Christoph Waltz: Die Kunst des Weitermachens
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Christoph Waltz: Die Kunst des Weitermachens

Der Schauspieler über Werte, Erziehung und Kultur.

Ausgabe: Februar 2019 Autor: Ulrich Lössl

Seinen internationalen Durchbruch hatte Christoph Waltz vor zehn Jahren. Für Quentin Tarantinos Inglourious Basterds bekam der heute 62-Jährige seinen ersten Oscar als „Bester Nebendarsteller“, drei Jahre später für Tarantinos Django Unchained seinen zweiten. Seitdem ist er in Hollywood ein gefragter Schauspieler. Im Science-Fiction-Film Alita: Battle Angel (ab 14.2. im Kino) spielt Waltz eine Art modernen Frankenstein, der sich rührend um seine Schöpfung kümmert.

 

Reader’s Digest: Im Film sind Sie für das Mädchen Alita eine Art Vaterfigur. Welche sind denn Ihre persönlichen Parameter als Vater? Was haben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg gegeben?
Christoph Waltz:
Höflichkeit. Tischmanieren. Tischmanieren sind sehr wichtig. Wenn man sieht, wie die Leute fressen … Aber man kann ihnen kaum einen Vorwurf machen. Keiner hat ihnen anscheinend gesagt, dass man so nicht isst. Den Eltern muss man den Vorwurf machen.

Was ist Ihnen bei der Erziehung sonst noch wichtig?
Schauen wir uns nur mal die #MeToo-Bewegung an. Da tritt immer öfter die Empörung über die herrschenden Geschlechter-Verhältnisse zu Tage, die größtenteils durchaus berechtigt ist. Auch die Moralkeule, mit der dann wuchtig zugeschlagen wird. Nur: Es ist doch eigentlich gar nicht so kompliziert. Denn die alte Regel „Tue dem anderen nicht an, was du nicht willst, das er dir antut“ ist gar nicht so schwer zu begreifen. Warum wird Kindern diese Grundregel nicht beigebracht? Das verstehe ich nicht.

Haben Sie Ihren Kindern auch Kultur nahegebracht? Haben Sie sie zum Beispiel zum Lesen angehalten?
Jeder, der Kinder hat, weiß, dass man Kinder anhalten kann, wozu man will – aber es meist doch nichts nützt. Sie können aber versuchen, Kindern ein Beispiel zu geben. Man kann auch versuchen, ihre Neugier auf die Kunst und aufs Leben zu wecken. (lacht) Das kann man alles. Aber es kann auch daneben gehen.

Hat Ihr internationaler Durchbruch vor zehn Jahren Sie beflügelt oder hat er auch neue Ängste geweckt?
Ob das neue Ängste sind oder doch noch die alten – darüber ließe sich streiten.

Sie blicken auf gut 40 Jahre Karriere zurück mit Höhen und Tiefen. Was hat Ihnen Kraft gegeben?
Die Familie war und ist natürlich sehr wichtig. Aber im Grunde genommen war das alles wenig dramatisch: Ich bin völlig überzeugt davon, weiterzumachen. Auch wenn man sich gerade schlecht fühlt: Man kann trotzdem immer weitermachen.

Aber zum Weitermachen braucht es Kraft. Und Gründe, die einen motivieren. Besprechen Sie sich da mit Ihrer Frau, Ihren Freunden? Oder machen Sie das allein mit sich aus?
Eher alleine. Nach dem Motto: Kein Theater machen – sondern weiter. Was nicht heißt: Augen zu und durch! Okay, ich war auch schon mal wehleidig, aber ich habe das innerhalb von ein paar Minuten überwunden.

Es muss ja nicht unbedingt Wehleidigkeit sein. Es gibt auch andere Krisen. Spendet Ihnen die Beschäftigung mit Literatur, Philosophie, Musik, Theater oder Film Trost?
Absolut. Die Beschäftigung damit ist ja eine Art des Weitermachens, aber daraus sollte man keine Methode machen. Also dieses „ich greife zu Montaigne, und im Kapitel 23 seiner Essais finde ich dann den Hinweis, der mich weiterbringt“ – nein.

 

Zur Person: Christoph Waltz

Christoph Walz wird am 4. Oktober 1956 in Wien geboren. Er studiert Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar und am Lee Strasberg Institute. 1981 hat er sein Kinofilm-Debüt in Kopfstand. Es folgen viele TV- und Kinoproduktionen. 2010 schafft Waltz den internationalen Durchbruch mit Inglourious Basterds, der ihm die Tür nach Hollywood öffnet. Mit seiner zweiten Ehefrau lebt er in Los Angeles und Berlin. Das Paar hat eine Tochter. Aus erster Ehe hat Christoph Waltz drei erwachsene Kinder.

 

 


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RD Abbinder
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