Brad Pitt: „Weisheit ist besser als Jugend“
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Brad Pitt: „Weisheit ist besser als Jugend“

Hollywood-Star Brad Pitt über sein streng religiöses Elternhaus und die Gelassenheit des Alters.

Ausgabe: November 2019 Autor: Rüdiger Sturm

Brad Pitt zu sprechen, gleicht einem Staatsakt. Es gilt, langwierige Genehmigungsprozesse zu durchlaufen. Wer einen Termin bekommt, dem kleben Mitarbeiter des Filmverleihs die Kamera des Smartphones ab, damit ja nur keine heimlichen Fotos geschossen werden. Der 55-Jährige selbst, der zuletzt in Quentin Tarantinos Film Once Upon A Time In Hollywood in den Kinos zu sehen war, ist erfrischend entspannt und antwortet auf jede Frage ohne auszuweichen.

Reader’s Digest: Sie gelten als einer der größten Stars von Holly­wood. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Brad Pitt:
Ich bin bei Weitem nicht der einzige talentierte Schauspieler, aber im Gegensatz zu den meisten anderen hatte ich das Glück, meine Chance zu bekommen. Die habe ich mit aller Entschlossenheit genutzt.

 

Wie wichtig sind Ihnen Auszeichnungen?
Oscars und dergleichen waren für mich nie relevant. Darauf kannst du dich nicht konzentrieren, denn dann vernachlässigst du das wirklich Wichtige: gute Arbeit. Zumal solche Preise ebenfalls Glückssache sind. Manchmal wird dein Los gezogen, das ist ein Vergnügen, und manchmal eben nicht. Mich freut es genauso, wenn Freunde von mir gewinnen.

 

Sie haben die 50 überschritten. Hat das Älterwerden Ihre Sicht auf die Dinge verändert?
In der Tat. Denn ich bin kurzsichtig geworden – seit Jahren brauche ich eine Brille. Aber im Ernst – ich bin mir einfach bewusst geworden, dass ich meinen Kindern ein Vermächtnis hinterlassen möchte, in Form von denkwürdigen Filmen. Und ich mag das Älterwerden. Weisheit ist besser als jede Jugend.

 

Angeblich kommen Sie aus einem streng konservativen Elternhaus. War es schwer, sich davon zu lösen?
Ja, meine Familie ist extrem christlich. Ich hatte meine Probleme damit, stellte das in meiner Jugend auch immer wieder infrage. Das ergab alles für mich keinen Sinn. Aber es war etwas anderes, endgültig den Trennstrich zu ziehen. Dazu war ich erst mit etwa 20 Jahren imstande. Allerdings gebe ich zu: Es hat mir damals auch Angst gemacht, als ich plötzlich keinen Glauben mehr hatte, mit dem ich die Welt erklären konnte.

 

Haben Ihre Eltern Sie unterstützt?
Mit meinen Schauspielplänen waren sie einverstanden. Und sie haben mich so akzeptiert, wie ich bin, auch wenn sie sich um mein Seelenheil Sorgen machen.

 

Worüber machen Sie sich Sorgen?
Das große Thema für uns alle ist der Tod. Ich mache mir Sorgen, ob es meinen Kindern gut geht. Die stehen für mich an erster Stelle, während ich früher mehr auf mein Wohl­ergehen bedacht war. Mir ist klar, dass das Leben eine unbeständige Angelegenheit ist. Und genau deshalb versuche ich eben die Art von Filmen zu hinterlassen, die etwas verändern können.

 

Haben Sie Antworten auf die großen Fragen, nachdem Sie seinerzeit den Pfad des Glaubens verlassen haben?
Religion will uns beruhigen, indem sie uns Erklärungen gibt. Aber vielleicht finden wir unseren Frieden auf andere Weise: indem wir einfach akzeptieren, dass es da draußen ganz große Mysterien gibt.

 

Zur Person: Brad Pitt
wurde am 18. Dezember 1963 in Shawnee, USA, geboren. Nach ersten kleinen Rollen gelang ihm 1991 mit Thelma & Louise der Durchbruch. Mit Filmen wie Sieben, 12 Monkeys, der ihm die erste von drei Oscarnominierungen als Schauspieler einbrachte, und Inglourious Basterds unter der Regie von Quentin Tarantino setzte er seine Karriere fort. Auch als Pro­duzent ist Pitt erfolgreich: Mit 12 Years a Slave gewann er 2014 den Oscar für den besten Film. Aus seiner zweiten Ehe mit Kollegin Angelina Jolie hat Pitt drei leibliche und drei adoptierte Kinder.

 


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RD Abbinder
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