Wunderwerk Gehirn
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Körper & Psyche

Wunderwerk Gehirn

Unser Gehirn leistet Außerordentliches. Wir stellen Ihnen die neuesten Forschungsergebnisse vor und erklären, welche Bedeutung sie für Ihr Leben haben.

Ausgabe: August 2015 Autor: Helen Signy

Das Anlegen und Abrufen von Erinnerungen umfasst einen dreiteiligen Prozess. Zuerst müssen wir die Informationen richtig verschlüsseln: Wir nehmen einzelne Elemente wahr und interpretieren sie. Im zweiten Schritt überführen wir die Informationen in unser Kurz- beziehungsweise Langzeitgedächtnis. Während dieses Vorgangs, der sogenannten Konsolidierung, läuft in den Neuronen ein chemischer Prozess ab. Im dritten Schritt – und hier wird es oft kritisch – müssen wir die konsolidierten Informationen wiederfinden. Das geschieht mittels einer chemischen Reaktion, die dafür sorgt, dass Neuronen sich auf eine bestimmte Weise entzünden. Dieser Prozess kann völlig unwillkürlich in Gang gesetzt werden – ausgelöst durch ein Geräusch, einen Anblick oder einen Geruch.

Suchen Sie angestrengt nach einem Namen, arbeiten Ihre Neuronen auf Hochtouren. Eine Erinnerung (ein Ort, eine Person, ein Geruch) besteht für Ihr Gehirn aus Verbindungen, die sich zwischen bestimmten Neuronen gebildet haben. "Das Abrufen von Erinnerungen erfordert ein optimales Zusammenspiel mehrerer Gehirnregionen", erläutert Dr. Jee Hyun Kim, wissenschaftlicher Mitarbeiter am australischen Florey-Institut für Neurowissenschaft. Wenn Sie eine Erinnerung abrufen, läuft der gesamte Konsolidierungsprozess erneut ab. Der wiederum wird beeinflusst durch Ihre Erfahrungen und Ihre Gefühle zu diesem Zeitpunkt. Jedes Mal, wenn Sie also eine Information "archivieren", verändern Sie diese ein wenig – unter Umständen geht sie sogar verloren. Vielleicht erklärt sich daraus das Phänomen, dass Geschwister dieselben Ereignisse oft völlig unterschiedlich abgespeichert haben. Erinnerungen sind also das Produkt der persönlichen emotionalen Wahrnehmung sowie elektrischer und chemischer Prozesse im Gehirn.

Ob etwas im Gedächtnis bleibt, hängt entscheidend vom Verschlüsseln der Information ab. Wenn wir älter werden, sind wir oft unaufmerksam. "Ein wichtiger Aspekt beim Gedächtnisverlust ist der, dass die Information nicht richtig verschlüsselt wurde", erklärt Kim. Wie unser Gedächtnis funktioniert, wissen wir inzwischen – die nächste Herausforderung besteht darin, zu verstehen, warum wir Dinge vergessen. Darin liegt der Schlüssel zur Behandlung von Krankheiten wie Alzheimer, Depressionen und Suchtkrankheiten.

Gliazellen

Sie sind das Stützgewebe des Nervensystems und stellen 90 Prozent aller Zellen im Zentralen Nervensystem. Mit den Nervenzellen bilden sie eine enge funktionale Einheit. Die Gliazellen reparieren verletztes Nervengewebe und sorgen für ein gesundes Nervensystem.

Cerebellum

Das "kleine Gehirn" liegt in der hinteren Schädelgrube, von wo aus es die Bewegungen koordiniert. Sobald elektrische Signale ankommen, sorgt das Kleinhirn dafür, dass wir gehen, sitzen oder stehen. Die weiße Substanz im Kleinhirn breitet sich baum- bzw. farnrartig aus und wird deshalb als Arbor vitae (Lebensbaum) bezeichnet.

Trainieren Sie Ihr Gehirn jeden Tag! Die Fachleute sind sich nicht einig über den Nutzen von Gehirntraining. Ein Bericht in der Zeitschrift Nature von 2013 dagegen ist eindeutig: Eine Gruppe Erwachsener im Alter von 60-85 Jahren verbesserte durch Videospielen ihre Multitasking-Fähigkeit und war anschließend leistungsstärker als eine Gruppe untrainierter 20-Jähriger. Ihre Aufmerksamkeitsspanne und ihr Arbeitsgedächtnis hatten sich ebenfalls verbessert. "Will man dauerhafte Veränderungen im Gehirn bewirken, muss man motiviert über eine lange Zeit trainieren", sagt Professor Robert Wood vom Florey-Institut für Neurowissenschaft, Australien. Informationen finden Sie unter www.luminosity.com.

So arbeitet das Gehirn: eine Kurzanleitung

Das Gehirn ist das komplexeste Organ des Menschen. Es besteht aus drei Teilen, der größte ist das Großhirn. Es sitzt ganz "oben" im Schädel. Dieser Teil sorgt dafür, dass wir die Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren können. Die äußere Schicht ist die Großhirnrinde, auch Kortex genannt. Der Kortex ist unter anderem für die Kodierung von Erinnerungen, die Verarbeitung und Interpretation der Sinneseindrücke zuständig. Das Kleinhirn sitzt unter dem Großhirn am Hinterkopf. Es regelt die Koordination, die Feinmotorik sowie das Gleichgewicht. Hinten im Gehirn sitzt das Stammhirn, das mit dem Rückenmark verbunden ist. Es leitet die motorischen Signale des Gehirns zum Körper und kontrolliert die vegetativen Körperfunktionen wie Atmung und Verdauung.

In einem durchschnittlichen erwachsenen Gehirn gibt es etwa 100 Milliarden Neuronen. Jedes Neuron hat Verästelungen, die es mit anderen Neuronen verbindet, sogenannte Synapsen, von denen in unserem Gehirn mehr als 100 Billionen existieren. Elektrische Signale verlaufen entlang dieser Synapsen und sind die Basis unserer Gedanken, Gefühle und Erinnerungen. Erreicht ein elektrisches Signal eine Synapse, werden chemische Botenstoffe freigesetzt, sogenannte Neurotransmitter, die das Signal an das nächste Neuron weiterleiten. Im Lauf der Zeit erstellt unser Gehirn aus der Erfahrung Aktivitätsmuster – Wege, auf denen das Signal am stärksten ist.

Bitte lesen Sie diesen Artikel in der August 2015-Ausgabe von "Reader's Digest" ab Seite 62 weiter.

 


 

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