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Eine Frau begrüßt den Sonnenaufgang am Strand mit ausgebreiteten Armen.
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Natürlich heilen

Die heilende Kraft des Lichts

Licht hilft nicht nur bei saisonalen Depressionen, sondern auch bei Erkrankungen. Erforscht wird die Heilkraft aller Wellenlängen.

Ausgabe: März 2021 Autor: Viviane Fairbank

Während der kalten und dunklen Jahreszeit leiden viele Menschen am sogenannten Winterblues. Einige entwickeln sogar eine durch Mangel an Sonnenlicht verursachte Winterdepression. Forscher haben herausgefunden, dass es in solch einem Fall hilft, täglich 30 Minuten vor einer speziell entwickelten Lampe zu verbringen, die helles, weißes Licht ausstrahlt. Das kann genauso effektiv sein wie die Einnahme eines Anti­depressivums. Eine Studie von 2015 ergab, dass eine Lichttherapie sogar Patienten helfen kann, deren Depression nicht saisonal bedingt ist.

Die Sonne strahlt verschiedene Arten von Licht aus. Die kürzeste Wellenlänge hat ultraviolettes Licht, die längste infrarotes. Dazwischen liegen die Farben des sichtbaren Lichts (von denen der Mensch dennoch nicht alle sehen kann). Die Therapiemöglichkeiten durch Licht werden seit mehr als 100 Jahren erforscht. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Licht zur Behandlung von Tuberkulose bis hin zur Anregung des Haarwachstums empfohlen. Durch die Entdeckung des Antibiotikums und die Fortschritte in der Pharmazie verlor es jedoch an Bedeutung. Hinzu kamen Zweifel an der Wirksamkeit der Lichttherapie. Erst in den letzten zehn Jahren erlebte die Lichttherapie aufgrund einer Reihe ermutigender Studien ein Comeback. Insbesondere rotes Licht wurde auf seine Fähigkeiten hin untersucht, die Symptome schwerer Erkrankungen wie Parkinson, Alz­heimer oder Karpaltunnelsyndrom zu lindern. Viele Zulassungsanträge sind noch nicht genehmigt. Zur Behandlung der Makuladegeneration wird Rotlicht jedoch schon in Europa, Kanada und Südamerika eingesetzt.

 

Die heilenden Eigenschaften von rotem, grünem und blauem Licht

Die heilenden Eigenschaften von rotem Licht beruhen auf seiner Fähigkeit, Mitochondrien zu aktivieren, also die Zellstrukturen, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der genannten Krankheiten spielen. Wie Janis Eells, Professorin für biomedizinische Wissenschaften an der University of Wisconsin-Milwaukee, USA, beschreibt, kann Licht „den Mitochondrien einen Tritt in den Hintern“ verpassen, sie also gewissermaßen aufwecken und dazu veranlassen, ihre Arbeit zu verrichten. Lichttherapie wird auch häufig ambulant eingesetzt. Rotes Licht und nahes Infrarot erreichen die Zellen unter der Haut und beschleunigen die Heilung von Prellungen und Wunden. Diese Behandlung kann in Schönheitssalons oder auch zu Hause durchgeführt werden: Dabei unterzieht man sich der Anwendung täglich fünf bis 15 Minuten lang, bis die Wunde verheilt ist. Für eine sichere und effektive Behandlung ist es am besten, zuvor einen Arzt zu konsultieren.

Eine Therapie mit blauem Licht, das die Bereiche knapp unter der Epidermis erreicht, verschreiben manche Dermatologen zur Abtötung von Bakterien, die Akne auslösen. Sie ist in der Praxis oder zu Hause umsetzbar. Grünes Licht ist noch nicht so gut erforscht. Eine Studie der University of Arizona, USA, aus dem Jahr 2020 zeigt aber, dass es als Präventiv­therapie für Patienten mit wiederkehrender Migräne dienen könnte. Nach zehn Wochen, in denen sich die Patienten täglich ein bis zwei Stunden dem Licht aussetzten, berichten sie von einer durchschnittlich 60-prozentigen Schmerzreduktion. Diese vorläufigen Ergebnisse sind vielversprechend, eine zugelassene klinische Anwendung ist jedoch wahrscheinlich erst in einigen Jahren möglich, so Professorin Eells.Dank des wachsenden Verständnisses dafür, wie und warum Licht heilen kann, ist Janis Eells zuversichtlich, dass die Skepsis gegenüber der Lichttherapie schwinden wird: „Das ist keine Magie. Das ist echte Wissenschaft,“ so die Professorin.

 


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