So überleben Sie im Krankenhaus
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So überleben Sie im Krankenhaus

Experten geben Tipps, wie Sie in der Klinik gesund werden – und bleiben.

Ausgabe: Mai 2019 Autor: Susanne Rytina

Die gute Nachricht: Mehr als 95 Prozent der jährlich rund 20 Millionen Behandlungen in deutschen Krankenhäusern verlaufen wie geplant zum Wohle der Patienten. Die schlechte Nachricht: Gleichzeitig kommt es aber auch bis zu geschätzten 800.000 Komplikationen – verursacht unter anderem durch Fehldiagnosen und Krankenhausinfektionen. Etwa 20.000 Patienten kosten sie das Leben. In Österreich gehen Experten von 100.000 Komplikationen und 2500 Todesopfern aus. „Beteiligen Sie sich aktiv an allen Entscheidungen, die Ihre Behandlung und Versorgung betreffen“, rät Professorin Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité Berlin und Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für Krankenhausinfektionen. Folgende Tipps helfen Ihnen dabei:

Wählen Sie die richtige Klinik

Bei einem Notfall werden Sie so schnell wie möglich ins nächste Krankenhaus gebracht, das Sie behandeln kann. Bei einer planbaren Operation sollten Sie jedoch die Klinik wählen, die Ihnen die beste Behandlung bietet. Drei Fragen gilt es zu klären.

  • Gibt es eine Intensivstation? Nicht jedes Krankenhaus verfügt über eine Intensivstation, auf der mindestens ein Arzt rund um die Uhr im Dienst ist. „Wenn bei Ihnen ein komplexerer Eingriff geplant ist und es zu Komplikationen kommen könnte, dann sollten Sie ein größeres Krankenhaus wählen – mit voller Ausstattung, was Personal und Geräte betrifft“, rät Professor Claus-Dieter Heidecke, Direktor der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Greifswald.
  • Wie oft nimmt die Klinik den Eingriff vor? Krankenhäuser müssen die Häufigkeit der Eingriffe in ihren Qualitätsberichten ausweisen. Sie finden die für Sie wichtigen Zahlen über die „Weisse Liste“ im Internet.
  • Wie häufig treten Komplikationen auf? In Deutschland hilft Ihnen der Krankenhaus-Navigator der AOK, eine Klinik in Ihrer Region zu finden, in der es in Bezug auf den bei Ihnen geplanten Eingriff zu möglichst wenig Komplikationen und Wundinfektionen kommt. In Österreich bietet die Website kliniksuche.at einen vergleichbaren Service.

Helfen Sie mit, Fehldiagnosen zu vermeiden

  • Fragen Sie stets: „Könnte es auch etwas anderes sein?“ Das gibt den Ärzten Gelegenheit, ihre Diagnose noch mal zu überdenken. Hinter schweren Kopfschmerzen kann eine Migräne oder aber ein Schlaganfall stecken.
  • Holen Sie eine zweite Meinung ein. Wenn bei Ihnen eine Krankheit diagnostiziert wurde, die invasive Maßnahmen erfordert – oder wenn Sie Zweifel an der Diagnose haben –, holen Sie die Meinung eines zweiten Facharztes ein.
  • Fragen Sie, ob verschiedene Disziplinen Ihren Fall besprechen. Eine Studie zeigt, dass die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen die Anzahl von sogenannten unerwünschten Ereignissen um die Hälfte reduzieren kann. „Ich würde zum Beispiel mit einer Krebserkrankung nur in ein Haus gehen, in dem es auch eine Tumorkonferenz gibt und das möglichst auch nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert ist“, sagt Chirurg Heidecke. Bei diesen Konferenzen besprechen Ärzte und anderes Fachpersonal im größeren Kreis jeden Fall individuell.
  • Haken Sie nach. Bei Ihnen wurde eine Computer-, Magnetresonanztomografie oder eine Biopsie durchgeführt? Fragen Sie, wann die Ergebnisse vorliegen und was sie ergeben haben. Studien in den USA haben gezeigt, dass 7 bis 8 Prozent der auffälligen Untersuchungs- und Laborergebnisse im hektischen Klinikalltag untergehen.

Schützen Sie sich vor Krankenhausinfektionen

  • Gehen Sie vernünftig mit Antibiotika um. Antibiotika bekämpfen Infektionen, aber sie töten auch Bakterien im Darm, die für unsere Gesundheit wichtig sind. Damit erhöht sich das Risiko, dass Sie sich mit Clostridium difficile infizieren, einem der gefährlichsten Krankenhauskeime. „Nach einer Operation sollte kein Antibiotikum gegeben werden, wenn es keine Anzeichen einer Infektion gibt“, betont Hygiene-Expertin Gastmeier.
  • Achten Sie darauf, dass Katheter nur gelegt werden, wenn es nötig ist. Je länger diese Hilfsmittel im Körper verweilen, desto höher ist das Risiko, eine Infektion zu bekommen, die im schlimmsten Fall Ihr Leben bedroht.
  • Sagen Sie es, wenn Sie Durchfall haben. Sehr weicher Stuhl kann das erste Symptom für eine Infektion mit Clostridium difficile sein. Dies ist nicht der Moment für schamhaftes Schweigen.
  • Putzen Sie sich die Zähne. Bakterien im Mund können sich den Weg in die Atemwege bahnen. Studien haben gezeigt, dass eine gute Mundpflege Ihr Risiko, sich im Krankenhaus eine Lungenentzündung zuzuziehen, um ein Drittel senken kann.
  • Bestehen Sie auf desinfizierte Hände. Eine gute Handhygiene ist die beste Waffe gegen Krankenhausinfektionen mit Bakterien wie Clostridium difficile oder Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Trotzdem kommt es vor, dass im hektischen Klinikalltag Ärzte und Pflegekräfte vergessen, sich die Hände zu desinfizieren. „Wir wissen aus Befragungen, dass sich viele Patienten nicht trauen, das anzusprechen. Wir möchten Sie dazu aber ausdrücklich ermuntern“, betont Krankenhaushygienikerin Gastmeier. Waschen Sie sich selbst vor dem Essen und nach dem Gang zur Toilette die Hände und nutzen Sie Handdesinfektionsmittel.

Maßnahmen vor dem Eingriff

  • Keine Rasur dort, wo operiert werden soll. Jede Rasur hinterlässt mikroskopisch kleine Schnitte – ein Boden, auf dem Bakterien prächtig gedeihen.
  • Duschen Sie mit einem Desinfektionsmittel. Desinfizierende Waschlösungen, die Sie in der Apotheke erhalten, töten die Bakterien auf der Hautoberfläche ab. Verwenden Sie eine solche Lösung statt Ihres gewohnten Duschgels am Abend vor Ihrem Eingriff und am Morgen der Operation.
  • Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie eine Infektion haben. Schon eine an sich harmlose Erkältung kann Ihr Immunsystem schwächen und das Komplikationsrisiko bei einer Operation erhöhen.
  • Lassen Sie Ihr Thromboserisiko untersuchen. Das Risiko, eine tiefe Venenthrombose zu erleiden, ist nach einem chirurgischen Eingriff um das Zehnfache erhöht. Vor der Operation sollte Ihr Arzt Sie nach Ihrer Krankengeschichte fragen und gründlich untersuchen. Stehen Sie baldmöglichst auf, und gehen Sie im Zimmer oder auf dem Gang umher. Das senkt das Thromboserisiko.

Reduzieren Sie Ihre Risiken nach der Operation

  • Wenn Sie unsicher auf den Beinen sind, lassen Sie sich helfen. Nehmen Sie außerdem geschlossenes rutschfestes Schuhwerk mit in die Klinik.
  • Halten Sie die Operationswunde sauber. Berühren Sie die Operationswunde nicht unnötig – und schon gar nicht, ohne sich vorher die Hände gewaschen und desinfiziert zu haben.
  • Fragen Sie nach einem Physiotherapeuten. Selbst wenn Sie im Krankenhaus permanent liegen müssen, können Sie Bewegungsübungen machen – unter Anleitung. Fragen Sie nach, ob ein Physiotherapeut bei Ihnen vorbeischauen kann.
  • Achten Sie darauf, welche Medikamente Sie einnehmen. Haben Sie eine Medikamentenallergie oder -unverträglichkeit, geben Sie diese unbedingt bei Ihrer Aufnahme in die Klinik an. Fragen Sie zudem, welches Medikament Ihnen verordnet wurde.
  • Stören Sie das Pflegepersonal nicht bei wichtigen Tätigkeiten. Lenken Sie die Pflegerin nicht ab, wenn sie beispielsweise Ihre Infusionspumpe programmiert. Das könnte schwerwiegende Folgen haben.

Optimieren Sie die Kommunikation

  • Machen Sie sich Notizen. Studien zeigen, dass Patienten 40 bis 80 Prozent der medizinischen Informationen, die sie erhalten, gleich wieder vergessen. Dazu kommt: Die Hälfte dessen, woran sie sich erinnern, ist nicht korrekt.
  • Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas schiefläuft, sie weiter Schmerzen haben, Ihnen schwindlig ist, etc., sprechen Sie es an.

 Bereiten Sie Ihre Entlassung vor

  • Stehen Sie auf. Mit Bewegung beugen Sie nicht nur Thrombosen und Lungenentzündungen vor, sondern Sie erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, das Krankenhaus früher verlassen zu können.
  • Fragen Sie nach Tipps für zu Hause. Was gilt es nach Ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zu beachten? Dürfen Sie Ihren normalen Alltag wieder aufnehmen, oder sind bestimmte Tätigkeiten vorerst tabu? Was sollten Sie tun, falls sich Ihr Zustand verschlechtert? Fragen Sie Ihren Arzt, und machen Sie sich Notizen
  • Nehmen Sie Ihre Medikamente (mit). Vergewissern Sie sich, welche Medikamente Sie einnehmen sollen und welche davon Sie am Entlassungstag bereits bekommen haben. Werden Sie an einem Freitag entlassen, vergewissern Sie sich, dass das Krankenhaus Ihnen ausreichend Medikamente fürs Wochenende mitgibt.

 


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