Brian May: „Ich muss immer etwas erschaffen“
© Brian May 2015
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

Brian May: „Ich muss immer etwas erschaffen“

Musik, Astronomie, Stereoskopie ... gibt es irgendetwas, worin der legendäre Queen-Gitarrist nicht brilliert?

Autor: Fiona Hicks

„Jeder scheint zu glauben, dass ich ein Rockstar bin“, sagt Brian und lacht leise. „Das ist manchmal ziemlich eigenartig. Vor ein paar Tagen zum Beispiel war ich mit meiner Tochter zum Abendessen aus und konnte mich erst nicht entscheiden, was ich nehmen sollte. Und meine Tochter sagte ‘Papa, du bist ein Rockstar. Du kannst haben, was immer Du möchtest.’ Ich kann das ehrlich gesagt nicht so ernst nehmen.“

Ruhig, nachdenklich, immer bescheiden – der Mensch Brian lässt sich nur schwer mit der Kultfigur Brian May unter einen Hut bringen.

Aber genau das ist er, eine Kultfigur: Immer wieder wird er zu einem der besten Gitarristen aller Zeiten gewählt, er war Gründungsmitglied von Queen, tourt seit vier Jahrzehnten um die Welt und hat mehr als 200 Millionen Platten verkauft. Und hat dabei immer die gleiche Frisur mit Kultcharakter getragen. Dennoch verkauft das Etikett den Rockstar Brian May unter Wert. Er sei „ein Mensch mit zu vielen Leidenschaften“, sagt er von sich selbst. Sein neuestes Projekt ist dann auch eher ungewöhnlich für einen Musiker – ein Buch über Unterröcke im 19. Jahrhundert. Es ist Brians viertes Werk dieser Art und sichtbares Zeichen einer seiner vielen ungewöhnlichen Interessen: Stereoskopie, eine Art historische 3-D Fotografie.

Eine Leidenschaft: Stereo-Fotografie

„Stereo-Fotografie kommt direkt aus meiner Kindheit“, erklärt Brian begeistert. „Damals steckte Spielzeug in manchen Schachteln mit Frühstücksflocken. In den Weetabix-Packungen waren kleine Stereo-Fotos. Als ich etwa elf Jahre alt war, habe ich meine Ersparnisse für ein Betrachtungsgerät geopfert, um die Bilder richtig sehen zu können. Das Stereoskop kam mit der Post, ich habe das erste Foto eingelegt und plötzlich war es, als hätte ich das Flusspferd direkt vor mir. Ich dachte, warum bestehen Leute auf flachen Fotos, wenn eine solche Tiefe möglich ist? Dieser Zauber und die Freude daran haben mich mein ganzes Leben begleitet.“Die Faszination war so groß, dass Brian auf allen Queen-Tourneen eine Stereo-Kamera dabei hatte. Womöglich produziert er bald ein Queen-in-3D Buch. „Vielleicht zu Weihnachten“, deutet er an.

Wenn er gerade nicht Stereo-Bilder betrachtet, hält Brian schon mal Vorlesungen über Astronomie.

Im Alter von 59 Jahren hat er nämlich seine Promotion angeschlossen und damit sein Studium zu Ende gebracht, das er vor fast 40 Jahre begonnen hatte. „Das war wirklich harte Arbeit“, erzählt er. „Alle meine Notizen von damals waren handschriftlich. Als Erstes musste ich sie also in meinen Laptop eingeben. Ich habe ein ganzes Jahr lang an nichts anderem als an meiner Doktorarbeit gearbeitet.“ Erschienen ist sie unter dem Titel A Survey of Radical Velocities in the Zodiacal Dust Cloud (Eine Untersuchung über die radikalen Geschwindigkeiten in der Staubwolke des Zodiakus).
Ganz schön beeindruckend, aber Brian – oder Dr. May  wie er jetzt offiziell heißt –  scheint immer noch ein Projekt in Arbeit zu haben. Was auf dieser Welt (oder darüber hinaus) treibt ihn an? „Ich weiß es selber nicht“, sagt er lachend. „Ich habe zu viel Spaß, vielleicht weil ich nicht besonders viel schlafe. Es ist einfach schwer für mich einzuschlafen.“

Arbeiten als Mittel gegen die Depression

Brian hat in der Vergangenheit sehr offen über seinen Kampf gegen Depression gesprochen, und darüber, dass Arbeiten für ihn ein gutes Gegenmittel ist. „ Ich glaube, ich gehöre zu denen, die immer etwas erschaffen müssen, weil mir sonst etwas fehlt“, sagt er. „Ob das jetzt Musik ist oder Stereo-Fotografie oder Astronomie – etwas zu tun, was vor mir keiner getan hat, ist ein großartiges Gefühl. Und dann zu sehen, dass andere sich am Ergebnis meiner Mühe erfreuen, das ist immer wieder wunderbar.“

Engagement für den Tierschutz

Mit großem Einsatz widmet sich Brian auch dem Tierschutz. „Wir müssen die Art, wie wir Tiere behandeln, radikal verändern“, erklärt er. „Wir gehen grausam mit ihnen um. Das Beste an uns Menschen ist unsere Fähigkeit zum Mitleid. Der Teil unserer Psyche, der dafür sorgt, dass wir uns anständig gegenüber anderen Menschen und Mitgeschöpfen verhalten wollen.“

Das Engagement für Tierrechte habe seine Augen auch für andere politische Fragen geöffnet – und er zögert nicht, seine Meinung laut zu äußern. „Ein paar Leute interessiert, was ich zu sagen habe, weil sie von mir gehört haben. Aber ich bin doch nur ein leises Stimmchen, das gegen eine sehr laute Maschine anschreit. Dieser Maschine geht es darum, den Privilegierten in Großbritannien ihre Privilegien zu erhalten. Fast wie in einem Feudalstaat“, erklärt Brian. „Der Regierung geht es angeblich immer nur um die Wirtschaft. Ich denke, eigentlich geht es darum, die Reichen reich und die Armen arm zu halten.“

Nun ist es kein Geheimnis, dass Brian selbst ein wohlhabender Mann ist. Er sagt, das sei nur ein Grund mehr, sich zu empören: „Ich stamme nicht aus einem reichen Elternhaus. Wir waren arm. Meine Mutter hat Kleingeld in einem alten Marmeladeglas gesammelt, um damit die Strom- und Gasrechnung zu bezahlen. Ich weiß, was es bedeutet arm zu sein – es ist kein Spaß. Es ist für mich sonnenklar, dass etwas ganz gehörig schief läuft. Es ist, als ob grundsätzlich die Selbstsüchtigen und Skrupellosen das Sagen haben. Eigentlich erstaunlich, dass die Menschheit überhaupt so weit gekommen ist, wie sie ist!“

 

Die Tatsache, dass Brian dieses Jahr 69 Jahre alt geworden ist, ist ihm zusätzliche Motivation, seine Stimme zu erheben.

„Ich bin mir meiner eigenen Endlichkeit sehr bewusst, denn so viele meiner Altersgenossen sterben“, sagt er. Besonders gern erinnert er sich an David Bowie, der Anfang des Jahres unerwartet gestorben ist. „Wir haben einige Zeit mit ihm verbracht, vor allem bei der Arbeit an Under Pressure und ein paar anderen Projekten, die nie veröffentlicht wurden. Bowie war großartig darin, immer wieder Neuland zu betreten. Und er war jemand, der wie ein Katalysator wirkte. Er konnte in einem Raum voller Menschen, die sich gar nicht kannten, diese dazu bringen, etwas gemeinsam zu machen. So war er – er sah die Dinge, erkannte Gelegenheiten und sorgte dafür, dass sie genutzt wurden. Er war auch ein sehr guter Sänger. Darüber wird nicht so oft gesprochen, aber im Grunde war er rein als Sänger unübertroffen.“

Schon immer an Astronomie interessiert, denkt Brian gern über der Universum nach.

„Jeden Tag stehe ich auf und frage mich, ‚Mit welcher Tätigkeit soll ich den Rest meines Lebens verbringen?‘ Ich will ein gutes Leben führen. Ich will mich um die Menschen kümmern, die ich liebe. Aber ich stelle mir auch die Frage: Worum geht es eigentlich? Warum tun wir das, was wir tun? Alles lässt sich wissenschaftlich erklären, außer Gott und die Liebe. Das sind die Fragen, auf die ich noch eine Antwort finden muss – und langsam läuft mir die Zeit davon.“


Musik bleibt das „Rückgrat“ von Brians Leben.

Die Auftritte für den Rest des Jahres und Anfang des nächsten hat er bereits geplant. Wenn er nicht arbeitet, verbringt er am liebsten Zeit mit seiner Frau, der Schauspielerin Anita Dobson, mit der er seit 15 Jahren verheiratet ist, und seinen drei Kindern.

 

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RD Abbinder
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