6 neue Therapien, die Leben retten
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Medizin-News

6 neue Therapien, die Leben retten

In der Vergangenheit haben uns viele Krankheiten in Angst versetzt. Dank des medizinischen Fortschritts haben einige ihren Schrecken verloren.

Ausgabe: Mai 2018 Autor: Anita Bartholomew

Mittlerweile können wir uns durch Impfungen vor tödlichen Krankheiten schützen. Antibiotika besiegen Infektionen, die einst Zehntausende Leben forderten. Und Krebsarten, die früher tödlich verliefen, sind mittlerweile eher zu chronischen Krankheiten geworden, mit denen Menschen noch viele Jahre leben können. Diese Entwicklung macht Mut. Und die Forschung schreitet unaufhaltsam voran. Jedes Jahr bringt neue gute Nachrichten.

1. Hepatitis C

Rund 14 Millionen Europäer sind infiziert.
Die Gute Nachricht: Hepatitis C ist heilbar.
Der Grund: Seit 2013 steht ein innovativer Wirkstoff für die Behandlung zur Verfügung.

Shruti Mehta, Epidemiologe an der Johns Hopkins University in den USA, erklärt, dass einige Patienten die Infektion von sich aus überwinden können. Doch etwa 70 bis 85 Prozent der mit Hepatitis C Infizierten entwickeln chronische Infektionen. Das heißt, damit steigt auch das Risiko für Komplikationen wie beispielsweise Leberzirrhose und Leberkrebs. Die meisten der mit diesem Virus infizierten Menschen zeigen erst nach vielen Jahren Symptome. Anfang 2013 kamen neue Medikamente auf den Markt, die „ geradezu revolutionär waren“, sagt Shruti Mehta. Allerdings waren sie teuer, und die meisten von ihnen sprachen nur bestimmte Stämme des Virus an. Heutzutage können alle Stämme von Hepatitis C behandelt werden. Die Erkrankung kann aber jahrelang im Körper eines Menschen schlummern, ohne Symptome auszulösen. Es bleibt eine der größten Herausforderungen, die Personen zu finden, die eine Behandlung brauchen.

 

2. Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In Europa sterben jährlich 3,9 Millionen Menschen an Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Die gute Nachricht: 80 Prozent der frühzeitigen Todesfälle sind vermeidbar.
Der Grund: Durch Veränderungen des Lebensstils und dank verbesserter Behandlungsmethoden sinkt die Zahl der Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall.

Auch wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin die Todesursache Nummer eins sind, lassen sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zu 80 Prozent der frühzeitigen Todesfälle vermeiden. In der finnischen Bevölkerung sind bei den 35- bis 40-Jährigen die Todesfälle im Zusammenhang mit koronaren Herzerkrankungen seit den frühen 1970er-Jahren bis 2015 um mehr als 80 Prozent zurückgegangen“, sagt Dr. Veikko Salomaa, emeritierter Forschungsprofessor am National Institute for Health and Welfare. „Bis Mitte der 1980er-Jahre ließ sich diese Entwicklung auf den Rückgang der drei größten Risikofaktoren zurückführen: ein hoher Cholesterinwert, Rauchen und Bluthochdruck.“ Dank der Fortschritte in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann man in Finnland eine weitere Verbesserung der Überlebenschancen feststellen, so Professor Salomaa. Auch in der Therapie von Schlaganfällen hat sich viel getan. Eine zeitnahe Behandlung ist nach wie vor überlebenswichtig. Bei der Thrombektomie wird mithilfe eines Katheters das Gerinnsel durch die Vene entfernt. Eine weitere Behandlungsmethode wurde in einer kleinen Studie getestet: Dabei injizierte man in das Gehirn von Schlaganfallopfern Stammzellen. 39 Prozent der Testpersonen gelang es, sogar noch drei Jahre nach diesem Eingriff, bedeutende Fertigkeiten wiederzuerlangen. Änderungen des Lebensstils tragen ebenfalls dazu bei, die Zahl der Todesfälle zu verringern. Eine umfangreiche internationale Studie bestätigt das. Bereits 150 Minuten moderate körperliche Betätigung pro Woche senkt das Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken, um etwa 20 Prozent. Gesunde Ernährung und weniger Stress reduzieren das Risiko einer Herzerkrankung um 22 Prozent.

 

3. Krebs

Jedes Jahr erkranken rund 3,7 Millionen Europäer an Krebs.
Die gute Nachricht: Krebspatienten, auch im fortgeschrittenen Stadium, leben immer länger.
Der Grund: Neue Medikamente zur Immun-Therapie

Am Vielversprechendsten in der Krebsbehandlung ist momentan die Immuntherapie. Sie regt das Immunsystem des Körpers an, seine eigenen Kräfte gegen die Krankheit zu mobilisieren. Der jüngste Fortschritt in diesem Bereich sind CAR-T-Zellen (Chimeric Antigen Receptor). Sie bekämpfen die Tumore, die für das Immunsystem unsichtbar sind. Im Labor werden dazu patienteneigene T-Zellen (eine bestimmte Sorte von Immunzellen) so umprogrammiert, dass sie Krebszellen bekämpfen. Die erste Therapie dieser Art wurde im August 2017 in den USA zur Bekämpfung von akuter lymphoblastischer Leukämie bei Kindern und Jugendlichen zugelassen. Möglicherweise wird auch die Europäische Arzneimittel-Agentur 2018 noch grünes Licht für das Medikament geben. In einer klinischen Studie konnten bei 83 Prozent der mit der CAR-T-Therapie behandelten Patienten die Symptome innerhalb von drei Monaten gelindert werden. Derzeit werden zahlreiche weitere Immuntherapie-Medikamente erfolgreich im Kampf gegen Krebs eingesetzt. Doch die meisten Immuntherapien sind nur bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten effektiv. In der Regel ist eine Biopsie des Tumors nötig, um festzustellen, wer ein geeigneter Kandidat für welche Immuntherapie ist. Deshalb prüfen Forscher eine neue Blutuntersuchung: die Flüssigbiopsie. Möglicherweise eignet sie sich, um anhand von DNA-Markern im Blut schnell festzustellen, welche Immuntherapie helfen kann. Flüssigbiopsien könnten auch für die Früherkennung von Krebs eingesetzt werden. Sie helfen bereits beim Auffinden genetischer Veränderungen, die mit Melanomen und Lungenkrebs in Verbindung gebracht werden. Zudem lassen sich damit bestimmte Krebsarten wie Eierstock-, Leber-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen- und Speiseröhrenkrebs feststellen.

Eine ganz andere Art von Immuntherapie dient als Impfung gegen Lungenkrebs und läuft unter der Bezeichnung CIMAvax. Mit dieser Impfung, die in Kuba entwickelt wurde, ist die Überlebensdauer von Patienten dort deutlich gestiegen. Im Gegensatz zu den meisten Immuntherapien, die nur gegen bestimmte Krebsunterarten wirken, unterdrückt CIMAvax im Körper des Patienten den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor EGF. Dieser Faktor wird von zahlreichen Krebsarten zur Vermehrung benötigt. „Es ist möglich, dass diese Impfung bei vielen Krebserkrankungen anwendbar ist“, sagt Dr. Kelvin Lee, Professor und Vorsitzender der Fakultät für Immunologie in Roswell, USA. Dazu gehören unter anderem Brust-, Bauchspeicheldrüsen- und Dickdarmkrebs. Eine weitere gute Nachricht: Die tägliche Einnahme einer geringen Dosis Aspirin könne das Risiko verringern, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Doch bevor Sie regelmäßig Aspirin einnehmen, konsultieren Sie Ihren Arzt.

 

4. Darmkrebs

Laut WHO ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebsart in Europa – und die tödlichste.
Die gute Nachricht: Die Zahl der Todesfälle sinkt.
Der Grund: Flächendeckendere Vorsorgeuntersuchungen erlauben eine bessere Früherkennung.

Die Stuhlprobe ist die gängigste und einfachste Vorsorgeuntersuchung. Sie erhalten den Testbrief von Ihrem Arzt, den Sie mit einer Stuhlprobe zurücksenden. Weist der Test Blut im Stuhl nach, können Wucherungen im Dick- oder Enddarm mittels einer Darmspiegelung lokalisiert und entfernt werden. Eine anschließende Laboruntersuchung zeigt, ob die Wucherung krebsartig ist. In einigen Ländern gilt die Darmspiegelung als bevorzugte Vorsorgeuntersuchung, da sie genauer ist und Wucherungen bereits während der Untersuchung entfernt werden können. „Die Datenlage in Deutschland belegt die Effektivität von Darmspiegelungen“, sagt Professor Dr. Joachim F. Erckenbrecht, Gastroenterologe am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf. „Sie senkt sowohl die Sterblichkeitsrate als auch die Anzahl der Neuerkrankungen.“

 

5. Brustkrebs

In Europa erkranken jährlich rund 500 000 Frauen daran.
Die gute Nachricht: In 22 Prozent der früh erkannten Fälle wächst der Krebs so langsam, dass keine Behandlung nötig ist. Die Patientinnen, die behandelt werden müssen, überleben länger.
Der Grund: Mithilfe von Gentests können Ärzte ermitteln, auf welche Behandlung eine bestimmte Krebsart am besten anspricht.

Die Zahl der Brustkrebsfälle in Europa ist alarmierend hoch. Etwa eine von acht Frauen erkrankt daran. 2012 wurde nahezu eine halbe Million neuer Fälle registriert. Eine Brustkrebsdiagnose ist jedoch nicht mehr zwingend ein Todesurteil. Erstaunlicherweise muss ein relativ großer Teil der Betroffenen nicht einmal behandelt werden. Die meisten Tumoren, die kleiner als zwei Zentimeter sind und sich nur per Mammogramm aufspüren lassen, werden niemals so groß, dass sie Symptome hervorrufen oder zum Tod führen. Das zeigt eine Studie, die im Oktober 2016 im The New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Brustkrebs ist mittlerweile eine gut behandelbare Krankheit mit passablen Überlebenschancen. Laut der Studie ist eine verbesserte Behandlung der Grund für den Rückgang der brustkrebsbedingten Todesfälle um zwei Drittel zwischen 1975 und 2012. Das liegt vor allem an der Erkenntnis, dass die Behandlungsmethode individuell auf den Brustkrebstyp einer Patientin abgestimmt wird: Bis zu 80 Prozent der Betroffenen leben länger. Dank neuer Medikamente werden sogar metastasierende Brustkrebs- Erkrankungen teilweise zu chronischen Leiden, mit denen die Patientinnen noch Jahre leben können.

 

6. Lebend-Organspende

Die Zahl der Menschen, die sich für eine Organspende nach ihrem Tod entscheiden, ist zu gering, um den Bedarf zu decken.
Die gute Nachricht: Zwischen 2004 und 2013 stieg die Zahl der Lebendorganspenden (Niere und Leber) in der EU um 86 Prozent.
Der Grund: Immer mehr Menschen wissen, dass die meisten von uns mit einer Niere leben können.

Lebendspenden von Lebergewebe sind noch unproblematischer. Natürlich gibt es bei Lebendspenden ebenfalls Risiken. Menschen kommen in der Regel gut mit einer Niere aus, dennoch besteht die Gefahr, dass der Spender einen Funktionsverlust der verbleibenden Niere erleidet. Die Leber verfügt dagegen über verblüffende regenerative Fähigkeiten. Entfernt man einen Teil, kann der verbleibende Rest innerhalb von nur zwei Monaten wieder zur vollen Größe heranwachsen. Das gilt auch für den transplantierten Teil. Im Allgemeinen erholen sich Spender schnell und ohne Schäden davonzutragen.

 

 


 

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