Medizin der Zukunft
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Ausgabe

Medizin-News

Medizin der Zukunft

Die neuesten Errungenschaften der Gesundheitsforschung.

Ausgabe: Januar 2016 Autor: Dr. Kimberly Hamad-Schifferli

Neues Antibiotikum

Im Januar 2015 gaben Wissenschaftler der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Northeastern Universität in Boston, USA, die Entdeckung eines neuen Antibiotikums namens Teixobactin bekannt. Es kann eingesetzt werden gegen Lungenentzündung, Tuberkulose, Infektionen des Blutes oder von Weichteilgewebe. Studien haben gezeigt, dass durch Teixobactin höchstwahrscheinlich keine Resistenzen ausgelöst werden. Damit wäre eines der größten Hindernisse der Antibiotika-Entwicklung und ein massives aktuelles Gesundheitsrisiko überwunden. Teixobactin erwies sich als besonders wirksam bei Tuberkulose, die sich vor allem in osteuropäischen Ländern neuerdings wieder ausbreitet. Das neue Antibiotikum wird wohl innerhalb der nächsten fünf Jahre in Europa und den USA zugelassen werden.

Nabelschnur rettet Leben

Eine von vielen möglichen Komplikationen von zu früh geborenen Säuglingen ist eine Gehirnblutung, die häufig zum Tod führt. Wissenschaftler des Baylor Research Institute in Dallas, USA, haben unter der Leitung von Dr. Arpitha Chiruvolu herausgefunden, dass sich das Risiko für eine solche Blutung signifikant verringert, wenn man die Nabelschnur 45 Sekunden später abklemmt.„Uns hat besonders beindruckt, dass Gehirnblutungen um fast 50 Prozent abnahmen“, erklärte sie. „Und es waren keine Nebenwirkungen zu beobachten. Die Babys, deren Nabelschnur später abgeklemmt wurde, mussten bedeutend seltener wegen Atemstillstand oder Atemwegsproblemen im Kreissaal intubiert werden.“

Schnelltest für tödliche Krankheiten

Gesetzt den Fall, man könnte ansteckende, tödliche Krankheiten wie Ebola, Dengue- oder Gelbfieber vor Ort identifizieren. Das würde kostbare Zeit sparen, und man könnte den Patienten schneller behandeln. Das Massachusetts Institute of Technology in den USA hat in Zusammenarbeit mit der Zulassungs- behörde Food and Drug Administration (Lebens- und Arzneimittel) einen solchen Test entwickelt. Die Teststreifen funktionieren ähnlich wie Schwangerschaftstests. Der Patient kann direkt im Anschluss zum Arzt gehen. Zudem werden so die Gesundheitsbehörden schneller über eine mögliche tödliche Virusinfektion informiert. Die Tests sollen jedoch nicht die genaueren, im Labor durchgeführten Untersuchungen ersetzen. „Es ist eine zusätzliche Diagnose für die Regionen, in denen fließendes Wasser oder Elektrizität fehlen“, sagt Dr. Kimberly Hamad-Schifferli, eine der Team_leiterinnen.

Gebärmuttertransplantation

Es gibt Hoffnung für Frauen, die keine Gebärmutter haben. Im September 2014 gebar eine schwedische Frau einen gesunden Jungen, nachdem ihr zuvor erfolgreich eine Gebärmutter implantiert worden war. Malin Sternberg, 37, war ohne Gebärmutter zur Welt gekommen; eine 61-jährige Freundin der Familie spendete das Organ. Dr. Mats Brännström von der Universität Göteborg, Schweden, leitete die Operation. In Schweden haben inzwischen drei Mütter nach erfolgreicher Transplantation ein Kind geboren.

Tragbare Lunge

Im Juli 2013 gelang es Transplantationsexperten von der Universitäts-klinik Leuven, Belgien, gespendete Lungen elf Stunden lang außerhalb des Körpers zu konservieren – das ist die längste Zeitspanne in der Geschichte der Medizin. Ermöglicht wird das durch die OCS (Organ Care System)-Lunge, ein transportables Gerät, in dem die gespendete Lunge kontinuierlich mit frischem Sauerstoff belüftet wird. Das in den USA entwickelte Gerät wird Lungentransplantationen revolutionieren. So bleiben Spenderlungen während des Transports länger funktionsfähig. Inzwischen wird das Gerät in Europa und Australien verkauft.

Hoffnung für alle, die zu erblinden drohen

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) bedeutet zukünftig nicht mehr unbedingt, dass man erblindet. Die Makula, die die Stäbchen und Zapfen des Auges mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt, verliert bei AMD ihre Funktion, und das Sehvermögen lässt nach. Dank embryonaler Stammzelltherapie ist es der US-amerikanischen Firma Ocata im Sommer 2015 gelungen, diesen Prozess zu stoppen. Dabei werden Stammzellen dazu angeregt, sich in Pigmentepithelzellen der Netzhaut auszubilden, die man ins Auge injiziert. Die ersten beiden klinischen Studien ergaben, dass zehn von 18 Personen eine Verbesserung ihres Sehvermögens feststellten, bei weiteren sieben Personen schien das Fortschreiten der Krankheit gestoppt. Man hofft, dass diese Behandlung eines Tages zur Routine wird.

Malaria-Impfstoff

Im Juli 2015 teilte die Europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln mit, sie werde eine Zulassungsempfehlung für einen Impfstoff gegen Malaria aussprechen. Es ist möglicherweise die weltweit erste zugelassene Impfung gegen Malaria bei Säuglingen und Kindern. Laut WHO gab es 2013 rund 627_000 Malariatote, nahezu 90 Prozent starben in Schwarzafrika. 27 Prozent davon waren Kinder unter fünf Jahren. Die aktuellste klinische Studie für den neuen Impfstoff Mosquirix zeigte, dass eine viermalige Impfung die Zahl der Malariafälle um fast 40 Prozent verringerte. Ein Großteil des Verdienstes gebührt dem Ehepaar Ruth und Victor Nussenzweig von der Mikrobiologischen Abteilung des NYU Medical Center Langone, USA. Ihre etwa 50-jährige Malariaforschung hat ihnen internationale Anerkennung beschert. Die Nussenzweigs sind inzwischen über 80 und arbeiten zurzeit an der Verbesserung der Wirksamkeit des Impfstoffs.

Ein Buch zum Wasserfiltern

358 Millionen Menschen in Schwarzafrika steht nicht ständig sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Wissenschaftler haben ein Buch über Trinkwasser-Sicherheit erfunden, dessen Seiten sich zum Filtern von Wasser eignen. Mehr als 99 Prozent der Bakterien konnten so bei Versuchen in Südafrika, Haiti, Kenia und Bangladesch entfernt werden. Eine einzige Seite reinigt bis zu 100 Liter Wasser. Dr. Teri Dankovich von der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh, USA, hat die Methode gemeinsam mit Kollegen von der McGill-Universität in Kanada und der Universität von Virginia, USA, entwickelt und getestet. Jetzt hofft er auf den Startschuss von Studien, in denen die Filter vor Ort angewendet werden. Jede Seite enthält Anleitungen in der jeweiligen Sprache, wie der Filter funktioniert. „Wir müssen das Buch vor Ort testen, wenn wir wissen wollen, wie es wirkt“, sagt Dr. Dankovich.

Impfstoff gegen Lungenkrebs

Alle Zellen – auch Krebszellen – brauchen zur Vermehrung natürlich vorkommende Wachstumsfaktoren. Kubanische Wissenschaftler haben jetzt offenbar ein ungefährliches und erstaunlich wirkungsvolles Impfmittel entwickelt. CimaVax unterdrückt die Produktion des epidermalen Wachstumsfaktors (EGF), der von bestimmten Krebszellen für das Wachstum benötigt wird, so das Ergebnis ihrer klinischen Studien. Laut Informationen von Dr. Kelvin Lee vom Roswell Park Cancer Institute in New York, USA, lebten Menschen mit metastasierendem Lungenkrebs, die CimaVax bekamen, signifikant länger als eine Kontrollgruppe ohne den Impfstoff. Die Krebstumore verschwanden nicht völlig, sie wuchsen aber deutlich langsamer. Dr. Lee bemüht sich derzeit gemeinsam mit seinen Kollegen von der US-amerikanischen Arzneimittel_zulassungsbehörde FDA um die Zulassung für den Einsatz des Impfstoffs in klinischen Studien. Er sagt: „ Es gibt eine Reihe anderer Krebsarten, die EGF als Wachstumsfaktor nutzen – Darmkrebs, Hirn- und Halstumore ebenso wie Bauchspeichel_drüsen- und Prostatakrebs.“ Das bedeutet, CimaVax könnte womöglich auch diese Krebsarten in ihrem Fortschreiten verlangsamen oder sogar stoppen.


 

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