Das Beste daraus machen
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Stars im Interview

Das Beste daraus machen

Als Komiker genießt Dieter Hallervorden Kultstatus. In einer neuen Tragikomödie rührt er zu Tränen.

Ausgabe: Januar 2015 Autor: Dieter Osswald

Bekannt wurde er Mitte der 1970er-Jahre als Ulknudel Didi in der Fernsehserie "Nonstop Nonsens". Doch Dieter Hallervorden beherrscht nicht nur den Kasper. Als politischer Kabarettist stand er auf der Bühne der Berliner Wühlmäuse und im Mittelpunkt der Spottschau bei SAT1.

Seine schauspielerischen Qualitäten stellte er mit Rollen in Der Springteufel und dem Millionenspiel unter Beweis. Im Herbst 2013 lief die Comedy-Legende nochmals als Charakterdarsteller zur Hochform auf und gab in Sein letztes Rennen einen Rentner, der dem Schicksal Altersheim davonlaufen will. Dafür erhielt er den Deutschen Filmpreis. An der Seite von Til Schweiger kommt Hallervorden nun in der Tragikomödie Honig im Kopf ins Kino – als Großvater, der in der Demenz versinkt.

Frage: Komödie gilt als Königsdisziplin: Sie haben über Jahrzehnte das Publikum Tränen lachen lassen. Nun bringen Sie die Zuschauer ohne Kitsch zum Weinen. Sind Sie mit dem "Honig im Kopf" in der Kaiserdisziplin angekommen?

Dieter Hallervorden: Kaiserdisziplin – eujeujeu! Klar: Das würde ich natürlich sehr gerne – aber das entscheiden letztendlich die Zuschauer. Ich hab meinen Job so gut ich konnte gemacht, und jetzt warte ich sozusagen auf die Benotung: Das Publikum vergibt die Zensuren.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Til Schweiger?

Er ließ mir das Drehbuch zukommen, natürlich erst nachdem er Sein letztes Rennen gesehen hatte. Die Geschichte, die Herr Schweiger erzählen wollte, hat mir gefallen. Ich habe aber erst Wochen später zugesagt, weil ich vorher seine kleine Tochter Emma kennenlernen wollte. Denn eine ehrliche Zuneigung zwischen Enkelin und ihrem Opa ist die Grundvoraussetzung für einen möglichen Erfolg des Films. Ich hab mich mit Emma auf Anhieb gut verstanden.

Schweiger ist der erfolgreichste Komödienregisseur der Republik, Sie selbst genießen als Comedian Kultstatus. Gleichwohl wurden Sie beide vom Feuilleton gern belächelt – sehen Sie sich in diesem Verkanntsein als Seelenverwandte?

Inzwischen habe ich im Feuilleton von so renommierten Blättern wie Süddeutsche und Frankfurter Allgemeine die uneingeschränkte Rehabilitierung bekommen. Aber wirklich wichtig war mir jahrzehntelang die Zustimmung von Taxifahrern, Imbissbudenbesitzern und Müllmännern.

Sie feiern 2015 Ihren 80. Geburtstag. Wie groß ist Ihre Sorge, dass Sie ein ähnliches Schicksal erleiden wie Ihre demente Figur in "Honig"?

Wenn ich mich ständig damit beschäftigen würde, welche Krankheit mich wann womöglich heimsucht, könnte ich ja gleich schon mal langsam Richtung Friedhof vorgehen.

Wie würden Sie persönlich handeln, wenn Sie in eine aussichtslose Lage gerieten?

Ich war und bin immer der Zukunft zugewandt. Ich warte ab, was sie bringt, und mache dann das Beste draus. Ich pfusche dem Schicksal nicht schon vorher in die Karten.

Was würden Sie Betroffenen und ihren Angehörigen raten beim Umgang mit Demenz?

Ich habe jemanden gespielt, der langsam ins Vergessen abdriftet. Daraus ergibt sich aber noch längst nicht die Befähigung, Ratschläge an betroffene Personen zu erteilen.

Wie hat Ihr 16-jähriger Sohn auf diesen Film reagiert?

Er war überrascht, weil er glücklicherweise seinen Vater so ja gar nicht kannte. Und er hat mir schon während des Drehs, nachdem er einige Szenen gesehen hatte, den Rücken gestärkt und mir mit seinem Zuspruch Kraft gegeben, die Rolle bis zum Schluss durchzustehen.


 

RD Abbinder
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