Wählen Sie das Glück!
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aktuellen
Ausgabe

Körper & Psyche

Wählen Sie das Glück!

Und gehen Sie lächelnd durchs Leben...

Ausgabe: April 2018 Autor: Lisa Fields

Je länger wir leben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir glücklich werden. Unzählige Studien haben gezeigt, dass das Glücksgefühl einer U-Kurve folgt: Am zufriedensten sind wir in unserer Kindheit und im Alter. Im frühen Erwachsenenalter sinkt die Zufriedenheit. Nachdem sie mit Mitte 40 ihren Tiefpunkt erreicht hat, steigt sie bei den 50-Jährigen erneut an. Das Abfallen der Kurve erklärt sich durch die Herausforderungen des zweiten, dritten und vierten Lebensjahrzehnts: lange Arbeitszeiten, Karriereambitionen, Heirat, Großziehen von Kindern, Sparen für die Zukunft.

Wie erklärt sich aber der neuerliche Kurvenanstieg?

Ganz einfach: Die Lebenserfahrung, die wir in 45 oder 50 Jahren gesammelt haben, lässt uns die Dinge ins rechte Licht rücken. Indem wir lernen, die Ereignisse unseres Lebens einzuordnen, er­höhen wir unsere Chance, glücklich zu sein. Der Grad unserer Zufriedenheit wirkt sich aus auf unsere Beziehungen, den Beruf, die Gesundheit, unsere Ein­stellung und andere Bereiche.

Glück und Beziehungen

Haben Sie Freunde und Familienangehörige, denen Sie sich anvertrauen können? Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten können, sind Sie – statistisch gesehen – glücklicher als Menschen, die niemandem von ihren Sorgen erzählen können. "Glückliche Beziehungen sind der wichtigste Faktor für unsere Gesundheit", weiß Meik Wiking, Leiter des Kopenhagener Instituts für Glücksforschung. "In fast jeder Glücksstatistik spielen zwischenmenschliche Beziehungen eine Rolle. Einsamkeit zählt sowohl in den USA als auch in Europa zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen." Forschungen haben belegt, dass Menschen, die verheiratet sind oder mit einem Partner zusammenleben, tendenziell glücklicher sind als Singles, weil sie seltener unter Einsamkeit leiden.

Glück und Beruf

Wissenschaftler haben versucht, die Faktoren zu ermitteln, die zu Glück und persönlicher Zufriedenheit beitragen. Ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Privatleben steht für die meisten Menschen an erster Stelle. Jan-Emmanuel De Neve, außerordentlicher Professor für Wirtschaft und Strategie an der Saïd Business School in Oxford, Großbritannien weiß: „Rentner haben gelernt, ihre Erwartungen der Realität anzupassen und ihre Lebensumstände anzunehmen.“ Sie sind im Allgemeinen glücklicher.
„Abwechslung und die Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln, haben eine hohe Priorität. Der Mehrheit sind aber die Vereinbarkeit von Job und Freizeit wichtiger“, weiß Jan-Emmanuel De Neve, außerordentlicher Professor für Wirtschaft und Strategie an der Saïd Business School in Oxford, Großbritannien. „Haben Sie das Gefühl, zu wenig Zeit für Familie oder Partner zu haben, weil Ihr Beruf Sie so beansprucht, dass Sie in Ihrer Freizeit zu müde sind, um regelmäßig ins Theater zu gehen? Dann leidet sehr wahrscheinlich Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden darunter.“
Wie zu erwarten, sind Rentner im Allgemeinen glücklicher. „Dafür gibt es zwei Gründe“, erklärt De Neve. „Einerseits haben sie mehr Zeit für Dinge, die ihnen Spaß machen, andererseits haben sie gelernt, ihre Erwartungen der Realität anzupassen und ihre Lebensumstände anzunehmen.“

Glück und Gesundheit

Je älter wir werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit Krankheiten, Behinderung oder beidem leben müssen. Doch mit der richtigen Einstellung muss dies unsere Zufriedenheit nicht mindern. „Unsere Studienteilnehmer machten die Erfahrung, dass Alter, Krankheit und Verlust Herausforderungen waren, die ihnen zu neuen Einsichten verhalfen und sie veranlassten, bewusster zu leben“, erzählt Carver. Italienische Forscher fanden heraus, dass Menschen mit positiver Einstellung zum Älterwerden zufriedener sind als diejenigen, die mit dem Alter vor allem Schlechtes verbinden.
Nicht nur eine positive Einstellung sei ein Garant für Gesundheit, räumt Studienautorin und Altersforscherin Ligia Dominguez von der italienischen Universität Palermo ein. „Auch im Klinikalltag erleben wir immer wieder, wie es älteren Menschen allein oder mit familiärer oder sozialer Unterstützung gelingt, eine gute Lebensqualität zu wahren und trotz ihrer Einschränkungen optimistisch zu bleiben.“

Glück und Selbstfürsorge

Optimismus und Resilienz (seelische Widerstandsfähigkeit) können dabei helfen, bis ins hohe Alter zufrieden zu sein. „Optimisten gehen mit unangenehmen Dingen anders um und sind im Alter meist zufriedener“, meint Lisa Carver. „Sie zeichnen sich durch Anpassungsfähigkeit aus und verlieren ihre Lebensfreude auch durch Schicksalsschläge nicht. Die Menschen passen ihre Ansprüche an und bleiben zuversichtlich.“ Das beweist Maggie Georgopoulos’ wechselhafte Biografie. Die 46-Jährige aus dem schottischen Glasgow lebte und arbeitete auf verschiedenen Kontinenten. „Heute weiß ich, dass mein Glück von innen kommt“, sagt sie. „Ich habe meinen Lebensweg bewusst gewählt und kann es akzeptieren, wenn die Dinge einmal schieflaufen. Ich bin stets davon überzeugt, dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden.“

Ein erfülltes Leben

Und wie kann man bis zu seinem Tod glücklich leben? Wissenschaftler geben Tipps, wie das gelingt:

  • Ändern Sie Ihre Einstellung. Nicht alles, was in unserem Leben passiert, können wir beeinflussen. Wir haben aber die Freiheit zu bestimmen, wie wir darauf reagieren. „Das kann jeder lernen“, glaubt Expertin Dominguez. „Wer unzufrieden ist, tut nichts, um diesen Zustand zu ändern.“

  • Eine zuversichtliche Grundhaltung ist ein wichtiger Schritt. „Lernen Sie, negative Gedanken zu erkennen und infrage zu stellen“, rät Dominguez. „Fragen Sie sich zum Beispiel: Ist die Situation wirklich so schlimm? Welche alternativen Herangehensweisen gibt es? Was kann ich daraus für die Zukunft lernen?“

  • Achten Sie Ihren Partner. Jahre­langes Zusammenleben führt bei vielen Paaren dazu, dass der Partner weniger liebevoll behandelt wird als am Anfang. Die Folgen sind oft Streit und Unzufriedenheit mit der Beziehung. „Es ist nicht fair, an seinen Partner die gleichen hohen Ansprüche wie an sich selbst zu stellen“, sagt Helliwell. „Fragen Sie sich: Würde ich einen guten Freund so behandeln? Wenn nicht, nehmen Sie sich vor, mit Ihrem Partner liebevoller umzugehen und sich um ihn oder sie zu bemühen – das bringt viel.“

  • Setzen Sie neue Schwerpunkte. Sind Sie gebrechlich und nicht mehr so mobil wie früher, dann freuen Sie sich darüber, dass Sie beispielsweise noch klar denken können und nicht an Demenz leiden. „Das ist beispielhaft für jemanden, der sich über das freut, was er hat, anstatt Verlorenem nachzuweinen“, so Dominguez. „Dankbarkeit ist ein wichtiger Schritt zu einer positiven Grundeinstellung. Es geht darum, die kleinen Freuden des Alltags zu würdigen und sich auf das Positive zu konzentrieren. Negativen Gedanken und vergangenen Fehlern sollten wir möglichst wenig Raum lassen.“

  • Geben Sie etwas zurück. Ein Ehrenamt kann Ihnen nach dem Arbeits­leben das Gefühl geben, gebraucht zu werden. „Sich sozial zu engagieren heißt, man erhält die Chance, sich weiterzuentwickeln“, meint Wiking. Suchen Sie sich etwas, das Ihnen am Herzen liegt, und finden Sie heraus, wie Sie aktiv werden können. „Fast jeder sieht, dass mit ehrenamtlicher Arbeit anderen geholfen wird. Wie viel wir selbst davon profitieren, ist den wenigsten bewusst“, so Meik Wiking. „Es ist eine Gelegenheit, Leute zu treffen und Freundschaften zu schließen. Manchmal hilft es einem auch dabei, wieder das zu schätzen, was man hat, weil man mit Menschen in Berührung kommt, denen es weniger gut geht.“

 


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