dabei helfen, die Grippe abzuwehren.

      Regelmäßig Sport treiben, auch schnelles Spazierengehen, stärkt nachweislich das Immunsystem und verringert die Wahrscheinlichkeit, eine Erkältung oder eine Grippe zu bekommen. Aber übertreiben Sie es nicht. Ein Marathontraining beispielsweise kann dem Immunsystem eher schaden.
    • Trinken Sie grünen Tee.

      Laut einer Metaanalyse, die in der Fachzeit­schrift Molecules veröffentlicht wurde, kann grüner Tee das Immunsystem stärken und helfen, Erkältungs- und Grippeviren zu bekämpfen. Forscher fanden heraus, dass grüner Tee nicht nur die Erholung von einer Erkältung beschleunigt, sondern auch wiederkehrende Infektionen verhindern und sogar das Risiko senken kann, überhaupt erst zu erkranken.
    • Lassen Sie sich jedes Jahr gegen Grippe impfen.

      Damit beugen Sie einer Grippe mit am besten vor. Es gibt mehr als 200 unterschiedliche Grippeviren, und diese können mutieren. Deshalb wird in jeder Saison ein neuer Impfstoff entwickelt. Für Allergiker gibt es übrigens auch Impfstoffe, die frei von Hühnerei sind.


       

      COVID-19

       

      Bei einer Pandemie denkt man automatisch an Massensterben. Dabei zeigen rund 80 Prozent der Covid-19-Patienten einen milden, 14 Prozent einen schweren und etwa 5 Prozent einen kritischen Krankheitsverlauf, so das Robert Koch-Institut und die Weltgesundheitsorganisation. Haben Sie Schmerzen in der Brust, leiden Sie unter Kurzatmigkeit oder starker Dehydration, gehen Sie ins Krankenhaus!

       

       

      • Vitamin D könnte helfen.

        Der Zusammenhang zwischen Covid-19 und Vitamin D ist noch nicht ausreichend erforscht. Eine aktuelle Analyse einer Vorstudie, die im Magazin Nutrients veröffentlicht wurde, ergab, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Zusammenhang mit schwereren Symp­tomen zu stehen scheint. Eine aus­reichende Vitamin-D-Zufuhr könnte das Risiko, sich mit dem Coronavirus oder der Grippe zu infizieren oder daran zu sterben, womöglich senken.
      • Achten Sie auf „Covid-Zehen“.

        Das Virus verursacht zwar hauptsächlich Atemwegsbeschwerden, aber es kann fast alle Körperteile befallen – auch Ihre Zehen. Die Symptome ähneln Frostbeulen. Die Füße oder Finger schwellen bei kaltem Wetter an, werden rot und jucken außerdem.
      • Der Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns

        ist ein weiteres besonderes Warnzeichen für Covid-19. Das kann bei milden Verläufen sogar das einzige Symptom sein. Es scheint zudem eher bei jüngeren Menschen aufzutreten. Noch ist unklar, wodurch der Verlust verursacht wird. Sicher ist, dass Covid-19 eine starke Entzündungsreaktion im ganzen Körper auslöst, die möglicherweise die Funktion der Sinne hemmt.


         

        Herpesblasen, Gürtelrose und andere Erkrankungen

         

        Sind Sie anfällig für Herpesbläschen? Dann meiden Sie die Sonne. Wenn Sie einmal mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV) infiziert sind, schlummert das Virus in den Nervenzellen Ihrer Haut. Als Herpesbläschen kann es an derselben Stelle erneut auftreten. Aus­löser sind oft Sonnenstrahlen.

         

         

        • Sie können selbst ohne Symptome ansteckend sein.

          Viren, die Herpes, Aids oder Covid-19 verursachen, können durch asymptomatische Menschen (die keine erkennbaren Symptome haben) und präsymptomatische Menschen (die noch keine Symptome haben) verbreitet werden. Seien Sie deshalb vorsichtig, auch wenn Sie sich nicht krank fühlen.
        • Zöliakie wird womöglich durch ein Virus verursacht.

          Weltweit leidet schätzungsweise einer von 100 Menschen an dieser Autoimmunkrankheit des Darms. Forschungsergebnisse der letzten Jahre legen nahe, dass die Krankheit teilweise durch die Immunreaktion auf die häufig vorkommenden sogenannten Reoviren ausgelöst werden könnte.
          Gürtelrose kann das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erhöhen. Ein schwerer Fall von Gürtelrose, der durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht wird (das auch Windpocken auslöst), kann Ihr Risiko erhöhen, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden oder gar zu sterben.
          Eine Metaanalyse aus mehr als 20 Jahren Forschung, die im Onlinemagazin PLOS One veröffentlicht wurde, belegt, dass bereits eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus ein signifikant erhöhtes Risiko für Erkrankungen des Gehirns und des Herzens bedeutet.
        • Das Herpes-simplex-Virus kann Alzheimer verursachen.

          Können die lästigen Herpesbläschen möglicherweise das Gedächtnis eines Menschen beschädigen? Die Forschung der letzten 20 Jahre legt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Virus und Alzheimer gibt. Eine taiwanesische Studie ergab, dass Menschen mit HSV-Infektionen ein fast dreimal so hohes Risiko hatten, an dieser Demenzform zu erkranken, als Personen, die das Virus nicht hatten. Die Behandlung des Herpes mit antiviralen Medikamenten senkten das Demenzrisiko um 90 Prozent. Das Zika-Virus könnte einen Gehirntumor vernichten. Nicht alle Nebenwirkungen von Viren sind negativ. Für das Gehirn ungeborener Kinder kann das Zika-Virus gefährlich sein. Doch dessen Fähigkeit, Gehirngewebe anzugreifen, hilft vielleicht eines Tages bei der Behandlung des am häufigsten auftretenden bösartigen Gehirntumors – dem Glioblastom.
        • Tollwut ist das tödlichste Virus.

          Fast alle Menschen, die sich mit dem Tollwut-Virus infizieren, sterben daran. Das macht es zum tödlichsten bekannten Virus. Bis heute haben nur 14 Menschen das Virus überlebt, nachdem sie Symptome zeigten. Gleichzeitig kann die Krankheit zu fast 100 Prozent durch eine Impfung vermieden werden. Eine präventive Impfung kann eine Infektion verhindern. Eine Impfung hilft aber auch, wenn Sie diese direkt nach dem Kontakt mit dem Virus erhalten. Da die meisten Infektionen durch den Biss eines infizierten Tieres ausgelöst werden, sollten Sie nach jedem Tierbiss zum Arzt gehen.
        • Mit Isolierband werden Sie einen Virus los.

          Warzen werden durch eine Infektion mit humanen Papillomviren verursacht (HPV). Die unansehn­lichen Knötchen sind normalerweise gutartig und verschwinden von selbst wieder. Ein Hausmittel, das den Heilungsprozess beschleunigen kann, besteht darin, diese mit Isolierband abzudecken. Forscher fanden heraus, dass die Therapie mit Isolierband bei der Behandlung von gewöhnlichen Warzen deutlich wirksamer war als eine Kryotherapie (Vereisen).


           

          Virus-Prävention

           

          Vermeiden Sie zu viel kalte Luft. Kälte allein macht zwar nicht krank. Wenn Sie sich aber oft in der Kälte aufhalten, passt sich Ihr Körper an und Ihre Schleimhäute trocknen aus. In der Folge verlieren die Schleimhäute ihre Schutzfunktion, und Viren können leichter eindringen.

           

           

          • Schlafen Sie ausreichend.

            Eine Studie, die 2019 im Journal of Experimental Medicine veröffentlicht wurde, belegt, dass erholsamer Schlaf die Wirkung von spezialisierten Immunzellen, sogenannten T-Zellen, steigern kann. Wenn Sie krank sind, sollten Sie so viel wie möglich schlafen, damit sich Ihr Körper besser erholen kann.
          • Kalte Dusche senkt Fieber nicht.

            Vielleicht rieten Ihre Eltern oder Großeltern, ein Eisbad oder eine kalte Dusche sei gut, um Fieber schnell zu senken. Das Gegenteil ist der Fall. Kaltes Wasser kann einen Schock aus­lösen und dazu führen, dass das Fieber weiter steigt. Lauwarmes Wasser eignet sich besser.
          • Wasser und Seife sind der beste Schutz.

            Löst sich Seife in Wasser auf, knackt es das Virus. Dabei brechen die in Eiweiß gehüllten Teile auseinander und werden wirkungslos. Waschen Sie Ihre Hände mindestens 20 Sekunden lang und trocknen Sie sie mit einem sauberen Handtuch ab. Vermeiden Sie in öffentlichen Toiletten Lufttrockner, da sie Keime und Bakterien im ganzen Raum verteilen.
          • Desinfizieren Sie Ihr Haus regelmäßig

            – aber nicht mit antibakteriellen Tüchern. Genauso wenig wie Antibiotika Virusinfektionen heilen, helfen antibakterielle Reiniger gegen Viren. Im Gegenteil – antibakterielle Produkte können zu einer Antibiotikaresistenz führen. Verwenden Sie lieber Wasserstoffperoxid, Alkohol oder ähnliche Desinfektionsmittel, um Gegenstände zu reinigen.


             

            Fotos: © istockfoto.com/Dr_Microbe, © istockfoto.com/kovop58, © istockfoto.com/LukaTDB, © istockfoto.com/wildpixel, © istockfoto.com/Goodboy Picture Company


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